{"id":3621,"date":"2016-03-27T14:38:55","date_gmt":"2016-03-27T13:38:55","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/?p=3621"},"modified":"2016-03-27T14:38:55","modified_gmt":"2016-03-27T13:38:55","slug":"mobilfunk-datenautomatik-gericht-verbietet-dreiste-kostenfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/mobilfunk-datenautomatik-gericht-verbietet-dreiste-kostenfalle\/","title":{"rendered":"Mobilfunk-Datenautomatik: Gericht verbietet dreiste Kostenfalle"},"content":{"rendered":"<p>Die Datenautomatik ist ein neuer Trick, um Kunden mobiler Internet-Flatrates versteckt zur Kasse zu bitten. Doch diese umstrittene Taktik wurde vergangenen Monat vom Landgericht M\u00fcnchen mit dem Aktenzeichen\u00a0<strong>12 O 13922\/15<\/strong> untersagt: Kunden m\u00fcssen fortan aktiv zustimmen, stillschweigende Buchungen von Datenpaketen sind unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<h3><strong>Was ist die\u00a0Datenautomatik?<\/strong><\/h3>\n<p>Bei der <strong>Datenautomatik<\/strong> wird beim Verbrauch des monatlichen Inklusiv-Volumens\u00a0automatisch weiteres Datenvolumen hinzugekauft &#8211; Beispielsweise 100 MB f\u00fcr 2 Euro. Dies geschieht bei den meisten Anbietern bis zu 3x. Der Nutzer surft also nach Verbrauch seines Traffics weiter mit voller Geschwindigkeit, zahlt daf\u00fcr aber auch einen saftigen Zusatz-Preis.\u00a0Wer h\u00e4ufig unterwegs mit dem Smartphone im Internet ist, zahlt schnell ordentlich drauf\u00a0&#8211; Bei den heutigen Preisen sind schnell 50 bis 100% des regul\u00e4ren monatlichen Festbetrages beisammen. Zumal die Pakete der Datenautomatik langfristig teils deutlich teurer sind als ein h\u00f6herer Tarif.<\/p>\n<p>Derzeit ist bekannt, dass sowohl o2 als auch E-Plus auf diese fragw\u00fcrdige Methode setzen.\u00a0Wobei letzterer scheinbar der erste Anbieter mit dieser Masche ist: Bereits seit Ende 2014 werden die Kunden mit der automatischen\u00a0Buchung von zus\u00e4tzlichem Traffic zu 2 \u20ac pro 100 MB begl\u00fcckt. Seit Februar ist auch o2 mit den neuen\u00a0<em>O2 Blue All-in Tarifen<\/em> dabei.<\/p>\n<h3><strong>Automatische Hochstufung des Tarifes<\/strong><\/h3>\n<p>Manche Anbieter gehen sogar\u00a0noch einen Schritt weiter: Hat der Kunde aufgrund der Datenautomatik unfreiwillig das Zusatzpaket 3x in Folge gebucht, landet er automatisch in einem h\u00f6heren Tarif. Dieser bietet mehr monatliches Datenvolumen, aber kostet nat\u00fcrlich auch extra. Bei o2 Beispielsweise 5 Euro monatlich.<\/p>\n<p>All das geschieht ohne Zustimmung des Verbrauchers: Er wird lediglich mit einer SMS\u00a0\u00fcber vollendete Tatsachen informiert. Der Nutzer hat bei manchen Anbietern nicht mal die M\u00f6glichkeit, die Datenautomatik auf Wunsch deaktivieren zu lassen. Nicht nur in den AGBs sondern auch auf den Angebotsseiten finden sich mittlerweile Hinweise wie\u00a0<em>Die Datenautomatik ist ein fester Tarifbestandteil<\/em>.