{"id":10637,"date":"2023-06-18T17:16:01","date_gmt":"2023-06-18T15:16:01","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/?p=10637"},"modified":"2024-01-28T17:05:04","modified_gmt":"2024-01-28T15:05:04","slug":"warum-microsofts-chef-linux-ein-krebsgeschwuer-nannte-und-der-konzern-es-heute-angeblich-liebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/warum-microsofts-chef-linux-ein-krebsgeschwuer-nannte-und-der-konzern-es-heute-angeblich-liebt\/","title":{"rendered":"Warum Microsofts-Chef Linux ein &#8222;Krebsgeschw\u00fcr&#8220; nannte und der Konzern es heute (angeblich) liebt"},"content":{"rendered":"<p>Manche Zitate sind derart pr\u00e4gend bzw. extrem, dass sie auch Jahre sp\u00e4ter noch Aufmerksamkeit erregen. Darunter z\u00e4hlt sicherlich auch Steve Ballmers Aussage, dass Linux ein &#8222;Krebsgeschw\u00fcr&#8220; sei. Und das, obwohl Ballmer auch sonst nicht gerade eine unauff\u00e4llige Pers\u00f6nlichkeit ist. Dieser Beitrag zeigt das Zitat, erkl\u00e4rt warum Ballmers Begr\u00fcndung daf\u00fcr schon damals falsch war und wirft einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen bis heute, die Microsofts Anti-Linux Haltung auf den Kopf gestellt haben.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Interview: Warum soll Linux ein &#8222;Krebsgeschw\u00fcr&#8220; sein?<\/h2>\n<p>Microsoft gibt sich heute als Freund und Partner von Linux. Doch diese Wende kam nicht ganz freiwillig und die Geschichtsb\u00fccher zeigen, dass es vor einigen Jahren noch ganz anders aussah: In einem Interview fragte der Reporter  Microsoft-Chef Steve Ballmer 2001, was er von Linux h\u00e4lt. Dessen offene Antwort war selbst f\u00fcr den damals offensichtlich \u00fcblichen h\u00e4rteren Umgangston ein Skandal und wurde <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2001\/06\/02\/ballmer_linux_is_a_cancer\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.theregister.com\/2001\/06\/02\/ballmer_linux_is_a_cancer\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">von zahlreichen Medien aufgegriffen<\/a>, auch noch <a href=\"https:\/\/www.computerwoche.de\/g\/die-geschichte-von-linux,116803,6#galleryHeadline\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.computerwoche.de\/g\/die-geschichte-von-linux,116803,6#galleryHeadline\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Jahre sp\u00e4ter in der Geschichte von Linux<\/a>. Doch <a href=\"https:\/\/www.linux.com\/news\/microsofts-ballmer-linux-cancer\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.linux.com\/news\/microsofts-ballmer-linux-cancer\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">die Konversation<\/a>, welche leider nicht mehr im ungek\u00fcrzten Original abrufbar ist, begann recht zun\u00e4chst recht h\u00f6flich:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>It\u2019s good competition. It will force us to be innovative. It will force us to justify the prices and value that we deliver. And that\u2019s only healthy.<\/p>\n<p><cite>Steve Ballmer<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Das damals erst wenige Jahre alte Linux sei gut f\u00fcr den Wettbewerb und werde Microsoft zwingen, innovativ zu sein und sowohl Preise als auch den Wert der eigenen Produkte zu rechtfertigen &#8211; etwas gesundes f\u00fcr den freien Markt. Dem w\u00fcrde man nicht widersprechen wollen, wenn danach noch nicht der ber\u00fchmte Satz gefallen w\u00e4re &#8211; und zwar auf die Frage, was Microsoft von Linux h\u00e4lt:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Open source is not available to commercial companies. The way the license is written, if you use any open-source software, you have to make the rest of your software open source. If the government wants to put something in the public domain, it should. Linux is not in the public domain. Linux is a cancer that attaches itself in an intellectual property sense to everything it touches. That\u2019s the way that the license works.