{"id":3464,"date":"2016-02-29T19:30:35","date_gmt":"2016-02-29T18:30:35","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/?p=3464"},"modified":"2016-02-29T19:41:26","modified_gmt":"2016-02-29T18:41:26","slug":"hintertueren-in-iphones-apple-vs-fbi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/hintertueren-in-iphones-apple-vs-fbi\/","title":{"rendered":"Hintert\u00fcren in iPhones: Apple vs. FBI"},"content":{"rendered":"<p>Sowohl Apple als auch der US-Amerikanische Inlandsgeheimdienst FBI stehen seit einigen Tagen in den Schlagzeilen: Das FBI fordert den Konzern auf, Sicherheitsfunktionen von iPhones f\u00fcr sie zu umgehen. Dar\u00fcber zeigt sich Apple entsetzt und verweigert dies. Mittlerweile wurde das Unternehmen aus\u00a0Redmonder sogar von einem Richter aus Los Angeles dazu aufgefordert, beim knacken des Ger\u00e4tes behilflich zu sein. Wir erl\u00e4utern in diesem Artikel die Hintergr\u00fcnde dieses Konfliktes, der m\u00f6glicherweise zuk\u00fcnftig wegweisend als Pr\u00e4senzfall in die Geschichte eingehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3><strong>Wer ist\u00a0Syed Farook?<\/strong><\/h3>\n<p>Bei ihm handelt es sich um den eigentlichen Ausl\u00f6ser der aktuellen Debatte: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/kriminalitaet\/14-tote-bei-schiesserei-nahe-los-angeles-in-kalifornien-13946111.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Im Dezember 2015<\/a> wurde st\u00fcrmte\u00a0Syed Farook\u00a0zusammen mit seiner Frau die Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers. Dabei t\u00f6teten die beiden insgesamt 14 Menschen, bis sie selbst im Kugelhagel starben.<\/p>\n<h3><strong>Das iPhone 5C des Terroristen<\/strong><\/h3>\n<p>Im Rahmen der Untersuchungen wurde ein iPhone 5C gefunden, das besagtem Sch\u00fctzen Farook geh\u00f6ren soll. Apple bietet f\u00fcr seine iPhones jedoch diverse Schutzfunktionen: Beispielsweise verz\u00f6gert sich die Wartezeit mit steigender Anzahl an falsch eingegeben Passw\u00f6rtern. Zun\u00e4chst muss man Minuten warten, bei mehreren Versuchen Stunden.\u00a0Au\u00dferdem kann sich das Ger\u00e4t selbstst\u00e4ndig l\u00f6schen, wenn insgesamt 10 falsche Codes registriert wurden. Durch ausprobieren k\u00f6nnte das FBI somit alle Daten vernichten, weshalb dieser Versuch wohl bislang unterlassen wurde.<\/p>\n<h3><strong>Apple soll Schutzma\u00dfnahmen umgehen<\/strong><\/h3>\n<p>Aus diesem Grund soll Apple seitens des FBI damit beginnen, die oben genannten Schutzma\u00dfnahmen zu entfernen. Dar\u00fcber hinaus m\u00f6chte das FBI eine Schnittstelle, \u00fcber die es unbegrenzt Passw\u00f6rter automatisiert ausprobieren kann. Durch das automatisierte Testen von mehreren Millionen Kombinationen\u00a0m\u00f6chten die Ermittler das 6-Stellige Kennwort, welches aus Buchstaben und Zahlen bestehen kann, knacken. Je nachdem wie stark das verwendete Passwort ist, k\u00f6nnte es auf diesem Weg\u00a0in ungef\u00e4hr 22 Stunden bis 10 Jahren erraten werden.<\/p>\n<p>Darauf hat der Hersteller mit einem <a href=\"http:\/\/www.apple.com\/customer-letter\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ausf\u00fchrlicheren Statement<\/a> reagiert, in dem Apple die Integration einer Hintert\u00fcr in das iPhone verurteilt: Diese Forderung sei zu gef\u00e4hrlich, um umgesetzt zu werden. Denn\u00a0die Verschl\u00fcsselung des iPhones ist aus technischer Sicht nicht geknackt, und das FBI scheint zumindest zeitnah auch nicht dazu in der Lage zu sein. Ansonsten w\u00fcrde es den Hersteller nicht zur Entwicklung einer Hintert\u00fcr auffordern, mit der die Beamten in das System eindringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Apple-Chef Tim Cook sieht gro\u00dfes Missbrauchspotenzial: Die Software zur Einf\u00fchrung einer Hintert\u00fcr m\u00fcsse lediglich einmalig entwickelt werden. Danach k\u00f6nne sie auf jedem beliebigen iPhone eingesetzt werden, auch ungeachtet der geltenden Gesetze. Geheimdienste und Kriminelle k\u00f6nnten damit unbefugt auf private Daten von iPhone-Nutzern zugreifen.