{"id":4102,"date":"2016-06-29T06:00:50","date_gmt":"2016-06-29T05:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/?p=4102"},"modified":"2016-06-26T13:14:37","modified_gmt":"2016-06-26T12:14:37","slug":"welche-gefahren-lauern-bei-suchmaschinen-wie-google","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/welche-gefahren-lauern-bei-suchmaschinen-wie-google\/","title":{"rendered":"Welche Gefahren lauern bei Suchmaschinen wie Google?"},"content":{"rendered":"<p>Um unter Milliarden von Internetseiten die gew\u00fcnschten Informationen zu finden, sind Suchmaschinen zu einem unverzichtbaren Werkzeug des t\u00e4glichen Bedarfes geworden. Allen voran Google, mit einem Marktanteil von fast 95 Prozent besitzt der Anbieter eine Monopolstellung und hat damit entscheidenden Einfluss auf das Wissen sowie die Meinungsbildung der Menschen. Und zwar nicht nur in Deutschland: Weltweit ist der Marktanteil mit rund 91 Prozent kaum geringer. Grund genug kritisch zu begutachten, welche Gefahren f\u00fcr den Nutzer bei der Verwendung von Suchmaschinen, insbesondere Google, lautern.<\/p>\n<h3><strong>Personalisierung: Jeder bekommt andere Treffer angezeigt<\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr die Werbeindustrie war die Personalisierung von Werbung ein Durchbruch, um den Erfolg ihrer Kampagnen zu steigern. Generell versteht man darunter, dass bestimmte Ergebnisse nicht f\u00fcr alle gleich sind. Stattdessen werden sie anhand bestimmter Interessen, Eigenschaften oder Vorlieben des Nutzers angepasst. Bei Google bedeutet das: Wer beispielsweise nach\u00a0<em>BMW<\/em> sucht und h\u00e4ufiger auf Ergebnisse\u00a0von eBay klickt, werden ihm Treffer von eBay zuk\u00fcnftig weiter oben angezeigt als bei anderen Nutzern. Diese Funktion gibt es schon l\u00e4nger, galt fr\u00fcher aber nur f\u00fcr Google-Konten. Allen Nutzern ohne Google-Konto wurden also die gleichen Ergebnisse angezeigt. Im Dezember 2009 f\u00fchrte der Konzern die personalisierten Ergebnisse jedoch f\u00fcr alle ein, unabh\u00e4ngig ob mit oder ohne Google-Account.<\/p>\n<p>Konkret bedeutet das: Google speichert \u00fcber Cookies 180 Tage lang den Suchverlauf im sogenannten\u00a0<a href=\"https:\/\/history.google.com\/history\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Webprotokoll<\/a>, welches man unter history.google.com einsehen kann. Dies zeigt detaillierte Infos, was man wann gesucht hat und welche Treffer angeklickt wurden. Die gleichen Daten werden auch f\u00fcr andere Dienste des Unternehmens gespeichert, etwa YouTube. Wer dies nicht m\u00f6chte, muss die Speicherung manuell \u00fcber die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.google.com\/settings\/accounthistory?continue=https:\/\/history.google.com\/history\/%3Futm_source%3Dsidenav\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Aktivit\u00e4tseinstellungen<\/a>\u00a0abschalten:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/u-img.net\/img\/8282Ns.png\" \/><\/p>\n<p>Weiter unten auf der Seite kann auch der Such- und Wiedergabeverlauf von YouTube deaktiviert werden. Da Google ein gro\u00dfes Interesse an der Erhebung dieser Daten hat, sind diese Einstellungen standardm\u00e4\u00dfig aktiv.<\/p>\n<h3><strong>Beeinflussung durch Suchmaschinenoptimierung und Manipulation<\/strong><\/h3>\n<p>Wer im Internet Geld verdienen will, braucht viele (interessierte) Besucher. Da diese fast ausnahmslos Google nutzen, ist eine gute Positionierung in den Suchergebnissen unabdingbar. Eine Studie von\u00a0Advanced Web Rankings (AWR) aus dem Jahre 2014 zeigt: Rund\u00a068% aller Klicks verteilen sich auf die ersten sechs Treffer, danach nehmen diese deutlich ab. Insgesamt finden mehr als 71 Prozent der Klicks auf der ersten Seite statt. Kein Wunder also, dass kr\u00e4ftig Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, betrieben wird. Spezialisten die nichts anderes machen sind keine Seltenheit mehr. