{"id":3207,"date":"2015-10-20T14:32:49","date_gmt":"2015-10-20T13:32:49","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/?p=3207"},"modified":"2024-12-30T23:38:26","modified_gmt":"2024-12-30T21:38:26","slug":"privatsphaere-in-sozialen-netzwerken-bitte-keine-kinderbilder-auf-facebook-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/privatsphaere-in-sozialen-netzwerken-bitte-keine-kinderbilder-auf-facebook-und-co\/","title":{"rendered":"Privatsph\u00e4re in sozialen Netzwerken: Bitte keine Kinderbilder auf Facebook &#038; co."},"content":{"rendered":"<p>Die am letzten Freitag beschlossene <a href=\"https:\/\/u-labs.de\/umstrittene-vorratsdatenspeicherung-vom-bundestag-beschlossen\/\" target=\"_blank\">Vorratsdatenspeicherung<\/a> ist eine massive Gefahr f\u00fcr Privatsph\u00e4re und Datenschutz\u00a0der deutschen B\u00fcrger. Doch sie stellt nicht die einzige Gefahr dar: Insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder auch Twitter haben unsere Hemmschwelle private Informationen zu teilen deutlich gesenkt.\u00a0Das f\u00e4ngt bei der Ver\u00f6ffentlichung einzelner\u00a0Details wie der Beziehungsstatus oder Arbeitgeber an.\u00a0Aber auch auf\u00a0Ausfl\u00fcge, Feste und anderen Ereignissen fotografieren, posten und markieren wir flei\u00dfig.<\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger betrifft dies auch Kinder oder sogar Babys: Die damals mit Facebook aufgewachsenen Jugendlichen sind mittlerweile schon selbst Eltern. Sie sind es gewohnt, tolle Ereignisse festzuhalten und in sozialen Netzwerken zu teilen. So entsteht bei manchen ein regelrechter digitaler Lebenslauf der Kinder im Netz: Von der Geburt \u00fcber die ersten Schritte bis hin zur Schult\u00fcte wird alles festgehalten und ist jederzeit wieder abrufbar.<\/p>\n<h4><strong>Verletzung der kindlichen Privatsph\u00e4re:\u00a0Beg\u00fcnstigung von Mobbing und P\u00e4dophilie<\/strong><\/h4>\n<p>Dabei wird die Verletzung der Privatsph\u00e4re des Kindes von vielen vernachl\u00e4ssigt oder gar ignoriert. Dies kann gravierende Folgen haben: P\u00e4dophile suchen l\u00e4ngst gezielt im Netz nach Kinderbildern zur sexuellen Befriedigung. Besonders Nacktbilder sind gefragt. Sie entstehen beispielsweise, wenn die Kleinen sich bei sommerlichen Temperaturen im Planschbecken oder Schwimmbad vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen entsprechende Fotos oder Viewos zu Mobbing sowohl in der Schule als auch am Arbeitsplatz f\u00fchren. Dies ist keineswegs neu: Immer wieder werden insbesondere Kinder wegen peinlichen Aufnahmen geh\u00e4nselt, und dadurch sogar in den Selbstmord getrieben. Erst vergangenes Jahr brachte sich ein <a href=\"http:\/\/u-labs.de\/forum\/reallife-news-52\/14-jaehriger-matthew-burdette-begeht-wegen-mobbing-durch-ein-sex-video-selbstmord-33789\/\" target=\"_blank\">14-J\u00e4hriger<\/a> um.\u00a0Er wurde heimlich beim Onanieren auf der Schultoilette gefilmt, das Video verbreitete sich auf diversen Plattformen.<\/p>\n<p>Aber auch abgesehen von solch drastischen Folgen hat jeder Mensch ein Recht auf Wahrung seiner Privatsph\u00e4re.\u00a0F\u00fcr Kinder gilt dies ebenfalls, wenngleich die Eltern in diesem Fall rein rechtlich die Vormundschaft besitzen. Als solche sollte man sich jedoch ernsthaft fragen, in wie weit\u00a0die Ver\u00f6ffentlichung von insbesondere intimeren Fotos und Videos wirklich im Interesse des Kindes liegt.<\/p>\n<h4><strong>Kontrolle \u00fcber die Inhalte oft nicht gegeben<\/strong><\/h4>\n<p>Sicher mag das ein recht extremer Fall\u00a0sein. Doch es zeigt sehr sch\u00f6n, wie schnell Bild- und Videomaterial im Internet au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t: Eine Person hat ausgereicht, um das Video zu verbreiten. Anschlie\u00dfend wurde der Fall zu einem Selbstl\u00e4ufer &#8211; Jeder kann schlie\u00dflich ein \u00f6ffentliches Video herunterladen und selbst weiter verbreiten. Dagegen vorzugehen ist sehr aufw\u00e4ndig und teils sogar unm\u00f6glich: Sitzt der Betreiber im Ausland, wird die Durchsetzung des eigenen Rechts schwer bis unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Das zeigt sich aktuell beispielsweise an der F\u00fclle von rassistischen\u00a0\u00c4u\u00dferungen auf Facebook:\u00a0Obwohl sogar der Justizminister Heiko Maas auf den Betreiber druck ausge\u00fcbt hat, wird <a href=\"https:\/\/www.wbs-law.de\/internetrecht\/angekuendigte-massnahmen-von-facebook-gegen-hasskommentare-sind-unzureichend-63036\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">deutsches Recht noch immer nicht eingehalten<\/a>. Dies\u00a0fordert beispielsweise die L\u00f6schung von Beitr\u00e4gen, die nach deutschem Recht strafbar sind.