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    Standard Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Wird aus den Bauernprotesten ein Generalstreik gegen die Ampel? Die Landwirte planen ab dem 8.Januar 2024 eine breit angelegte Aktionswoche gegen die Sparpläne der Ampel-Koalition beim Agrardiesel und der KfZ-Steuer inklusive Großdemo in Berlin. Die Lkw-Fahrer wollen sich an dem Protest mit Aktionen in den Landeshauptstädten beteiligen. Parallel dazu hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) neue Bahnstreiks angekündigt. agrarheute.com

    Bundesregierung will Lebensmittel erneut verteuern. Die Bundesregierung hat angekündigt, unter anderem die Steuervergünstigung für Agrardiesel sowie die Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge im Bundeshaushalt 2024 streichen zu wollen. Das entspricht einer zusätzlichen steuerlichen Belastung von etwa 900 Millionen Euro für die landwirtschaftlichen Betriebe. Finanznachrichten.de

    Bauernverband lehnt Agrardieselpläne strikt ab. Die Bundesregierung hat offensichtlich kein Interesse an einer funktionierenden und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft in Deutschland. Das wäre eine weitere massive Belastung für unsere Betriebe und würde uns in der europäischen Wettbewerbsfähigkeit stark schwächen. https://www.bauernverband.de/presse-...aene-strikt-ab

    Auswirkungen der geplanten Streichung von Steuervergünstigung für Agrardiesel sowie die Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge: Bauern werden die gestiegenen Produktionskosten für Landwirtschaftliche Produkte an den Verbraucher weitergeben. Dazu kommt dass der Transport von Lebensmitteln in die Supermärkte durch die LKW Mauterhöhung zu 01.12.23 teurer wird und sich ebenfalls Preissteigernd auswirkt. Nimmt der Verbraucher die gestiegenen Lebensmittelpreise nicht an werden die Supermärkte nach billigeren Lieferanten im Ausland suchen. Deutsche Bauern werden die Produkte ihrer Ernte wie z.B. Möhren, Radieschen oder Kohlrabi sowie Salat nicht mehr an Großhändler verkaufen. Die Folge wird sein dass Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland schließen werden. Mit den zunehmenden Lebensmittelimporten aus dem Ausland macht sich Deutschland zunehmend von Ausländischen Bauern abhängig.

    Die Bundesregierung verspricht sich durch den Wegfall der Subventionen Mehreinnahmen und eine Klima gerechte CO2 Bepreisung. Dabei wird übersehen, wenn Landwirtschaftliche betriebe schließen oder in das Ausland abwandern werden die Steuereinnahmen durch die weggefallenen Betriebe sinken.

    Wird das Anliegen der Bauern morgen dein Problem sein?
    Interessierst du dich für die Proteste der Bauern?

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    Darkfield (02.01.2024), DMW007 (06.01.2024), Hase (09.01.2024)

  3. #2
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Komplexes Thema. Subventionen, bei denen wir pauschal mehr Geld zahlen, um so mehr fossile Kraftstoffe jemand verbraucht, sollten kritisch geprüft werden. Warum koppelt man das nicht an Betriebe, die man gezielt unterstützt? Kleine bis mittelständische Betriebe gerne. Großkonzerne sollten wir nicht mit Steuergeldern subventionieren, die haben das wahrscheinlich gar nicht nötig. Im besten Falle koppelt man das an nachhaltige Bedingungen. Beispielsweise muss ein Teil der Subvention in nachhaltige Landwirtschaft investiert werden. Davon hätten am Ende alle etwas. Es kann ja auch nicht im Interesse der Bauern sein, dass z.B. durch Monokulturen ihre Böden kaputt gehen und damit ihre Existenzgrundlage.