<\/p>\n<h3><strong>Verbraucherschutzverband klagt gegen o2 wegen Datenautomatik<\/strong><\/h3>\n<p>Dem\u00a0Verbraucherschutzverband ging dies zu weit, sodass er Klage gegen\u00a0o2 vor dem Landgericht M\u00fcnchen erhob &#8211; Mit Erfolg: Das Gericht\u00a0stufte die AGBs des Netzanbieters als unzul\u00e4ssig ein. Einseitige Ver\u00e4nderungen des Tarifes durch den Netzbetreiber d\u00fcrfen keine zus\u00e4tzlichen Kosten verursachen, da dies den Kunde unzumutbar benachteiligt. Stattdessen darf der Anbieter die \u00c4nderungen erst nach ausdr\u00fccklicher Zustimmung des Nutzers durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bem\u00e4ngelte das Gericht die Transparenz des Begriffes\u00a0<em>Datenautomatik<\/em>: Ein durchschnittlicher Kunde versteht nicht auf Anhieb, welche finanziellen Folgen ein Tarif mit dieser Option f\u00fcr ihn hat. Daher ist es unzul\u00e4ssig erst im Kleingedruckten zu erl\u00e4utern, was es mit dieser Bezeichnung auf sich hat.<\/p>\n<h3><strong>Fazit:\u00a0Wachsamkeit ist trotz verbraucherfreundlichem Urteil gefragt<\/strong><\/h3>\n<p>Das Urteil sch\u00fctzt die Verbraucher, da sie durch den Datenautomatik-Trick nicht mehr in versteckte Kostenfallen gelockt werden d\u00fcrfen. Vermutlich werden die Anbieter daher wieder wie fr\u00fcher auf die klassische Drosselung zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen, ohne automatisch kostenpflichtige Datenpakete zu buchen. In der Praxis sieht es allerdings bisweilen noch anders aus: Sowohl o2 als auch E-Plus bieten den umstrittenen Tarifbestandteil nach wie vor an, und verkaufen ihn gegen\u00fcber dem Kunde als Mehrwert.\u00a0Nutzer sollten daher ihre Handyrechnungen auf\u00a0unerw\u00fcnschte Zusatzkosten pr\u00fcfen, und bei positiver Feststellung entsprechend Einspruch gegen die Rechnung einlegen.<\/p>\n<h3><strong>Hintergrund: Wie mobiles Internet normal\u00a0abgerechnet wird<\/strong><\/h3>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst eine klassische Internettarif, wie sie jeder von seinem Smartphone kennt: Man hat ein gewisses Traffic-Kontingent &#8211; beispielsweise 500 MB oder 1 GB &#8211; das einem im Monat zum Surfen zur Verf\u00fcgung steht. \u00dcberschreitet man dies, kann der Kunde das mobile Internet nur sehr langsam nutzen. Je nach Anbieter wird auf 64 Kbit\/s oder teils sogar auf 32 oder 16 Kbit gedrosselt. Zum Vergleich: Moderne DSL-Anschl\u00fcsse liegen derzeit meist\u00a0zwischen 25.000 Kbit\/s und 100.000 Kbit\/s.<\/p>\n<p>Als Folge sind viele Dienst nur eingeschr\u00e4nkt oder gar nicht mehr nutzbar, weil Apps die lange Ladezeit f\u00fcr einen Fehler halten und abbrechen.\u00a0Kurz gesagt: Nach \u00dcberschreiten des Inklusiv-Volumens ist das Internet de Facto nicht mehr sinnvoll f\u00fcr allt\u00e4gliche Dinge nutzbar. Auch wenn sie gerne als\u00a0<em>Flatrates<\/em>\u00a0angepriesen werden, gleichen sie\u00a0daher in der Praxis eher einem Volumentarif. Wer schon einmal gedrosselt war wei\u00df, wie z\u00e4h und unangenehm selbst triviale Dinge wie z.B. das recherchieren einer Telefonnummer sind. Allerdings wurden dem Kunde bislang durch die Drosselung keine zus\u00e4tzlichen Kosten\u00a0verursacht &#8211; dies \u00e4ndert sich mit der Datenautomatik.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Datenautomatik ist ein neuer Trick, um Kunden mobiler Internet-Flatrates versteckt zur Kasse zu bitten. Doch diese umstrittene Taktik wurde vergangenen Monat vom Landgericht M\u00fcnchen mit dem Aktenzeichen\u00a012 O 13922\/15 untersagt: Kunden m\u00fcssen fortan aktiv zustimmen, stillschweigende Buchungen von Datenpaketen sind unzul\u00e4ssig. Was ist die\u00a0Datenautomatik? 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