<\/p>\n<h4><strong>Privatsph\u00e4reeinstellungen sch\u00fctzen nur eingeschr\u00e4nkt<\/strong><\/h4>\n<p>Auf die sozialen Netzwerke bezogen hei\u00dft das konkret: Seine Inhalte durch entsprechende Privatsph\u00e4reeinstellungen nicht g\u00e4nzlich jedem \u00f6ffentlich zur Verf\u00fcgung zu stellen ist wichtig und sollte Standard sein. Unbedenklich posten kann man damit aber trotzdem nicht &#8211; Es reicht ja bereits ein Freund oder Bekannter, der die Fotos in irgend einer Form weitergibt. Schon hat man wie im obigen Szenario die Kontrolle \u00fcber seine Inhalte verloren.<\/p>\n<p>Abgesehen davon haben insbesondere bei US-Unternehmen wie Facebook die Geheimdienste umfangreiche Zugriffsm\u00f6glichkeiten auf die Daten der Nutzer. Und zwar v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob die Inhalte \u00f6ffentlich sind oder nicht. Auch dort werden <a href=\"http:\/\/u-labs.de\/forum\/technik-news-51\/missbrauch-von-nacktfotos-durch-nsa-mitarbeiter-warnung-vor-dropbox-33815\/\" target=\"_blank\">Nacktfotos unter den NSA-Mitarbeitern weitergegeben<\/a>. Und wie bei jeder Datensammlung besteht hier nat\u00fcrlich auch noch das Risiko eines Hacker-Angriffs auf die Geheimdienste oder gar Facebook selbst.<\/p>\n<h4><strong>Das Privacy-Paradox: Bewusstsein\u00a0ja, Konsequenzen nein<\/strong><\/h4>\n<p>Es stellt sich nun die Frage: Woran liegt es, dass nicht wenige Eltern derart fahrl\u00e4ssig mit den Daten ihrer Kinder umgehen? Geht man dieser Frage auf den Grund, landet man beim sogenannten\u00a0<strong>Privacy Paradox.\u00a0<\/strong>Eine <a href=\"https:\/\/youtu.be\/QCDtlf3hJ98\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">aktuelle Studie\u00a0von Ende 2014<\/a> zeigt beispielsweise, dass 70 Prozent der Befragten ihre Daten bei Facebook als &#8222;unsicher&#8220; oder sogar &#8222;sehr unsicher&#8220; betrachten. Lediglich 6 Prozent glauben, ihre Daten sind dort in sicheren H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Dies mag zun\u00e4chst beruhigend klingen. Jedoch zieht die Mehrheit der Nutzer daraus keinerlei Konsequenzen: Lediglich 34% geben an, die Datenschutzbestimmungen vor der Anmeldung gelesen zu haben. Selbst nach dem NSA-Skandal sehen 56% der befragten keinen Handlungsbedarf &#8211; sie verhalten sich gleich wie zuvor. Und mit 40% \u00fcberdenkt auch nur ein geringer Teil der Befragten, zuk\u00fcnftig sorgsamer auszuw\u00e4hlen, welche Aktivit\u00e4ten auf Facebook gepostet werden.<\/p>\n<p>Leider\u00a0ist dies kein Einzelfall &#8211; wir verhalten uns \u00e4hnlich widerspr\u00fcchlich in anderen Bereichen. So sind sich viele Deutsche bewusst, dass ihr Einkaufsverhalten f\u00fcr die Produktionsbedingungen wie etwa bei der Tierhaltung oder Herstellung von Kleidung <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article147762791\/Das-paradoxe-Einkaufsverhalten-der-Deutschen.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">mitverantwortlich ist<\/a>. Auf der anderen Seite ignorieren viele Verbraucher diese Tatsache im Alltag und ziehen das Billig-Produkt\u00a0der fairen und m\u00f6glicherweise hochwertigeren Qualit\u00e4tsware vor.<\/p>\n<h4><strong>P\u00e4dophile nutzen Soziale Netzwerke zur Kontaktaufnahme<\/strong><\/h4>\n<p>Gerade bei \u00e4lteren Kindern haben es P\u00e4dophile nicht nur auf die Fotos abgesehen. Sie versuchen auch, mit dem Nachwuchs direkt in Kontakt zu treten &#8211; Beispielsweise zur Verabredung f\u00fcr ein reales Treffen. Ein <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/webwelt\/article106785107\/Kinderfotos-auf-Facebook-koennen-boese-Folgen-haben.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">solcher Fall mit einem 14-J\u00e4hrigen M\u00e4dchen<\/a> konnte vor wenigen Jahren knapp verhindert werden.