    Die Bauernproteste entfernen sich leider zudem immer weiter von demokratisch legitimen Demonstrationen:
    Zum Jahreswechsel 2023-2024 flüchtet ein Traktorfahrer vor der Polizei. Er überwindet eine Polizeisperre, leistet Widerstand gegen Polizisten und gefährdet die Einsatzkräfte. Ein Polizist wurde verletzt, bis der Fahrer gestoppt werden konnte - dieser stand unter Drogeneinfluss.
    Jüngst wurde versucht, eine Fähre zu stürmen. Auf ihr befand sich Wirtschaftsminister Robert Habeck bei einer privaten Reise. Der Kapitän musste wieder abfahren und verhinderte damit knapp eine Eskalation durch Bauern, die Feuerwerk & Böller zündeten.
    Der Bayrische Bauernverband kritisiert dies, relativierte aber: Politiker müssten dialogbereit sein, um nicht persönlich angegangen zu werden. Dass Habeck ein Gesprächsangebot machte, welches abgelehnt wurde, wird eben so ignoriert wie die Tatsache, dass derartige Nötigung grundsätzlich strafbar ist.
    Rechtsextreme instrumentalisieren die Bauernproteste für sich. Es kommt daher zunehmend zu fragwürdigen bis illegalen Aktionen: Beispielsweise werden Galgen aufgebaut, an denen eine Ampel hängt. Und das ist offensichtlich nicht nur symbolisch gemeint: Teilweise gibt es sogar Umsturzfantasien.

    Spätestens hier ist ein Punkt erreicht, an dem solche Aktionen definitiv nicht mehr akzeptabel sind. Da muss man hoffen, dass diese mit der gleichen Härte verfolgt werden, wie die Klimakleber. Deren Aktionen kann man ebenfalls kritisieren, aber nicht auf die gleiche Stufe stellen. Besonders "witzig" oder eher traurig ist, dass die Bauernproteste von der AfD angeblich solidarisch unterstützt werden - man rufe zum "Generalstreik" auf.

    Im Grundsatzprogramm sagt die Partei klar, sie lehnen Subventionen "generell ab". Man möchte vieles davon abschaffen und den kleinen Rest, der übrig bleibt, zeitlich befristen:



    Dafür sehe ich nur zwei Erklärungen: Entweder macht die AfD das Gegenteil, was sie in ihrem Wahlprogramm versprochen hat - und damit das Gleiche, was die bösen Altparteien ebenfalls tun und weswegen diese verunglimpft werden. Dann hätte sich die Partei in dieser Hinsicht auch schon selbst entzaubert. Oder die Subventionen für die Bauern sind der AfD völlig egal und sie nutzen nur die günstige Gelegenheit, frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Dann werden sich die Landwirte aber umschauen, wenn die AfD an die Macht kommt und ihnen die Subventionen wieder streicht. Die Ampel hatte ihnen ja zumindest einen Kompromiss bzw. eine Übergangslösung angeboten.

    Ich bin gespannt, was kommende Woche passiert. So wie es aussieht, allerdings wohl nichts gutes. Es ist zu befürchten, dass es zu einigen und noch größeren Eskalationen führen wird, als wir es in den letzten Tagen/Wochen schon gesehen haben. Ich hoffe, es gibt keine Schwerverletzten oder gar Toten, ähnlich wie bei den "Gelbwesten" in Frankreich. Mit Radikalisierung & Gewalt werden wir nicht weiter kommen, sondern eher das ohnehin schon angespannte Klima weiter vergiften.


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    Hase (09.01.2024)

  5. #3
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Ausnahmslos JEDE Partei dreht die Fahne nach dem Wind der gerade bläst, meist geschwängert mit irgend
    welchen dusseligen Platitüden damit das maulende Volk ruhig gestellt wird.
    Macht also die AfD nun auch, und damit kann man die in den gleichen Sack stecken wie die altvorderen Vollhonks!
    Wollen wir uns darüber ernsthaft beschweren?
    Immerhin dulden wir das doch schon ewig lange, diese Art das Volk für Doof zu verkaufen.

    Einerseits stimme ich da zu, radikale Maßnahmen sind wenig zielführend, auch wenn ich viele verstehen kann!
    Schließlich hängt da die Existenz vieler dran, inkl. Familien.

    Wenn sich die Verbände (und damit meine ich nicht nur den Bauernverband) mal richtig einig wären könnten die
    einfach mal das Instrument der Marktwirtschaft leidlich anwenden - nur ein seltenes Produkt bekommt eine Aufmerksamkeit.
    Das blöde daran: Wieder einmal könnten sich nur REICHE etwas leisten was selten ist, und die arbeitende Masse guckt in die Röhre.