\u00a0Das durch den NSA-Skandal ohnehin schon deutlich angeschlagene Vertrauen in US-Produkte w\u00fcrde sich noch weiter verschlechtern.<\/p>\n<h3><strong>Alternativen wurden teils von der Polizei selbst verbaut<\/strong><\/h3>\n<p>Daraus nun den Schluss zu ziehen, die US-Firma w\u00e4re nicht bereit den US-Beh\u00f6rden bei ihren Ermittlungen zu helfen, ist jedoch falsch: Bereits im Vorfeld hat Apple den Beh\u00f6rden insgesamt vier alternative Wege aufgezeigt, an die Daten zu gelangen, ohne dabei die Sicherheit aller iPhones zu kompromittieren. Eine davon besteht darin, das Ger\u00e4t mit einem bekannten WLAN-Netzwerk zu verbinden. Der Inhaber hat n\u00e4mlich den Cloud-Speicherdienst iCloud genutzt, und das Passwort f\u00fcr seinen Account auf dem Ger\u00e4t gespeichert.\u00a0Bei diesem Versuch musste ein Apple-Mitarbeiter jedoch feststellen: Das Kennwort des Kontos wurde bereits ge\u00e4ndert. Und zwar, als das Handy bereits von den Beh\u00f6rden sichergestellt wurde. Somit haben sich die Ermittler diesen Weg offensichtlich selbst verbaut.<\/p>\n<h3><strong>F\u00fcr Apple geht es um eine Frage der \u00f6ffentlichen Sicherheit<\/strong><\/h3>\n<p>Mit diesen Worten wurde Cook erst vor wenigen Tagen zitiert, was diesen Fall angeht. In einem <a href=\"https:\/\/assets.documentcloud.org\/documents\/2722199\/5-15-MJ-00451-SP-USA-v-Black-Lexus-IS300.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Schreiben an das zust\u00e4ndige Gericht<\/a> begr\u00fcndet das Unternehmen seine Einstellung mit ausf\u00fchrlichen, nachvollziehbaren Argumenten. So muss jede\u00a0Ver\u00e4nderung an der iPhone-Software seitens Apple mit einem privaten Schl\u00fcssel signiert werden, damit sie vom Ger\u00e4t akzeptiert wird. Dadurch soll best\u00e4tigt werden, dass die Software tats\u00e4chlich vom Hersteller stammt und sicher ist. So soll das Vertrauen zwischen Quelle und Ziel gew\u00e4hrleistet sein. Der iPhone-Riese sieht darin eine Meinungs\u00e4u\u00dferung gegen\u00fcber den Kunden.\u00a0Die vom FBI geforderte Aktualisierung w\u00fcrde aber das Ger\u00e4t durch Entfernen der Sicherheitsfunktionen deutlich unsicherer machen. Somit m\u00fcsste Apple eine falsche Meinungs\u00e4u\u00dferung vornehmen.<\/p>\n<p>Auch der potenziell leicht m\u00f6gliche Missbrauch wird anhand von Beispielen demonstriert: So k\u00f6nnte die Regierung dadurch einen Journalisten zwingen, eine erfundene Geschichte als K\u00f6der f\u00fcr einen zu findenden Straft\u00e4ter zu ver\u00f6ffentlichen. Au\u00dferdem ist der durch das Gericht angewendete\u00a0All Writs Act aus dem Jahre 1789 aus der Sicht des Unternehmens nicht anwendbar: Er erm\u00f6glicht es dem Gericht, Verpflichtungen zur Wahrheitsfindung auszusprechen &#8211; In diesem Falle wurde Apple zur Entsperrung des iPhones verpflichtet. Er k\u00f6nne jedoch nur angewendet werden, wenn die Firma Verbindungen zum Attent\u00e4ter hatte. Dies sei hier jedoch genau so wenig der Fall, wie General Motors keine Verbindung zum T\u00e4ter habe, wenn er