{"id":4150,"date":"2016-07-11T18:31:20","date_gmt":"2016-07-11T17:31:20","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/?p=4150"},"modified":"2016-07-11T18:31:20","modified_gmt":"2016-07-11T17:31:20","slug":"spiegel-online-fuehrt-bezahlschranke-ein-wir-haben-das-system-analysiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/spiegel-online-fuehrt-bezahlschranke-ein-wir-haben-das-system-analysiert\/","title":{"rendered":"Spiegel Online f\u00fchrt Bezahlschranke ein: Wir haben das System analysiert"},"content":{"rendered":"<p>Die BILD-Zeitung des Axel Springer Verlages hat es\u00a0<a href=\"https:\/\/u-labs.de\/portal\/bild-de-werbeblocker-muessen-draussen-bleiben\/\" target=\"_blank\">vor wenigen Monaten erst vorgemacht<\/a>: Wer weder aktiv zahlt noch passive Werbung erduldet, wird ausgesperrt. Dieses aggressive Vorgehen hatte gro\u00dfes Medienecho zur Folge.\u00a0Mittlerweile ist auch Spiegel Online mitgezogen &#8211; Seitdem sind nicht mehr alle Artikel f\u00fcr jedermann kostenfrei verf\u00fcgbar wie bisher. Im folgenden Artikel erkl\u00e4ren wir, was sich ge\u00e4ndert hat und wie der Spiegel seine kostenpflichtigen Inhalte sch\u00fctzt.<\/p>\n<h3><strong>Wie sieht die neue Bezahlschranke aus?<\/strong><\/h3>\n<p><em>Spiegel Plus<\/em> nennt sich das neue Programm, welches einzelne Artikel aus dem w\u00f6chentlich erscheinenden Spiegel bereitstellt. In dieser Form waren sie bislang nicht erh\u00e4ltlich, sodass daf\u00fcr das gesamte Magazin h\u00e4tte erworben werden m\u00fcssen. Dar\u00fcber hinaus sollen zus\u00e4tzliche Artikel exklusiv in Spiegel Plus angeboten werden. Ein solcher Artikel kostet 39 Cent. Bezahlt werden muss erst, nachdem ein Betrag von 5 Euro zusammen gekommen ist.\u00a0Letztendlich wird hier also ein Mischkonzept\u00a0zwischen kostenfreien und kostenpflichtigen Inhalten angewendet, wie es nicht un\u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Wer einen Spiegel Plus Artikel \u00f6ffnet, kann ohne Bezahlung lediglich die ersten 1.000 Zeichen lesen. Anschlie\u00dfend wird der Text stark verschwommen dargestellt und es erscheint ein Hinweisfenster, dass zum Kauf aufruft:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/u-img.net\/img\/8224Se.png\" \/><\/p>\n<p>Eine Auflistung der aktuellen Spiegel Plus Artikel, an denen man dies selbst testen kann, findet man hier:\u00a0Spiegel Plus<\/p>\n<h3><strong>Wie wurde der Schutz technisch umgesetzt?\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>Insbesondere wer die Rechtsstreitigkeiten der BILD-Zeitung verfolgt hat, d\u00fcrfte sich diese Frage nun stellen. Auch in Anbetracht des verschwommen dargestellten Hintergrundtextes &#8211; Dient dieser nur zur Illustration, oder befindet sich dort tats\u00e4chlich der Artikelinhalt? Schaut man sich die Spiegel Plus Artikel n\u00e4her an, ist wie zu erwarten ein Overlay festzustellen (Box mit dem roten Button zum kaufen). Nun folgt der verschwommene Text. Ein Blick in den Quelltext zeigt, dass es sich hierbei tats\u00e4chlich um echten Text handelt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/u-img.net\/img\/6145Qc.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/u-img.net\/img\/6145Qc.png\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der verschwommene Text <i>Cfj efs l\u00f7sqfsmjdifo Voufstvdivoh fouefdlfo [&#8230;]<\/i> scheint tats\u00e4chlich verschl\u00fcsselt zu sein. Allerdings keineswegs mit starken Verschl\u00fcsselungen wie AES oder vergleichbares. Schon nach wenig Ausprobieren wird klar: Die Buchstaben werden lediglich um eine Stelle im Alphabet nach vorne verschoben, eine der \u00e4ltesten und zugleich simpelsten Formen der Verschl\u00fcsselung. Aus\u00a0<em>Cfj<\/em> wird somit <em>Bei<\/em>.