    So langsam bekommen wir hier französische Verhältnisse, denn wenn denen was nicht passt brennen Tankstellen.
    Mit dem Unterschied das bei den Franzosen sich das Volk mit den Demonstranten solidarisiert.
    Da sehe ich bei uns noch sehr viel Potential.
    Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. (Benjamin Franklin)
    Die zwei häufigsten Elemente im Universum sind Wasserstoff und Blödheit. (Yonathan Simcha Bamberger)
    Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust mit Idioten zu diskutieren. (Albert Einstein)
    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. (Dante)
    Es gibt Besserwisser, die niemals begreifen, dass man recht haben und ein Idiot sein kann. (Martin Kessel)
    Doofheit ist keine Entschuldigung.

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    DMW007 (07.01.2024), Hase (09.01.2024)

  7. #4
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Mich überrascht das bei der AfD wenig, ist ja auch nicht der erste Fehltritt bei denen. Das war eine Anspielung, weil viele von deren Wählern das offensichtlich ausblenden. Man hört & ließt öfter Kommentare wie "Nur noch AfD". Beim Nachfragen heißt es dann oft, es sei schließlich die einzige Partei, die ehrlich sagen würde was viele denken und sich um die durchschnittliche Bevölkerung kümmern würde. Hier sieht man sehr schön, dass die nicht nur personell ihre Vorfälle haben. Sondern auch mal ganz locker einen Protest gegen ihr eigenes Wahlprogramm unterstützen. Auf der anderen Seite gibt es einige Landwirte, die diesen Widerspruch entweder nicht erkennen. Oder bewusst ignorieren, wie viele Wähler dieser Partei es ja offensichtlich mit den erheblichen Anteil an Rechtsextremen halten.

    Mit pauschalem Verständnis der Landwirte tue ich mich schwer: In Hessen haben sie 2022/2023 "ein absolutes und bisher nie dagewesenes Spitzenergebnis" erzielt: Durchschnittlich 132.328€ Gewinn, fast doppelt so viel wie 2021/2022 mit 73.708€ - wobei selbst das schon 10% über dem Schnitt der letzten 5 Jahre lag. Schon im November war klar, dass die ein Rekordjahr erzielen. Und wir reden hier von Gewinn, nicht Umsatz. Da kann also keiner behaupten, die Kosten wären durch die laufenden Krisen weitaus stärker gestiegen als die Einnahmen. Davon hört man jedoch wenig. Natürlich sind Durchschnittswerte mit Vorsicht zu genießen. Ein paar Großkonzerne die Millionen verdienen, verzerren den. Besser wäre der Median. Dennoch passt das nicht so richtig ins Bild der armen Bauern.
    Nachtrag: Ich habe hier einen Denkfehler gemacht, siehe dazu dieser Beitrag.

    Gerade das ist ein weiteres Argument für den Vorschlag aus dem letzten Beitrag: Nur die fördern, die es nötig haben - statt mit der Gießkanne Betriebe zu subventionieren, die Gewinn in 6-Stelliger Höhe oder noch mehr kassieren. Verstehe ich gar nicht, warum das kaum diskutiert wird. In vielen Bereichen des Sozialstaates ist das genau so üblich: BAföG bekommt man nur, wenn die Familie nicht in der Lage ist, die berufliche Ausbildung zu finanzieren. Für Wohngeld muss man nachweisen, über zu wenig Einkommen zu verfügen, um sich angemessenen Wohnraum leisten zu können. Es gibt sogar Unterstützung für z.B. hohe Heizkostenabrechnungen, wenn man von der Hand im Mund lebt und sich gestiegene Energiepreise nicht mehr leisten kann. Diese und viele weitere Sozialleistungen bekommt keiner, der 11.000€/Monat zur Verfügung hat. Schon weit früher sagt der Sozialstaat, dass man in der Lage ist, sich selbst zu versorgen.