<\/p>\n<p>Open Source ist f\u00fcr kommerzielle Unternehmen nicht verf\u00fcgbar. So wie die Lizenz geschrieben ist, m\u00fcssen Sie, wenn Sie Open-Source-Software verwenden, auch den Rest Ihrer Software als Open Source zur Verf\u00fcgung stellen. Wenn die Regierung etwas der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machen will, sollte sie das tun. Linux geh\u00f6rt nicht zum \u00f6ffentlichen Bereich. Linux ist ein Krebsgeschw\u00fcr, das sich im Sinne des geistigen Eigentums an alles heftet, was es ber\u00fchrt. Das ist die Art und Weise, wie die Lizenz funktioniert.<\/p>\n<p><cite>Steve Ballmer<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Hier stimmt dagegen fast gar nichts mehr, zudem werden verschiedene Dinge durcheinander geworfen. Die <a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/GNU-General-Public-License-GNU-GPL\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/GNU-General-Public-License-GNU-GPL\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">GNU General Public Licence (kurz GPL)<\/a> ist die bekannteste Lizenz f\u00fcr freie Software. Sie wird von gro\u00dfen Teilen des Linux-Kernels genutzt und verpflichtet jeden, <a href=\"https:\/\/www.voelker-gruppe.com\/stuttgart\/open-source-software\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.voelker-gruppe.com\/stuttgart\/open-source-software\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">vorgenommene \u00c4nderungen oder abgeleitete Werke<\/a> ebenfalls unter der gleichen Lizenz zu stellen sowie den Quellcode offen zu legen (<a href=\"https:\/\/www.gnu.org\/licenses\/copyleft\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Copyleft<\/a>). Das meint Ballmer mit &#8222;Krebsgeschw\u00fcr&#8220;: Wer Linux einsetzt, der m\u00fcsse seinen gesamten Code ebenfalls mit der GPL lizenzieren.<\/p>\n<p>Das betrifft jedoch nur hardwarenahe Software, wie etwa Betriebssysteme. Die wenigsten Unternehmen wollen wohl ein eigenes Betriebssystem entwickeln. Anwenderprogramme betrifft dies nicht, sie sind in der Linux-Lizenz bewusst ausgeschlossen, damit eben nicht jede unter Linux lauff\u00e4hige Software automatisch per GPL lizenziert werden muss. Entgegen Ballmers Behauptung ist es f\u00fcr viele Branchen daher problemlos m\u00f6glich, auch propriet\u00e4re Software zu entwickeln.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einige Lizenzen erm\u00f6glichen auch die kommerzielle Nutzung ohne Offenlegung<\/h3>\n<p>Der Bereich von quelloffener Software reicht jedoch weit \u00fcber den Linux-Kernel und die GPL hinaus. Gerade hier gibt es daher <a href=\"https:\/\/www.wbs.legal\/allgemein\/open-source-lizenzen-ein-uberblick-14575\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.wbs.legal\/allgemein\/open-source-lizenzen-ein-uberblick-14575\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">zahlreiche weitere Lizenzen<\/a>, welche weniger streng sind und damit Einschr\u00e4nkungen der Freiheit des Nutzers erm\u00f6glichen. Eine der \u00c4ltesten sind die BSD-Lizenzen, die Erste erschien bereits 1990, also 11 Jahre vor dem Interview. Sie erlauben dem Nutzer nahezu alles, lediglich die Lizenz muss weitergegeben werden. <\/p>\n<p>\u00c4hnlich anspruchslos ist die MIT-Lizenz, sie ist noch \u00e4lter und stammt aus dem Jahre 1987. Wird der Urhebervermerk mit dem Lizenztext weitergegeben, ist sie erf\u00fcllt. Auch propriet\u00e4re Software zu verkaufen, ist damit m\u00f6glich. Es gibt eine Vielzahl an <a href=\"https:\/\/www.gnu.org\/licenses\/license-list\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gnu.org\/licenses\/license-list\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">verschiedenen Lizenzen<\/a>, weitere erfordern ebenfalls nicht die Offenlegung des Quellcodes. Bei Open Source geht es weniger um die Freiheit der Nutzer, als viel mehr den pragmatischen Vorteil. Freier Software ist hingegen die Freiheit im Sinne von Redefreiheit bezogen auf seine Rechte gegen\u00fcber dem Programm wichtig, sie <a href=\"https:\/\/www.gnu.org\/philosophy\/selling\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gnu.org\/philosophy\/selling\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">kann sogar verkauft werden<\/a>.