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Treffer nicht zwingend die Besten sein m\u00fcssen &#8211; sondern auch einfach diejenigen mit der meisten Optimierung sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Stufe sind sogenannte\u00a0<em>Black-Hat-SEOs<\/em>. Sie wenden Praktiken an, welche gegen die Richtlinien der Suchmaschinen versto\u00dfen. Beispielsweise das Spammen mit Verlinkungen. Dadurch k\u00f6nnen sie bessere Platzierungen erreichen, leben aber mit dem Risiko einer Abstrafung, falls Google dies merkt. Meist zielt dieses Vorgehen auf Manipulation am Nutzer ab. Ein Extrembeispiel ist der fr\u00fcher g\u00e4ngige Trick, bestimmte Schl\u00fcsselw\u00f6rter h\u00e4ufig unsichtbar auf der Seite zu platzieren &#8211; etwa wei\u00dfe Schrift auf wei\u00dfem Hintergrund. Bis Google dies bemerkte, wurden solche Seiten sehr weit oben angezeigt. Durch die H\u00e4ufige Erw\u00e4nung der W\u00f6rter dachte die Suchmaschine, dass diese Seite besonders relevant zum jeweiligen Thema w\u00e4re.<\/p>\n<p>Um den Ruf anderer zu Sch\u00e4digen, k\u00f6nnen\u00a0<em>Google-Bomben<\/em> eingesetzt werden. Dabei bringt man eine Webseite mit bestimmten Schlagw\u00f6rtern &#8211; meist negativen &#8211; in Verbindung. Dies geschieht \u00fcber Links, mit dem entsprechenden Text. Hierf\u00fcr gibt es viele Beispiele. Eins davon ist der \u00f6sterreichische Politiker\u00a0Heinz-Christian Strache. 2010 f\u00fchrte die Suche nach dem Begriff\u00a0<em>Vollkoffer<\/em> (In \u00d6sterreich ein Synonym f\u00fcr\u00a0<em>Vollidiot<\/em>) zu seiner pers\u00f6nlichen Homepage.<\/p>\n<h3><strong>Zensur durch das\u00a0Recht auf Vergessenwerden<\/strong><\/h3>\n<p>Im Rahmen einer Klage gegen Google entschied der Europ\u00e4ische Gerichtshof (kurz EuGH) im Mai 2014, dass Privatpersonen unter bestimmten Bedingungen die L\u00f6schung von Suchergebnissen mit auf sie bezogenen Daten aus Suchmaschinen fordern k\u00f6nnen. Dies k\u00f6nnten beispielsweise Presseartikel mit veralteten Informationen wie fr\u00fcheren Straftaten sein. Damit wurden Suchmaschinen vom Gericht erstmals als mitverantwortlich f\u00fcr ihre Treffer anerkannt. Diese Entscheidung wurde stark kritisiert, weil f\u00fcr die Entfernung weder eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung oder Begr\u00fcndung, noch ein juristischer Prozess notwendig ist. Stattdessen m\u00fcssen Betroffene lediglich ein Formular ausf\u00fcllen, die Entscheidung zur L\u00f6schung trifft Google alleine.<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnen beispielsweise unangenehme Tatsachen\u00a0entfernt werden, wodurch Zensur entstehe und das Recht auf Informationsfreiheit eingeschr\u00e4nkt wird. Denn auch Links mit nachweislich wahren Behauptungen werden entfernt. Und im Zweifel entscheidet sich Google laut Aussage des eigenen Expertenbeirates f\u00fcr das L\u00f6schen.\u00a0Rund ein Jahr nach Bekanntgabe des Urteiles\u00a0erhielt Google alleine aus Deutschland rund 187.000 L\u00f6schanfragen. In der H\u00e4lfte dieser F\u00e4lle L\u00f6schte Google die beanstandeten Eintr\u00e4ge aus den Treffern. In der gesamten EU waren es im gleichen Zeitraum \u00fcber eine Million.\u00a0Hiervon wurden immer noch rund 41 Prozent tats\u00e4chlich gel\u00f6scht. Aus dem bereits erw\u00e4hnten Mangel an Transparenz ist unklar, ob dies als versuchten Missbrauch durch die B\u00fcrger gewertet werden kann.<\/p>\n<p>Fakt ist jedoch: Sowohl aufgrund dieses Urteiles als auch anderer Abkommen bietet Google nur noch gefilterten Zugang zu Informationen. Beispielsweise gibt es ein Abkommen mit dem Wei\u00dfen Haus, um weltweit Links aus Suchergebnissen zu entfernen &#8211; etwa bei DCMA Anfragen. Dass diese offensichtlich nicht mal von den Erstellern der Anfragen gepr\u00fcft werden, hat Megaupload gezeigt: Jahre nach dem der Dienst offline gegangen ist und somit keine Inhalte mehr abrufbar sind, werden weiterhin Takedown-Anfragen f\u00fcr tote Links verschickt. Der Nutzer hat keine Chance, diese Zensur zu erkennen geschweige denn deren tats\u00e4chliche Legitimit\u00e4t festzustellen.