    Woher kommen die Subventionen?
    Das finde ich ja immer eine spannende Frage, vor allem bei solchen Themen, mit denen zumindest ich mich bisher nicht groß beschäftigt habe. Bei der Einführung der Kfz-Steuer 1922 hat man die Landwirtschaft ausgenommen, um deren Motorisierung zu fördern. Verglichen mit anderen Wirtschaftsbereichen sah man die Bauern im Nachteil. Durch die Subvention sollte die Produktivität gefördert & die soziale Lage verbessert werden. Bei einer über 100 Jahre alten Subvention kann man sich fragen, was die gebracht hat und ob die noch nötig ist. Manch einer ließt das bereits an den tausenden Traktoren, die schon auf den Straßen waren und teils für kommende Woche angekündigt sind (alleine in Hamburg mehrere tausende).

    2019 haben sich mehrere Unis mit finanzwissenschaftlichen Schwerpunkt insgesamt 33 "Steuervergünstigungen" über rund 7,4 Milliarden Euro angeschaut: Bereits Daten von 2014 zeigen auf Seite 76 (Fußzeile), dass fast 99% aller landwirtschaftlichen Betriebe mindestens einen eigenen Traktor haben. Selbst bei den kleinsten Betrieben mit unter 5 Mitarbeitern nutzen über 92% Traktoren. Man sah die Ziele daher bereits in vorherigen Berichten als erreicht an. Wenn ich eine Subvention mit bestimmten Ziel einführe, muss ich sie doch einstellen, nachdem das Ziel erreicht ist. Sollten die Bauern aus anderen Gründen Unterstützung benötigen, dann muss man sich das anschauen und gezielt etwas neues entwickeln. Und das ist offensichtlich der Fall, nachdem kaum jemand mehr per Hand Landwirtschaft betreibt, weil er sich keinen Traktor leisten kann.

    Auch von Seiten der Regierung kann ich daher nicht nachvollziehen, wieso man nun alle wieder von der Kfz-Steuer befreit hat. Die seit Jahren vorhandene Feststellung, dass diese Subvention ihr Ziel erreicht hat, wäre doch der perfekte Zeitpunkt, um erst mal genauer zu schauen, wo die Probleme liegen. Dann kann man die alte Subvention abschaffen und bei Bedarf eine neue entwickeln. Wenn wir nur die Unterstützen, die es wirklich brauchen, ist gesellschaftlich allen geholfen. Und die Regierung kann Geld sparen, welches an Großbetriebe fließt. Außerdem würde sie sich damit weit weniger populistisch angreifbar machen. Jetzt kann man ihr vorwerfen, dass alle Bauern im Stich gelassen werden. Würden sie aber gezielt kleinere Betriebe subventionieren, wäre dieser Vorwurf haltlos. Wenn die Demonstrierenden zu diesen Betrieben gehören, die am Rande der Existenz stehen, so wären die Proteste damit abgeblasen oder zumindest stark verkleinert.

    Zitat Zitat von Darkfield
    Das blöde daran: Wieder einmal könnten sich nur REICHE etwas leisten was selten ist, und die arbeitende Masse guckt in die Röhre.
    Auch dafür könnten wir gezielter jene unterstützen, die es nötig haben. Ein grundsätzliches Problem besteht darin, dass viele Produkte vergleichsweise billig sind, weil Ressourcenaufwand & Umweltschäden nicht im Preis einberechnet sind. Oft liegt das an Subventionen. Nicht nur bei Lebensmitteln, das gleiche haben wir z.B. bei Atomkraft: Die Meiler müssen nach maximal ein paar Jahrzehnten rückgebaut werden. Das dauert Jahre bis Jahrzehnte und kostet Unsummen. Dazu kommt die "Endlagerung". Die Kosten trägt nicht nicht etwa der Verursacher alleine: Die AKW-Konzerne haben ein paar Milliarden in einen Fonds eingezahlt. Alles darüber, soll der Steuerzahler bezahlen. Es zeichnet sich bereits ab, dass die realen Kosten weit höher liegen werden. Wirklich genau wissen tut es keiner, weil wir das noch nie erfolgreich gemacht haben. Pannen mit ehemaligen Bergwerken, die wegen Überschemmung wieder geräumt werden mussten, kennen wir dagegen. Wir wissen auch, dass wir nicht in der Lage sind, für z.B. Stuttgart 21 halbwegs im Zeit- und Kostenrahmen zu bauen. Und da geht es um einen Bahnhof. Wie man Bahnhöfe baut, ist erforscht, das kann man lernen. Wie man hochgiftige Abfälle über Jahrmillionen sicher lagert, nicht.