<\/p>\n<p>Es ist daher problemlos m\u00f6glich, beispielsweise eine Linux-Distribution auf einem USB-Stick zu verkaufen. Quelloffen bedeutet nicht zwingend kostenfrei, nur weil es ggf. m\u00f6glich ist, sie ohne Bezahlung zu nutzen. Mit Preisschild gekennzeichnete Produkte aus einem Laden ohne Bezahlung mitzunehmen ist schlie\u00dflich ebenfalls nicht alleine deswegen erlaubt, da man es machen <em>k\u00f6nnte<\/em>. Es gibt zahlreiche Beispiele im Alltag, in denen die gro\u00dfe Mehrheit der Menschen sich an gemeinschaftliche Regeln h\u00e4lt &#8211; selbst dann, wenn die Wahrscheinlichkeit von Konsequenzen eines Regelbuchs gering ist.<\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auch mit quelloffener Software l\u00e4sst sich Geld verdienen<\/h3>\n<p>Abgesehen von dieser fehlenden Differenzierung sieht man bereits seit unz\u00e4hligen Jahren, dass weder die Lizenzen, noch gar der Linux-Kernel sich wie ein Krebsgeschw\u00fcr verh\u00e4lt und den Kommerz zerst\u00f6rt.<a href=\"https:\/\/www.bigdata-insider.de\/wie-laesst-sich-mit-open-source-geld-verdienen-a-496516\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bigdata-insider.de\/wie-laesst-sich-mit-open-source-geld-verdienen-a-496516\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"> Im Gegenteil<\/a>: Das 1993 gegr\u00fcndete Red Hat beispielsweise erwirtschaftet Milliarden damit &#8211; obwohl beispielsweise gro\u00dfe Teile Ihrer Linux-Distribution frei verf\u00fcgbar sind. Ich habe bewusst ein altes Unternehmen gew\u00e4hlt, das zum Zeitpunkt von Ballmers Aussage bereits existierte. Ein aktuelleres Beispiel ist Rancher, die sich auf quelloffene Software f\u00fcr Kubernetes spezialisiert haben. Diese ist Quelloffen und wird kostenfrei angeboten, Geld wird mit Beratung und Support f\u00fcr Gesch\u00e4ftskunden verdient.<\/p>\n<p>Auch andere Unternehmen verdienen in der Branche, sei es durch selbst entwickelte Software oder auch mit Dienstleistungen wie z.B. Beratung oder Hosting. Wer etwa ein Programm nicht selbst betreiben m\u00f6chte, kann es kostenpflichtig bereitstellen lassen. Vereinzelt sind Programme zwar quelloffen, die ausf\u00fchrbaren Bin\u00e4rdateien werden jedoch nur f\u00fcr zahlende Kunden angeboten. Wer m\u00f6chte, kann also alle Abh\u00e4ngigkeiten installieren und den Quellcode selbst kompilieren. <\/p>\n<p>Hier stehen verschiedene M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung, je nach konkretem Einzelfall. Es ist also beschr\u00e4nkt und falsch zu behaupten, dass man nur durch den Verkauf propriet\u00e4rer Software als Unternehmen Geld verdienen und erfolgreich sein kann.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum behauptet Ballmer das Gegenteil?<\/h2>\n<p>Wusste Ballmer von all dem nichts? Klagen haben gezeigt, dass sich Microsoft intern \u00e4u\u00dferst intensiv mit dem Linux-Umfeld besch\u00e4ftigt hat. Es wurde als gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die kommerziellen Interessen des Konzernes erkannt, da GNU\/Linux-Distributionen mit Microsoft Windows vergleichbar waren und diesen teilweise sogar \u00fcberstieg. Linux entwickelte sich also tats\u00e4chlich zum zitierten <em>Krebsgeschw\u00fcr<\/em> &#8211; aber eben nur f\u00fcr Microsoft, die ihr Gesch\u00e4ftsmodell mit propriet\u00e4rer Software bedroht sahen. Das war damals recht eingleisig: Man hat Windows und andere Programme wie Office entwickelt sowie Lizenzen an Kunden verkauft.<\/p>\n<p>Der Rest scheint eher zu profitieren, wenn man sich anschaut, wie Microsofts Strategie ab Mitte der 1990er Jahre lautete: Embrace, extend, and extinguish (EEE: annehmen, erweitern und ausl\u00f6schen) wurde im Zuge von <a href=\"https:\/\/u-labs.de\/portal\/browserkrieg-1-so-kaempfte-microsofts-internet-explorer-gegen-netscape-um-das-web-zu-erobern-und-anschliessend-tief-zu-fallen\/\" data-type=\"post\" data-id=\"9472\">Klagen rund um den ersten Browserkrieg<\/a> bekannt. Dadurch musste Microsoft interne Dokumente freigeben. Im ersten Schritt entwickelt Microsoft Software, die kompatibel zu bestehenden offenen Standards ist (annehmen). Anschlie\u00dfend wird sie propriet\u00e4r erweitert, ohne dies zu dokumentieren. So soll es zu Problemen mit Konkurrenz-Produkten kommen, welche die Standards einhalten. Mithilfe von massiver Werbung wird Microsofts Implementierung zum de facto Standard, der Konkurrenz ausl\u00f6scht &#8211; der Kunde ist im Microsoft-\u00d6kosystem gefangen.