1. #1
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    Avatar von StarWarsFan
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    Standard Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Guten Abend,

    ich frage mich ob Vorwissen in dem Bereich der Ausbildung aus Sicht der Betriebe eher einen positiven oder negativen Effekt auf den Bewerber hat und wie das im Verhältnis zu anderen bewerbungsrelevanten Dingen (z.B. Schulzeugnisse) ausfällt.
    Hintergrund ist, dass mein Bruder einen Ausbildungsplatz als KFZ-Mechatroniker sucht. Obwohl er bereits seit Jahren an Autos herumschraubt und damit so viel Erfahrung gesammelt hat dass er sämtliche Reparaturen an seinem eigenen (und auch an meinem ) seit einer Weile selbst durchführt findet er keine Ausbildungsstelle.

    Was mich wundert, da er meiner Meinung nach viel weiß für die Tatsache, dass er keine Ausbildung in dem Bereich gemacht hat. Kann mir nicht vorstellen, dass der Durchschnitts-Azubi der von der Schule kommt und meistens noch nicht mal ein eigenes Auto hat auch nur ansatzweise so viel Wissen und vor allem Praxiserfahrung hat. Mein Bruder hat ja keine Enzyklopädien gewälzt sondern Praxisdefekte behoben wie sie Kunden in einer Autowerkstatt auch haben. Daher hätte ich damit gerechnet, dass er mit offenen Armen empfangen wird. Ich kann mir keinen vorstellen der besser für einen Beruf geeignet wäre als jemand, der ein so starkes Interesse dafür aufweist, dass er sich schon vorher privat damit beschäftigt und dadurch Wissen und Erfahrung angesammelt hat! Außerdem ist das für die Firmen doch eigentlich ein Vorteil. Ein Azubi der schon viel weiß benötigt weniger Zeit zum lernen und kann dafür mehr produktiv im Unternehmen mitarbeiten!

    Da dem nicht so ist frage ich mich, ob die Betriebe möglicherweise gar keine Leute wollen die schon viel Know How haben. Kann es sein, dass die Firmen Angst davor haben, dass ein entsprechender Azubi nicht stupide mit dem Kopf nickt wenn der Ausbilder etwas sagt sondern vielleicht auch mal mit einem "aber das könnte man doch so und so besser machen" einwendet?
    Oder haben Firmen immer noch das Vorurteil mit den Schulnoten, dass jemand der keinen 1er Schnitt nichts drauf haben kann, egal wie viel Know-How er in Bereichen besitzt in denen er sich durch Interesse selbst Wissen angeeignet hat?

    Wundert mich echt was da passiert. Zumal es immer heißt die Firmen suchen händeringend nach (guten) Auszubildenden und beschweren sich, dass die Azubis immer größere Wissenslücken im Grundwissen haben.
    Irgendwas stimmt da doch nicht!

  2. #2
    Grünschnabel

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    Standard AW: Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Ich denke gutes Vorwissen bei einer Ausbildung hat vor und nachteile für beide,wobei die vorteile aber überwiegen. Das du/dein Bruder keine Lehrstelle bekommst kann aber auch viele andere Gründe haben.
    Von Bundesland zu Bundesland ist die Lage bzw. Arbeitlosenquote schon verschieden,von Stadt zu Stadt nochmal usw. und wo keine Lehrstelle ist, da ist eben keine,egal wie gut der Bewerber ist. Wo ist der Umkreis der Bewerbung ? auf dem Lande oder in einer Großstadt oder Millionenmetropole, also eine allgemeine Antwort ist schwierig. Dazu gibt es auch heute noch die Gefälligkeiten, da kennt ein Onkel ein anderen der noch ein gefallen offen hat....und du hast eine Lehrstelle obwohl der/die andere Bewerber wesentlich besser waren.
    Dazu kommt natürlich in was für ein Betrieb du möchtest, in einen kleinen Familienbetrieb ist gutes Vorwissen sicher ein Vorteil, Ausbilden kosten Geld, können Lehrlinge schon früh Gesellenarbeiten übernehmen bringt das wieder was rein > klarer Vorteil.
    In einem großen Betrieb mit wo möglich vielen Abteilungen und Lehrlinge ist das eher ein Nachteil, da wird etwas erklärt vom Ausbilder......und als Antwort kommt: "ich hab das immer so gemacht und es hat funktioniert"
    Wird in der Praxis auch so gewesen sein,aber warum hat es funktioniert ? Da fehlt dann oft das Hintergrundwissen. Kein Ausbilder hat es gerne wenn ein Oberschlau in seiner Gruppe ist, das untergräbt die Autorität und stört den Betriebsfrieden > klarer Nachteil
    Also mal überdenken wo du dich bewirbst bzw bei wem, interesse zeigen ist gut, auf die Kacke hauen mit,hab ich schon gemacht ,kann ich schon .....kommt selten gut, eventuell den Umkreis mal erweitern, sprich ein Umzug nicht komplett ausschließen.
    Viel Glück