<\/p>\n<h3><strong>Werbetreffer<\/strong><\/h3>\n<p>Googles wichtigste Einnahmequelle ist Werbung. Jeder kann sich daher Werbeanzeigen f\u00fcr bestimmte Suchbegriffe einkaufen, bezahlt wird pro Klick auf die Anzeige. Die Werbung wird in Form eines normalen Suchtreffers angezeigt, und ist daher auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennbar. Erst beim genaueren Hinschauen bemerkt man links\u00a0einen kleinen gr\u00fcn gef\u00e4rbten Hinweis mit dem Text\u00a0<em>Anzeige<\/em>:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/u-img.net\/img\/5148Pb.png\" \/><\/p>\n<p>In diesem Beispiel haben die ersten beiden Treffer nichts mit den tats\u00e4chlichen Ergebnissen zutun, die Google anhand der Relevanz anzeigt. Sondern es handelt sich um gekaufte Anzeigen, um ein bestimmtes Produkt zu bewerben. Erst ab dem dritten Treffer erscheinen die Suchergebnisse. Die Anzahl der Werbeanzeigen ist dabei nicht fix. Je nach Suchbegriff und Werbeinteresse kann auch nur eine oder gar keine Anzeige zu sehen sein. Im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten Problemen hat der Nutzer hier jedoch zumindest die M\u00f6glichkeit, solche Anzeigen zu identifizieren.<\/p>\n<p>Zu beachten ist jedoch, dass die meisten Adblocker diese nicht filtern. Google leistet umfangreiche Zahlungen an Dienste wie AdBlock Plus, damit ihre Werbung als\u00a0<em>nicht st\u00f6rend<\/em> eingestuft und daher trotz Werbeblocker angezeigt wird. Eine Entfernung ist nur durch deaktivieren der Whitelist m\u00f6glich, sofern der jeweilige Werbeblocker diese Funktionalit\u00e4t anbietet.<\/p>\n<h3><strong>Fazit: Der Nutzer wird beeinflusst<\/strong><\/h3>\n<p>Als Ergebnis ist leider festzustellen, dass der Nutzer nicht bedenkenlos Google &amp; co. Verwenden kann &#8211; Zumindest nicht im Glauben neutrale Suchergebnisse zu erhalten.\u00a0Diese zu erkennen und umgehen ist meist schwer und teils sogar unm\u00f6glich. So l\u00e4sst sich beispielsweise das\u00a0<em>Recht auf Vergessenwerden<\/em> derzeit nur \u00fcber Google.com umgehen. Allerdings kann Google.com aus diesem Grunde nicht von Deutschland aus genutzt werden, sodass ein VPN oder anderer Proxy aus dem Ausland erforderlich ist. Abgesehen vom Aufwand kann Google die Blockierung jederzeit weltweit aktivieren, wie es beispielsweise mit den Sonderregelungen des Wei\u00dfen Hauses bereits der Fall ist. In diesen F\u00e4llen ist Google dann komplett unbrauchbar f\u00fcr ungesiebte Informationen.<\/p>\n<p>Der Nutzer kann sich nur sch\u00fctzen, wenn er um die Risiken und Probleme informiert ist. Dann kann er beispielsweise alternative Suchmaschinen nutzen und Zensur beispielsweise durch direkten Zugriff auf m\u00f6gliche Zielseiten umgehen. Gerade beim Recht auf Vergessenwerden m\u00fcssen nur die Google-Eintr\u00e4ge gel\u00f6scht werden, nicht die Inhalte selbst. Ein entfernter Artikel von einer News-Seite wie etwa dem Spiegel ist also \u00fcber Google nicht mehr auffindbar, aber \u00fcber die direkte Suche auf spiegel.de nach wie vor. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend nicht fortsetzt. Denn im heutigen Zeitalter hat eine Suchmaschine mit \u00fcber 90% Marktanteil entscheidenden Einfluss darauf, welche Informationen die Bev\u00f6lkerungen erhalten und dementsprechend auch die Meinungsbildung im jeweiligen Land.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um unter Milliarden von Internetseiten die gew\u00fcnschten Informationen zu finden, sind Suchmaschinen zu einem unverzichtbaren Werkzeug des t\u00e4glichen Bedarfes geworden. Allen voran Google, mit einem Marktanteil von fast 95 Prozent besitzt der Anbieter eine Monopolstellung und hat damit entscheidenden Einfluss auf das Wissen sowie die Meinungsbildung der Menschen. Und zwar nicht nur in Deutschland: Weltweit &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4124,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[85],"tags":[483,484,485],"class_list":["post-4102","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sicherheit","tag-google","tag-suchmaschine","tag-zensur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4102"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4126,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4102\/revisions\/4126"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}