<\/p>\n<p>Es gibt <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Embrace,_extend,_and_extinguish#Examples_by_Microsoft\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Embrace,_extend,_and_extinguish#Examples_by_Microsoft\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">zahlreiche Beispiele<\/a> daf\u00fcr, unter anderem etwa der Internet Explorer, <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20081205234929\/http:\/\/www.ddj.com\/184404225\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20081205234929\/http:\/\/www.ddj.com\/184404225\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Kerberos<\/a>, Webbrowser, Office-Dokumente, Java und mehr. Vieles wurde etwa in <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Microsofts-Angst-vor-Open-Source-Software-11037.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Microsofts-Angst-vor-Open-Source-Software-11037.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">den <em>Halloween-Dokumenten<\/em><\/a> enth\u00fcllt, die Microsofts internen Kampf gegen quelloffene Software beschreiben (<a href=\"http:\/\/www.catb.org\/~esr\/halloween\/halloween1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">hier ver\u00f6ffentlicht und kommentiert<\/a>).<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Kuckucksei Hotmail<\/h2>\n<p>Microsoft setzte einige Jahre selbst mit FreeBSD ein zu Unix und damit auch GNU\/Linux \u00e4hnliches Betriebssystem ein: Hotmail (inzwischen in Outlook Web umbenannt) wurde 1997 von Microsoft gekauft. <a href=\"https:\/\/learn.microsoft.com\/en-us\/previous-versions\/tn-archive\/bb496985(v=technet.10)?redirectedfrom=MSDN\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/learn.microsoft.com\/en-us\/previous-versions\/tn-archive\/bb496985(v=technet.10)?redirectedfrom=MSDN\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Die BSD-Serverfarm lief noch einige Jahre lang mit mehreren Millionen von Nutzern auf Apache weiter<\/a>. Erst im Jahre 2000 migrierte der Konzern auf Windows Server 2000 mit dem ebenfalls propriet\u00e4ren IIS Webserver. Bis dahin bestand die Plattform komplett aus quelloffener Software, als Webserver kam Apache zum Einsatz.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die H\u00f6lle friert zu: Ein paar Beispiele<\/h2>\n<p>Microsofts Hass auf Linux hat sich ab 2009 ge\u00e4ndert: In diesem Jahre <a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/information-technology\/2009\/07\/microsoft-aims-at-vm-market-with-linux-kernel-code-offering\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/arstechnica.com\/information-technology\/2009\/07\/microsoft-aims-at-vm-market-with-linux-kernel-code-offering\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">steuerte der Konzern etwa 20.000 Zeilen zum Linux-Kernel bei<\/a>. Dadurch verbessert sich die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Linux-VMs auf Windows-Hosts. Hier wird das Motiv deutlich: Man versucht Linux nicht mehr zu bek\u00e4mpfen, wie beispielsweise zwei Jahre zuvor noch unter dem Vorwand von Patentanspr\u00fcchen geschehen. Sondern man beginnt, es zu akzeptieren und versucht, davon selbst zu profitieren. In die selbe Richtung geht auch das <em>Windows Subsystem for Linux<\/em> (WSL): Man m\u00f6chte offensichtlich verhindern, dass Nutzer wegen Linux komplett auf quelloffene Technologie wechseln. So bleibt Windows zumindest f\u00fcr einige noch als Host-System bestehen.