  3. #3
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    Standard AW: Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Reden kann bekanntlich jeder. Dein Bruder soll am Besten direkt sagen, er möchte ein Praktikum machen, bevor er die Ausbildung beginnt. So können die sich selbst davon überzeugen.
    So wie du es hier darstellst verstehe ich nicht, wieso nicht einmal gefragt wird, ob er vorab ein Praktikum machen kann.
    Kann aber auch sein, dass dein Bruder zu alt ist. Ich weiß, dass einige mit 50 noch eine Ausbildung beginnen, dennoch frage ich hier mal dezent nach seinem Alter, auch wenn er bestimmt noch nicht die 30 erreicht hat.
    Außerdem kann es ja sein, dass er nicht genommen wird, weil er vielleicht im Lebenslauf stehen hat, dass er schon X Ausbildungen angefangen, dann aber abgebrochen hat. Auf solche Kandidaten verzichten die Betriebe natürlich auch gerne.

  4. #4
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    Standard AW: Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Zitat Zitat von StarWarsFan Beitrag anzeigen
    Kann es sein, dass die Firmen Angst davor haben, dass ein entsprechender Azubi nicht stupide mit dem Kopf nickt wenn der Ausbilder etwas sagt sondern vielleicht auch mal mit einem "aber das könnte man doch so und so besser machen" einwendet?
    Oder haben Firmen immer noch das Vorurteil mit den Schulnoten, dass jemand der keinen 1er Schnitt nichts drauf haben kann, egal wie viel Know-How er in Bereichen besitzt in denen er sich durch Interesse selbst Wissen angeeignet hat?
    Genau solche Firmen gilt es zu meiden, da ist jede Absage (ohne das man es weiß oder prüfen kann) positiv zu werten.
    Ich denke er hat ein Problem sich selbst zu verkaufen.

    Was er noch versuchen kann ist the american way of life: einfach für ne Festanstellung bewerben und schauen obs klappt, wenn ja, sollte er den Job mindestens 4-5 Jahre durchziehen, danach juckt kein Schwein mehr ob der ne Ausbildung gemacht hat oder nicht.

    Die dritte Möglichkeit wäre: selbstständig machen und was eigenes aufbauen.
    Java:
    Spoiler:

    Lustige Quotes:
    Spoiler:
    Zitat Zitat von Hydra Beitrag anzeigen
    Hier (in Deutschland) kann man keine andere tolle Aktivitäten machen, als zu chillen, shoppen, saufen und Partys feiern xD Ich habe nichts gegen ab und zu mal saufen und Partys feiern, aber das ist doch nicht wirklich das wahre Leben o_o
    Wieso das Internet für die meisten Leute gefährlich ist:
    Zitat Zitat von Silent Beitrag anzeigen
    Ich weiß ja nicht was der Sinn dahinter steckt es heißt immer "security reasons".

  5. #5
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    Avatar von Fritz
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    Standard AW: Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Üblicher weise bewirbt sich ein junger Mensch um eine Ausbildungsstelle in einem Bereich für den er sich interessiert. Demzufolge hat ein junger Mensch bereits vor seiner Ausbildung Vorwissen.