    Ich bin kein Fan von solchen pauschalen Subventionen im großen Stil, weil sie wahren Kosten verstecken. Und das offenbar ziemlich erfolgreich, denn die AfD will u.a. wieder Kernkraftwerke betreiben, weil man damit den Menschen angeblich saubere, günstige Energie bieten kann. Rechnet man alle versteckten Kosten sowie Umweltschäden mit ein, ist Atomstrom jedoch mit Abstand am teuersten. Die Streichung von allen direkten & indirekten Subventionen ist der erste Schritt, damit jeder den wirklichen Preis auf seiner Rechnung sieht. Dann können Vereine wie die AfD kaum jemanden für dumm verkaufen und von der billigen Kernenergie fantasieren, wenn Atomstrom 37,8 Cent pro kWh kostet, Solar fast die Hälfte und Windenergie noch weniger. Hier ist das ganze noch absurder, weil es Alternativen gibt, die wir längst hätten ausbauen können, aber anderes Thema.

    Bei den Bauern ist einzusehen, dass es kaum Alternativen zu Diesel gibt. Wenn der teurer wird, dann werden es auch die Produkte. Also müssen sie einen Weg finden, das gegenüber den Großabnehmern durchsetzen zu können. Kleine Bauern, bei denen das nicht reicht, die können ggf. gefördert werden. Konsumenten, die sich die Preise nicht leisten können, auch. An der Stelle finde ich zudem den Hinweis auf den erheblichen Teil der Lebensmittel wichtig, die weggeworfen werden. Und zwar in großem Stil. Es wäre für uns alle besser, das zu reduzieren. In anderen Themen habe ich schon vor längerem auf z.B. Frankreich verwiesen. Dort müssen überschüssige Lebensmittel von größeren Läden gespendet werden, sodass ärmere Menschen sie bekommen. Deutschland schmeißt immer noch vieles davon weg, weil jeder Betrieb das selbst entscheidet. Offensichtlich sind dort die Margen groß genug, damit man sich das seit Jahrzehnten leisten kann und trotzdem nette Profite erwirtschaftet.

    Es gibt einige Möglichkeiten, was man tun kann und wie die daraus entstehenden Probleme gelöst werden können. Was die Bauern angeht, kann übrigens jeder zum nächsten Hofladen oder Wochenmarkt gehen und dort direkt beim Erzeuger einkaufen, statt im Supermarkt. Alleine schon weil der Mittelsmann weg fällt, bleibt mehr übrig. Und wer es mit der Solidarität gegenüber den Bauern besonders ernst meint, dem steht es frei, an der Kasse aufzurunden. Dafür braucht es nicht mal die Politik, das kann jeder bei seinem nächsten Einkauf umsetzen. Ist dann halt ein wenig mehr Aufwand, als nur im Web die Solidarität gegenüber den Landwirten zu bekunden. Dafür können die sich allerdings im wahrsten Sinne des Wortes etwas kaufen. Im Gegensatz zu z.B. den Pflegern, die bisher außer Applaus wenig bekommen haben.


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  9. #5
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Greenpeace zu den Bauernprotesten. "Anders als der Bauernverband behauptet, wird das Ende der Dieselsubventionen weder ein massives Höfesterben noch das Ende der Landwirtschaft in Deutschland zur Folge haben. Im Gegenteil, es wird die Erzeugung hierzulande klimafreundlicher und damit zukunftsfähiger machen. " Martin Hofstetter, Greenpeace-Landwirtschaftsexperte greenpeace.de