<\/p>\n<p>Noch weiter hat sich Microsoft in der Cloud ge\u00f6ffnet: <a href=\"https:\/\/www.wired.com\/2015\/09\/microsoft-using-linux-run-cloud\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.wired.com\/2015\/09\/microsoft-using-linux-run-cloud\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Seit 2015 l\u00e4uft Azure auf Linux<\/a>. Durchaus bemerkenswert, da Microsoft verschiedene Windows-Versionen f\u00fcr eingebettete Ger\u00e4te anbietet. Die setzt zwar kaum jemand f\u00fcr Netzwerkger\u00e4te wie z.B. Switche ein, aber Hotmail wurde ja auch mehr aus politischer statt technischer Notwendigkeit migriert.<\/p>\n<p>Bereits 2016 wurde verk\u00fcndet, <a href=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/microsoft-nearly-one-in-three-azure-virtual-machines-now-are-running-linux\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/microsoft-nearly-one-in-three-azure-virtual-machines-now-are-running-linux\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">dass fast 1\/3 der virtuellen Server in Azure unter Linux laufen<\/a> &#8211; im Jahr zuvor waren es 25 Prozent. Dieser Trend setzt sich fort: 2017 waren es 40 %, 2018 fast die H\u00e4lfte und <a href=\"https:\/\/www.itmagazine.ch\/artikel\/69991\/Mehr_Linux_als_Windows_auf_Azure.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.itmagazine.ch\/artikel\/69991\/Mehr_Linux_als_Windows_auf_Azure.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">2019 \u00fcberholte Linux erstmals das hauseigene Windows<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/ballmer-i-may-have-called-linux-a-cancer-but-now-i-love-it\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/ballmer-i-may-have-called-linux-a-cancer-but-now-i-love-it\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Selbst Steve Ballmer runderte 2016 zur\u00fcck<\/a>: Er habe Open Source als Krebsgeschw\u00fcr und Linux-Nutzer als Haufen kommunistischer Diebe bezeichnet &#8211; aber jetzt w\u00fcrde er es lieben. Dies sind nur einige Beispiele, um Microsofts Wandel zu verdeutlichen: Linux wird nicht mehr boykottiert oder gar sabotiert, sondern man zieht zumindest ein St\u00fcck weit am gleichen Strang.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum <em>liebt<\/em> Microsoft pl\u00f6tzlich Linux?<\/h2>\n<p>Diese Liebe kommt nat\u00fcrlich nicht von einem pl\u00f6tzlichen moralischen Sinneswandel: <a href=\"https:\/\/www.computerworld.com\/article\/2476478\/microsoft-ceo-nadella--windows-is-over--the-future-is-mobile-and-the-cloud.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Bereits 2014 hat der damals neue Chef Nadella (l\u00f6ste Ballmer im gleichen Jahr ab) erkannt<\/a>, dass sich mit einem Fokus auf Cloud-Dienstleistungen mehr Geld verdienen l\u00e4sst. Auf einer Pr\u00e4sentation ist er mit einer <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Microsoft_and_open_source#\/media\/File:Microsoft_Linux.jpg\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Microsoft_and_open_source#\/media\/File:Microsoft_Linux.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">&#8222;Microsoft Liebt Linux&#8220; Folie<\/a> zu sehen, was nach Ballmers gegens\u00e4tzlicher Haltung von manchen als Friedensangebot bewertet wurde. Und seine Rechnung geht auf: <a href=\"https:\/\/www.zdnet.de\/88379278\/cloud-geschaeft-beschert-microsoft-umsatz-und-gewinnwachstum\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.zdnet.de\/88379278\/cloud-geschaeft-beschert-microsoft-umsatz-und-gewinnwachstum\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Bereits 2020 erwirtschaftet Microsoft mehr Geld mit Azure &amp; co<\/a>, als mit Windows. Mit Abonnements l\u00e4sst sich mehr und vor allem nachhaltiger Geld verdienen, als mit dem einmaligen Verkauf einer Betriebssystem-Version. Schon vorher Jahren gab es daher Ger\u00fcchte, <a href=\"https:\/\/windowsunited.de\/wann-kommt-das-windows-10-abo-fuer-verbraucher\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">dass der Konzern zuk\u00fcnftig wohl auch Windows als Abo anbieten werde<\/a>. <\/p>\n<p>Stattdessen hat sich Microsoft daf\u00fcr entschieden, mehr in die Cloud-Dienste zu investieren. W\u00e4hrend der Corona-Pandemie zahlte sich diese Entscheidung aus. Vor allem Microsoft Teams erzielte innerhalb weniger Monate ein gigantisches Wachstum. Zwar im Rahmen der Pandemie teilweise kostenlos angeboten, doch ein Teil davon d\u00fcrfte sich f\u00fcr ein Abo entscheiden &#8211; oder gar dazu gen\u00f6tigt sehen, nachdem man bereits seit Monaten damit arbeitet und sich zahlreiche Daten in den Anwendungen befinden. <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/technik\/it-internet\/quartalszahlen-windows-wird-zum-randgeschaeft-fuer-microsoft-26-milliarden-dollar-cloud-umsatz\/28767852.