    Allerdings sollten sich Auszubildender und Ausbildungsbetrieb dessen bewusst sein, dass es in der Natur der Sache liegt, dass ein Auszubildender in seiner Ausbildungszeit Ausgebildet werden soll, folglich vor der Ausbildung kein Wissen hat.

    Allerdings sollte der Auszubildende sich dessen bewusst sein, dass Lehrstoff seiner besuchten Schule vorausgesetzt wird. Kann sich ein Auszubildender beispielsweise nicht vorstellen, dass die Berechnung eines Zylinders die Grundfläche mal der Höhe ist, ist für ihn ein Beruf als Zimmermann wo er beispielsweise Baupläne lesen und sich in diese versetzen muss, eine sehr schlechte Wahl.

  6. #6
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    Avatar von 7schafe
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    Standard AW: Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Mir persönlich ist dieser Fall, dass ein Auszubildender mehr kann als ich von Ihm erwarten würde, noch nicht vorgekommen. In aller Regel ist das „Versprochene“ – also die Darstellung in den Bewerbungsunterlagen – geschönt und oft weit über der Realität.

    Eine mögliche Erklärung ist die Zunehmende Vorsicht die Ausbildner walten lassen bei der Auswahl der Kandidaten. Gerade in den ersten Monaten investiert das Unternehmen beträchtliche Energie (Zeit = Geld) in diese Ausbildung, die aber einseitig kündbar ist. Was früher die Ausnahme war ist in manchen Bereichen oft schon die Regel. Schlechte Bezahlung, persönliche Vorlieben oder besser Abneigungen zu anderen, oder einfach nur die sich einschleichende Langeweile, führen immer mehr zu Aufkündigungen solcher Ausbildungen. Das ist für die Unternehmen ein großer Verlust, zumindest für jene, die Ihre Azubis nicht ausbeuten oder einfach niedere Tätigkeiten verrichten lassen. Die Negativ-Spirale muss beendet werden, aber wie?

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    Darkfield (23.11.2017)

  8. #7
    Grünschnabel

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    Standard AW: Vorwissen für Ausbildung gut oder schlecht?

    Ich denke, daß das Niveau der Bewerber in den letzten Jahren sich stark verschlechtert hat. Wenn ich an meine Ausbildung zurück denke. Damals vor etwa. 25 Jahren war es noch sehr schwer eine Ausbildungstelle zu bekommen. Natürlich habe ich mich auch auf eine Stelle beworben, für die ich mich auch interessiert habe bzw. den späteren Beruf. Wenn ich mir die heutige Jungend so ansehe, mit Ihrer größtenteils "Null-Bock" Mentalität, dann kann einem schon Angst und Bange werden. Die meisten denken, die Arbeitgeber würden nur auf sie warten, dem ist aber nicht so. Ich denke auch, es wäre zu einfach, die Schuld an dieser Situation allein der Jugend zu geben. Ich denke, dazu müssten alle mit ins Boot geholt werden, die Eltern, Lehrer und sonstige Bezugspersonen.

    Ich selbst hab mittlerweile auch schon 3 Auszubildende ausgebildet und bin dabei einen etwas anderen Weg gegangen als es die Ausbildung vorsieht. Ich habe immer versucht, den Auszubildenden, das große Ganze zu zeigen, also habe ich sie auch auf Reisen mitgenommen, Ihnen AUfgaben gegeben, die vielleicht nicht primär zu Ausbildung gehörten aber interessant und lehrreich waren. Alle drei haben Ihre Ausblidung hervorragend abgeschlossen und sind mittlerweile tolle Mitarbeiter in unsrem Unternehmen.

    Dies nur als kleines Beispiel, wie es klappen kann. Und um die Frage zu beantworten: Vorwissen halte ich persönlich für unwichtig. Wenn etwas vorhanden ist ok. Viel wichtiger ist Interesse, Neugier, Bereitschaft und auch Mut, etwas lernen zu wollen, dann klappt das auch.

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    7schafe (23.11.2017), Darkfield (24.11.2017)

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