    Umweltbundesamt. Umweltschädliche Subventionen: Der Abbau von Steuervergünstigungen für Pkw- und Agrardiesel, die private Nutzung fossiler Dienstwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie bei der Entfernungspauschale würde der öffentlichen Hand Mehreinnahmen im zweistelligen Milliardenbereich bringen. Das zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zu umweltschädlichen Subventionen im Jahr 2018. Diese oben genannten Subventionen lassen sich national abschaffen. ...Umweltschädliche Subventionen hemmen die Entwicklung und Marktdurchdringung umweltfreundlicher Produkte und gefährden die Umwelt- und Klimaziele. Außerdem verteuern sie den Umwelt- und ⁠Klimaschutz⁠, weil der Staat beides stärker fördern muss, wenn er gleichzeitig umweltschädliche Produkte und Verfahren subventioniert. Umweltbundesamt.de

    Beide Organisationen Greenpeace und Umweltbundesamt sprechen sich für die Abschaffung Umweltschädlicher Subventionen. Die Subvention setzt falsche Anreize. Die Zukunft wird auch für die Bauern elektrisch sein. Fendt.com bietet bereits heute elektrisch angetriebene Traktoren an.

  10. #6
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Ich muss zugeben, dass ich bei der Betrachtung des reinen Betriebsgewinnes in meinem vorherigen Beitrag einen Denkfehler gemacht habe: Gedanklich habe ich dabei mit einem 1 bis maximal 2 Mann Betrieb gerechnet. Heißt, wir hätten mit den 132.328€ Gewinn pro Kopf bei zwei Personen noch 66.164€. Und da sind Investitionen nicht einberechnet. Ein Teil des Gewinns sollte man dafür beiseite legen. In dieser Modellrechnung kämen wir pro Person noch auf ein durchschnittliches bis leicht überdurchschnittliches Einkommen, vielleicht etwas höher, je nachdem, wie viel man beiseite legt.

    Interessanter wird es natürlich, wenn wir keine hypothetischen Modellrechnungen machen, sondern jemand mal schaut, wie das in der Praxis wirklich aussieht. Das wurde gemacht: Wenn Familienmitglieder arbeiten ohne angestellt zu sein (also ein Familienbetrieb, wie man sich ihn in idyllischer Fantasie vorstellt), verdient jede Person im Schnitt rund 43.000€. Und muss dafür 46,7 Stunden pro Woche arbeiten. Harte Arbeit, zu der es verschiedene andere Jobs gibt, bei der man für weniger Arbeitszeit mehr Geld bekommt. Damit sieht das ganze schon weniger rosig aus.

    Noch interessanter wären Zahlen, wie die Verhältnisse aussehen, also wer konkret da wie stark von betroffen ist. So könnte man das Ausmaß besser einschätzen. Dazu habe ich leider bisher nichts belastendes gefunden. Der Artikel sagt dazu im Wesentlichen auch, dass es auf verschiedene Umstände ankommt: Was der Bauer konkret produziert, in welcher Größe usw. Nur zur Größe sagen sie, dass laut Landwirtschaftsministerium knapp 40% zu den "größeren" Betrieben zählen. Und deren Einkommen liegt über 130.000€. Mehr als die Hälfte der Betriebe haben also weniger verdient. Diese verbleibenden rund 60% werden in mittlere große (rund 59.000€ Durchschnittseinkommen) und kleine (rund 34.000€) unterteilt.

    Ich bleibe bei meinem Standpunkt, dass wir gezielter dort fördern sollten, wo es nötig ist (also nicht bei großen Betrieben). Die letzten Zahlen bestätigen das sogar nochmals: Kleinere Betriebe verdienen deutlich weniger. Wenn du 34.000€ alleine verdienst und dafür einen ganzen Hof 7 Tage die Woche betreuen musst, ist das kein leicht verdientes Geld. So was macht nur jemand, der das aus Leidenschaft tut, oder gerade keine andere Alternative hat. Solche kleineren und mittleren Betriebe können wir gerne in vernünftigem Ausmaß unterstützen. Bei denen sind E-Traktoren wohl definitiv keine Alternative. Selbst wenn sie funktionieren, wären die Investitionen bei den Einnahmen gering.