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/technik\/it-internet\/quartalszahlen-windows-wird-zum-randgeschaeft-fuer-microsoft-26-milliarden-dollar-cloud-umsatz\/28767852.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Dadurch \u00fcberschritten die Cloud-Einnahmen erstmals den mit Windows erzielten<\/a> &#8211; mit traumhaften Wachstumsraten von teilweise \u00fcber 30 Prozent. Selbst in diesem vergleichsweise schwachen Jahr lagen sie noch bei 24 Prozent.<\/p>\n<p>Wenn die Kunden regelm\u00e4\u00dfig hohe Betr\u00e4ge ausgeben, spielt das Betriebssystem keine Rolle mehr. Steven Ballmers Sorgen \u00fcber das geistige Eigentum sind damit nicht l\u00e4nger relevant. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Azure-Server laufen ja bereits mit Linux. Somit verdient der Konzern einen wesentlichen Teil seiner hohen Ums\u00e4tze <em>durch<\/em> Linux. <a href=\"https:\/\/www.pcwelt.de\/article\/1186859\/windows-10-nervt-nutzer-mit-vollbildschirm-werbung.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.pcwelt.de\/article\/1186859\/windows-10-nervt-nutzer-mit-vollbildschirm-werbung.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Windows verkommt dagegen seit Jahren zunehmend zur Werbeplattform<\/a>, damit man noch mehr Abonnenten f\u00fcr die eigenen Cloud-Dienste gewinnt. Neuerdings etwa <a href=\"https:\/\/www.com-magazin.de\/tipps-tricks\/windows-11\/windows-11-microsoft-plant-onedrive-werbung-im-startmenue-2857659.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">OneDrive Reklame im Startmen\u00fc<\/a> und Hinweise <a href=\"https:\/\/winfuture.de\/news,136070.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">auf diverse Abonnements von Microsoft in den Einstellungen<\/a>.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n<p>Microsoft hat sich in den letzten Jahren <a href=\"https:\/\/www.microsoft.com\/de-de\/berlin\/artikel\/microsoft-und-open-source-potenziale-f%C3%BCr-die-zukunft.aspx\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.microsoft.com\/de-de\/berlin\/artikel\/microsoft-und-open-source-potenziale-f%C3%BCr-die-zukunft.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">tats\u00e4chlich gewandelt<\/a>. Vieles davon ist f\u00fcr die Linux und FOSS-Gemeinschaft positiv, wie etwa <a href=\"https:\/\/www.silicon.de\/41634045\/github-statistik-belegt-microsofts-open-source-engagement\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.silicon.de\/41634045\/github-statistik-belegt-microsofts-open-source-engagement\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">die aktive Beteiligung an quelloffener Software<\/a>. Allerdings solle man sich nichts vormachen: Der Konzern ist nicht gemeinn\u00fctzig geworden, sondern tut dies aus strategischen Gr\u00fcnden. Statt gegen die FOSS-Gemeinde weiterhin Krieg zu f\u00fchren, m\u00f6chte man sie lieber selbst anf\u00fchren und damit beeinflussen k\u00f6nnen. Und teilweise  Kartellrechtsverfahren vermeiden. Diese Strategie scheint sich auch f\u00fcr Microsoft auszuzahlen: <a href=\"https:\/\/www.computerwoche.de\/a\/halloween-papiere-anti-linux-kampagnen-haben-microsoft-geschadet,534266\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Umfragen zufolge haben die fr\u00fcheren aggressiven Anti-Linux-Kampagnen dem Konzern sogar geschadet<\/a>.