\u00a0Die neuen Medien zu verteufeln und abzulehnen, ist daher neben ihrer gesellschaftlichen Relevanz alleine schon aus diesem Grunde\u00a0nicht sinnvoll. Denn sp\u00e4testens im Teenager-Alter werden sie die Kinder selbst nutzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Eltern ist es daher wichtig, sich mit den Themen zu besch\u00e4ftigen. Sie m\u00fcssen damit vertraut werden und sowohl die Vorz\u00fcge als auch die Risiken kennen. Nur so sind sie in der Lage, dies ihrem Kind beizubringen, damit es selbst auf Sicherheit und Privatsph\u00e4re beim Umgang seiner Daten im Internet achten kann.\u00a0In den meisten Schulen werden diese Themen n\u00e4mlich leider kaum bis gar nicht behandelt. Wenn die Eltern nicht aufkl\u00e4ren, haben die Kinder meist nur ein gef\u00e4hrliches Halbwissen durch z.B. Freunde oder einschl\u00e4gige Internetseiten. Sicherheit und Privatsph\u00e4re kommt dabei meist zu kurz, da insbesondere bei Kindern das daf\u00fcr n\u00f6tige Bewusstsein noch nicht ausgepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<h4><strong>Fazit: Eltern m\u00fcssen sich informieren und entsprechend handeln<\/strong><\/h4>\n<p>Auch hier gilt daher die Devise: Am sichersten sind nicht vorhandene Informationen. Die Polizei in NRW hat dazu vor einigen Tagen eine treffende Aufforderung <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Polizei.NRW.HA\/photos\/a.215738981931747.1073741830.208563659315946\/474114729427503\/?type=3\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">auf ihrer Facebook-Seite<\/a> gepostet:<\/p>\n<blockquote><p>H\u00f6ren Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder f\u00fcr jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten. Danke!<\/p><\/blockquote>\n<p>Das trifft den Nagel auf den Kopf. Aufnahmen von Kindern\u00a0geh\u00f6ren nicht ins Internet, weder auf Facebook, Instagram noch sonst wo. Wer Verwandten seinen Nachwuchs zeigen m\u00f6chte, tut dies am besten pers\u00f6nlich.\u00a0Online sollten Bilder nur verschl\u00fcsselt \u00fcber sichere Plattformen an vertrauensw\u00fcrdige Menschen \u00fcbermittelt werden. Nacktfotos haben aber auch auf diesem Weg nichts verloren &#8211; Derart intime Aufnahmen\u00a0sind wenn \u00fcberhaupt dann in den eigenen vier W\u00e4nden am besten aufgehoben.<\/p>\n<p>Eltern m\u00fcssen \u00fcber dieses Problem und seine Folgen daher nicht nur informiert sein, sondern auch im Alltag dementsprechend handeln.\u00a0Denn es erscheint absurd die Kinder davor zu warnen nicht mit fremden mitzugehen, wenn man davor noch ein Foto des Kindes auf Facebook postet &#8211; und damit\u00a0solche\u00a0Situationen beg\u00fcnstigt oder im schlimmsten Falle sogar erst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Dies geht auch mit einer Vorbildsfunktion f\u00fcr die Kinder daher: Sp\u00e4testens im Teenager-Alter werden sie selbst diese Medien nutzen. An dieser Stelle sind die Eltern gefordert, ihrem Kind ein gesundes Bewusstsein f\u00fcr Datenschutz und Privatsph\u00e4re im Internet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die am letzten Freitag beschlossene Vorratsdatenspeicherung ist eine massive Gefahr f\u00fcr Privatsph\u00e4re und Datenschutz\u00a0der deutschen B\u00fcrger. Doch sie stellt nicht die einzige Gefahr dar: Insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder auch Twitter haben unsere Hemmschwelle private Informationen zu teilen deutlich gesenkt.\u00a0Das f\u00e4ngt bei der Ver\u00f6ffentlichung einzelner\u00a0Details wie der Beziehungsstatus oder Arbeitgeber an.\u00a0Aber auch auf\u00a0Ausfl\u00fcge, &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":3216,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1110,5],"tags":[142,309,311,312,310,56],"class_list":["post-3207","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaftliches","category-news","tag-datenschutz","tag-facebook","tag-mobbing","tag-paedophile","tag-privatsphaere","tag-sicherheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3207"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3236,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3207\/revisions\/3236"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}