    Was mir bei der Sache nach wie vor zu kurz kommt: Alle fordern Subventionen vom Staat und protestieren gegen den. Bei Teilforderungen wie z.B. weniger Bürokratie macht das auch Sinn. Wenn es ums Geld geht, frage ich mich aber: Wo bleiben die Proteste gegen die vier großen Lebensmittelkonzerne? Die haben ein Oligopol und können somit hohen Druck auf die Preise ausüben. Alleine die Schwarz-Gruppe (hauptsächlich Kaufland, Lidl, Real) hat 2022 einen Umsatz von über 154 Milliarden Euro erwirtschaftet - ein Plus von 15,4% gegenüber dem Vorjahr. Leider verraten sie den Gewinn nicht. Aber: Trotz Inflation und Zinsen will man "einen stabilen Jahresabschluss" erreicht haben. Klingt nicht, als ob man am Hungertuch nagen würde. Warum verteilen wir nicht erst mal mal ein paar Prozent von denen an die Bauern, vorrangig die kleineren? Hier könnte der Staat eingreifen, um deren Position zu stärken. Nachdem die Konzerne gute Geschäfte machen, finde ich das fairer, bevor über den Staat die Kosten auf die Allgemeinheit umgelegt werden. Im Sinne der Ernährungssicherung & Förderung kleiner, lokaler Betriebe fände ich staatliche Unterstützung u.u. auch legitim. Aber nicht, so lange wir damit indirekt Großkonzerne unterstützen, die nicht mal verraten, wie viel sie damit verdienen.


  11. #7
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat Ende 2020 eine 36 Seiten lange Broschüre "Landwirtschaft verstehen" veröffentlicht. Dort sind ab Seite 7 ein paar interessante Zahlen enthalten. Der Kern ist: Die Zahl der Betriebe sinkt seit Jahrzehnten immer mehr, während parallel die Menge der produzierten Lebensmittel steigt. Das kommt durch den Trend hin zu immer größeren Betrieben. Über die Hälfte der Fläche gehört rund 1/10 der Betriebe. Laut Bericht steht die Größe des Betriebes in keinem erkennbaren Zusammenhang zur Qualität der produzierten Lebensmittel oder den Umweltschutzstandards. Wenn in den Medien vom "Höfesterben" die Rede ist, führt dies also nicht zu einem Engpass bei der Versorgung (wie es teilweise behauptet wird). Sondern zu einem kleineren Wettbewerb, auf dem immer mehr große Betriebe tätig sind. Das halte ich für keinen guten Trend - wir sehen in anderen Bereichen, was passiert, wenn der Markt von einer Hand voll Großkonzerne dominiert wird. Allerdings ist das ein anderes Thema.



    Darum geht es mir an der Stelle, weil vereinzelt Angst gemacht wird, wir müssten unser Essen zukünftig aus dem Ausland importieren. Davon sind wir ziemlich weit weg: Wir gehören in der EU zum viertgrößten Erzeuger mit alleine 200 Millionen Nutztiere. Wird im Bericht ab Seite 16 beschrieben. Dafür gibt es aus Brüssel übrigens Fördergelder. Tatsächlich ist diese Ausrichtung gar nicht so neu: Schon seit 1962 gibt es die "Gemeinsame Agrarpolitik" (GAP): Man sollte die Produktivität steigern & mehr Handel treiben.

    Pikant dabei: Es werden gezielt größere Betriebe gefördert. Schon seit 2003 wechselte die GAP von der Einheit eines produzierten Lebensmittels (z.B. ein Liter Milch) zu der Fläche, die der Betrieb bewirtschaftet. Je mehr ein Landwirt hat, um so mehr Förderung bekommt er. Wir stellen uns das mal bei der normalen Bevölkerung vor - wer 45 Stunden/Woche arbeitet, bekommt mehr Zuschuss, als jemand der nur 35h arbeitet? WTF? Da gäbe es (zu Recht) großen Widerspruch und die Forderung, das vom Einkommen abhängig zu machen. Davon wollte die Politik allerdings wenig wissen. Die EU hat das schon vor Jahren einschränken wollen, etwa die Fördersumme auf maximal 100.000€ Beschränken. Finde ich nicht den besten Weg, aber wäre mal ein Anfang. Welches Land hat sich dagegen gestellt? Unter anderem Deutschland. Ein ausführlicher Bericht dazu von Anfang 2019.