<\/p>\n<p>Dass Microsoft weiterhin recht skrupellos die eigenen Interessen durchsetzt, zeigt sich weiterhin &#8211; nur eben an anderen Stellen und nicht mehr ganz so radikal, wie noch unter Steve Ballmers Zeiten: <\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die k\u00fcnstlichen hohen Systemanforderungen f\u00fcr Windows 11, selbst Ende 2022 <a href=\"https:\/\/www.computerbase.de\/2022-10\/kein-windows-11-in-unternehmen\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.computerbase.de\/2022-10\/kein-windows-11-in-unternehmen\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">sind noch fast die H\u00e4lfte aller Unternehmens-PCs nicht kompatibel<\/a> &#8211; obwohl viele gen\u00fcgend Leistung f\u00fcr Windows 11 besitzen. Im privaten d\u00fcrften diese Zahlen h\u00f6her sein, da viele Unternehmen ihre Hardware pauschal im Zeitrahmen von etwa 3-5 Jahren austauschen.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/netzwelt\/microsoft-noetigt-usern-seinen-edge-browser-auf,TdI6kV4\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/netzwelt\/microsoft-noetigt-usern-seinen-edge-browser-auf,TdI6kV4\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Das Dr\u00e4ngen zum eigenen Browser Edge<\/a>, mittlerweile auch durch <a href=\"https:\/\/winfuture.de\/news,136293.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/winfuture.de\/news,136293.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Ignorieren des Standardbrowsers in Microsoft-Anwendungen wie Outlook oder Teams<\/a> oder gar der <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000143817851\/microsoft-versuchte-die-downloadseite-von-chrome-zu-manipulieren\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Manipulation der Suchergebnisse mit Bing-Werbung<\/a>. Auch die &#8222;KI&#8220; in Bing bleibt nicht verschont, <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000173608\/microsoft-manipulierte-bing-ki-um-user-vom-chrome-download-abzuhalten?ref=rss\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">statt eines Downloadlinks f\u00fcr Google Chrome wirbt sie Nutzer zu Edge ab<\/a>.<\/li>\n<li> <a href=\"https:\/\/www.channelpartner.de\/a\/microsofts-neuerliche-preiserhoehung-sorgt-fuer-aerger,3616351\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.channelpartner.de\/a\/microsofts-neuerliche-preiserhoehung-sorgt-fuer-aerger,3616351\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Mehrfache Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr die eigenen Clouddienste<\/a>, zuletzt zum 01.04.2023. Von Bef\u00fcrwortern der Cloud aus Europa <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/EU-Cloud-Wettbewerber-Microsofts-Preissteigerungen-reichen-an-Erpressung-8848157.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">werden diese sogar als Erpressung gewertet<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>All das ist nur ein Auszug aus einigen aktuelleren Beispielen von vielen. Beobachtung und ein gesundes Ma\u00df an Skepsis sind also weiterhin angebracht. Denn auch wenn derzeit die FOSS-Community an vielen Stellen von Microsofts Engagement profitiert, wird der Konzern diese Macht ausnutzen, wenn er sich davon einen Vorteil verspricht. Durch die \u00dcbernahme von Github hat sich Microsoft eine wichtige Plattform f\u00fcr die Entwicklung und Verbreitung von quelloffener Software gesichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Zitate sind derart pr\u00e4gend bzw. extrem, dass sie auch Jahre sp\u00e4ter noch Aufmerksamkeit erregen. Darunter z\u00e4hlt sicherlich auch Steve Ballmers Aussage, dass Linux ein &#8222;Krebsgeschw\u00fcr&#8220; sei. Und das, obwohl Ballmer auch sonst nicht gerade eine unauff\u00e4llige Pers\u00f6nlichkeit ist. Dieser Beitrag zeigt das Zitat, erkl\u00e4rt warum Ballmers Begr\u00fcndung daf\u00fcr schon damals falsch war und wirft &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":10662,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[75,256],"class_list":["post-10637","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-technik","tag-linux","tag-microsoft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10637"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10637\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10684,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10637\/revisions\/10684"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10662"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}