in einem ihrer Autos zum Tatort fahren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bem\u00e4ngelt wird au\u00dferdem, dass keinerlei Referenzf\u00e4lle existieren. Allerdings <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/scholar_case?case=7012457256018582034\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">belegen Dokumente<\/a>, dass ein Smartphone-Hersteller offensichtlich bereits im Oktober 2014 erfolgreich zur Umgehung einer Lockscreen-Sperre gezwungen wurde. Leider geht aus den Unterlagen nicht hervor, um welchen Hersteller es sich genau handelt.\u00a0Dar\u00fcber hinaus wird die grunds\u00e4tzliche Relevanz des gefundenen iPhones in Frage gestellt: Der T\u00e4ter sowie seine Freundin hatten jeweils ihre privaten Smartphones zerst\u00f6rt, sodass keine Daten der Ger\u00e4te mehr ausgelesen werden konnten. Es ist daher unwahrscheinlich, dass auf dem verbliebenen Smartphone brauchbares Material zu finden ist.<\/p>\n<h3><strong>Verschl\u00fcsselungen aus den USA bald vollst\u00e4ndig wertlos?<\/strong><\/h3>\n<p>Im besagten Brief geht Cook sogar noch einen Schritt weiter und f\u00fchrt aus:\u00a0Nach der Logik des Gerichtes k\u00f6nnten die Geheimdienste eben so fordern, beispielsweise die Kamera oder das Mikrofon eines iPhones aus der Ferne zu aktivieren. Von derart d\u00fcsteren Vorstellungen abgesehen, d\u00fcrfte das Ergebnis dieses Streites eine rechtsstaatliche Grundsatzentscheidung zur Sicherheit von Verschl\u00fcsselungen sein. Dass insbesondere die USA sehr aktiv an der Umgehung von Verschl\u00fcsselungen arbeiten, ist leider bekannt: So zahlte bereits 2006 die US-Amerikanische Regierung <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2013-12\/nsa-geheimvertrag-internetsicherheitsfirma\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">10 Millionen Dollar an die Sicherheitsfirma RSA-Security<\/a>, um deren Verschl\u00fcsselung zu schw\u00e4chen &#8211; mit verheerenden Folgen f\u00fcr die Nutzer.<\/p>\n<p>Werden nun jedoch Hersteller von Seiten der Justiz zum Einbau von Hintert\u00fcren gezwungen, w\u00fcrde dies nicht nur die Sicherheit von US-Diensten weiter schw\u00e4chen &#8211; sondern auch generell von Verschl\u00fcsselungen. Schlie\u00dflich kann sich niemand der vertrauliche Daten gegen unbefugte Zugriffe sch\u00fctzen m\u00f6chte oder muss mehr sicher sein, ob diese Verschl\u00fcsselung seine Daten tats\u00e4chlich sch\u00fctzt oder in der Praxis eher einem Placebo gleicht. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich dieser Konflikt entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl Apple als auch der US-Amerikanische Inlandsgeheimdienst FBI stehen seit einigen Tagen in den Schlagzeilen: Das FBI fordert den Konzern auf, Sicherheitsfunktionen von iPhones f\u00fcr sie zu umgehen. Dar\u00fcber zeigt sich Apple entsetzt und verweigert dies. Mittlerweile wurde das Unternehmen aus\u00a0Redmonder sogar von einem Richter aus Los Angeles dazu aufgefordert, beim knacken des Ger\u00e4tes behilflich &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":3465,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[405,407,406,404],"class_list":["post-3464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-technik-news","tag-apple","tag-fbi","tag-hintertuer","tag-iphone"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3464"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3483,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3464\/revisions\/3483"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}