    Es scheint also politisch gewollt zu sein, dass man größere Betriebe stärker unterstützt, als kleinere. Die Ampel hat das vielleicht nicht besser gemacht, allerdings nicht eingeführt - das kommt von den Vorgängerregierungen, die haben da aus meiner Sicht ein kaputtes System geschaffen bzw. unterstützt. Betrachtet man es in Summe, haben wir ein deutlich größeres Problem, als die gestrichenen Subventionen. Wahrscheinlich ist das nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.


  12. #8
    Avatar von Darkfield
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Da haben also, wie so oft, Lobbyisten ganze Arbeit geleistet!

    Wie aktuell auch bei der energetischen Sanierung:
    Gefördert wird nur derjenige, der sich das auch OHNE Förderung leisten könnte,
    andernfalls wäre man ja nicht Kreditwürdig.
    Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. (Benjamin Franklin)
    Die zwei häufigsten Elemente im Universum sind Wasserstoff und Blödheit. (Yonathan Simcha Bamberger)
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    Doofheit ist keine Entschuldigung.

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    Ahnungsloser (15.01.2024)

  14. #9
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat auch die Ackerbaustrategie 2035 vorgestellt. Da hatte ich auch schon gesehen, dass die Betriebe immer weniger und größer werden. Das PDF beschreibt die Probleme und Ziele, die es in der Landwirtschaft in den 15 Jahren nach dem Bericht geben wird. Und Lösungsansätze.
    Fun Fact: 2016 wurde der "Klimaschutzplan 2050" vorgestellt. Den erwähnt der Bericht auch, weil die Landwirtschaft ebenfalls ihre Emissionen reduzieren soll. Erwähnen tue ich das, weil einige Bauern sagen, die Ampel muss weg. 2016 war aber keine Ampel in der Regierung. Sondern die Lobbypartei des Bauernverbandes!

    Im Krieg gibt es keine Gewinner, nur Verlierer!

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    Baum (16.01.2024), Darkfield (17.01.2024)

  16. #10
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    Standard AW: Lebensmittelknappheit durch Bauernproteste?

    Bauern blockieren Warenlager von Amazon, Aldi und Lidl. https://www.t-online.de
    Landwirte blockieren Supermärkte. www.NDR.de

    Die Bauernproteste radikalisieren sich und gefährden die Lebensmittelversorgung in Deutschland. Mit Amazon werden viele Güter zu Versorgung der Bevölkerung versendet. Beispielsweise werden Lebensmittel oder Hygieneartikel mit dem Versandhändler verschickt. Werden die Zentrallager blockiert, bekommen die Kunden ihre bestellte Ware nicht.

    Mit der Radikalisierung der Bauernproteste nimmt die Gefahr der Lebensmittelknappheit zu. Längere Blockaden würden die Versorgungskette stören und nicht ausgelieferte Lebensmittel würden in den Großlagern verderben. Blockierte Zentrallager und Supermärkte können die Bevölkerung nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen. Das blockieren der Bauern von Supermärkten übt unnötigen Druck auf die Bevölkerung aus. Niemand hat zu Hause eine Speisekammer mehr um Lebensmittel zu bevorraten. Supermärkte sind zu der Speisekammer der Bevölkerung geworden. Auf diese Weise kann sich die Bevölkerung täglich mit frischen Lebensmitteln versorgen. Werden nun Supermärkte und Zentrallager blockiert müssen viele Bürger leiden, da sie keine Lebensmittel kaufen können. Durch die Strassenblockaden bleiben Lastwagen in den Blockaden stecken und können Supermärkte, Krankenhäuser oder Kindergärten nicht mehr mit Lebensmitteln beliefern. Die Folge der Bauernproteste durch Blockaden könnten leere Regale sein. Krankenhäuser und Kindergärten werden ebenfalls von den Lebensmittelgrosslagern beliefert. Eine Blockade würde in Krankenhäusern und Kindergärten zu Lebensmittelknappheit führen. Alte, kranke und Kindergartenkinder könnten nicht gespeist werden.

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    DotNet (19.01.2024)

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