<\/p>\n<p>Interessanter wird es bei den Sonderzeichen. Im obigen Beispiel haben wir schon im zweiten Wort das Zeichen <i>\u00f7<\/i>, welches sich nach diesem Schema nicht einfach verschieben l\u00e4sst. Wie kommt das zustande? Nun, man verschiebt nicht nur Buchstaben, sondern alle Zeichen (ausgenommen das Leerzeichen). Und zwar unter Verwendung der\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/American_Standard_Code_for_Information_Interchange#ASCII-Tabelle\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ASCII-Zeichenkodierung<\/a>. Hier wird einfach der dezimale Wert des Zeichens inkrementiert, also um eins nach vorne verschoben.<\/p>\n<p><strong>Beispiel<\/strong>:<\/p>\n<p>Der Buchstabe\u00a0<strong>C<\/strong> hat in der ASCII-Tabelle den Wert 103. Zieht man davon eines ab, ergibt das 102 und somit den Buchstaben\u00a0<strong>B<\/strong>.<\/p>\n<p>Dies erkl\u00e4rt, wieso der verschl\u00fcsselte Text an einigen Stellen Sonderzeichen enth\u00e4lt. Nach dem\u00a0<strong>z<\/strong> (172) folgt eine geschweifte Klammer\u00a0<strong>{<\/strong> (173). Auch zwischen Gro\u00df- und Kleinbuchstaben sind diverse Sonderzeichen zu finden, etwa eine aufgehende eckige Klammer\u00a0<strong>[<\/strong>\u00a0(133) nach dem gro\u00dfen\u00a0<strong>Z<\/strong> (132).<\/p>\n<p>Man muss kein IT-Experte sein um nun zu dem Schluss zu gelangen, dass dieser Schutz sehr primitiv ist und selbst von mittelm\u00e4\u00dfigen\u00a0Softwareentwicklern leicht umgangen werden kann. In Pseudocode ausgedr\u00fcckt muss die Software lediglich den ASCII-Wert jedes Buchstabens (ausgenommen von Leerzeichen) ermitteln, davon 1 abziehen und den daraus entstehenden Buchstaben zur entschl\u00fcsselten Zeichenkette hinzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/u-img.net\/img\/8208Hv.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/u-img.net\/img\/8208Hv.png\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Beispiel liefert uns die\u00a0folgende Ausgabe:<\/p>\n<blockquote><p>Klartext: Bei der k\u00f6rperlichen Untersuchung entdecken die \u00c4rzte nichts Auff\u00e4lliges, wie sie im [&#8230;]<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist daher kaum verwunderlich, dass bereits verschiedene Browser-Erweiterungen existieren, welche diesen Schritt automatisieren. Beispielsweise\u00a0<em>Spiegel Minus<\/em> f\u00fcr Firefox.<\/p>\n<h3><strong>Warum so simpel?<\/strong><\/h3>\n<p>Als au\u00dfenstehender\u00a0l\u00e4sst sich schwer nachvollziehen, wieso ein Nachrichtenmagazin mit Millionen von Lesern derart simple und einfach zu umgehende Methoden verwendet. Und wieso der vollst\u00e4ndige Text \u00fcberhaupt ausgeliefert wird. Es w\u00fcrde ausreichen, den fehlenden Text erst nach dem Bezahlvorgang anzuzeigen. \u00c4hnlich wie beim Kauf eines Spieles oder einer Guthabenkarte, dort erh\u00e4lt man den Code auch erst nach der Bezahlung. Erkl\u00e4ren l\u00e4sst sich dies nur damit, dass Spiegel eine offensichtlich fertige Schittstelle eines externen Anbieters einsetzt, die diese M\u00f6glichkeit wohl nicht bietet.<\/p>\n<p>Vielleicht\u00a0sch\u00e4tzt man die Zielgruppe auch als wenig versiert ein und rechnet daher mit vernachl\u00e4ssigbar geringen Verlusten. Dies steht allerdings im Kontrast zur\u00a0<a href=\"https:\/\/u-labs.de\/portal\/voraussichtlich-41-milliarden-dollar-verluste-durch-werbeblocker\/\" target=\"_blank\">Adblock-Problematik, die Milliardenverluste verursachen soll<\/a>. Schlie\u00dflich verwenden die Nutzer von Werbeblockern auch nur eine Erweiterung, welche ihnen die Werbung entfernt. Die genauen Gr\u00fcnde kennt au\u00dfer dem Spiegel wohl keiner.<\/p>\n<h3><strong>Fazit: Qualitativ hochwertiger Journalismus ist sein Geld dennoch wert<\/strong><\/h3>\n<p>Man sollte jedoch bei all dem nicht vergessen, dass Qualit\u00e4tsjournalismus Geld kostet: Saubere Recherchen ben\u00f6tigen Zeit von Mitarbeitern, die monatlich bezahlt werden m\u00fcssen. Und die f\u00fcr ihre Arbeit neben einem B\u00fcro auch weitere Arbeitsutensilien ben\u00f6tigen, welche ebenfalls finanziell zu Buche schlagen. Der Trend scheint jedoch sich dahingehend zu entwickeln, dass nur eine Minderheit bereit ist, f\u00fcr Online-Nachrichten direkt Geld auszugeben. Zeitgleich machen immer mehr von Werbeblockern gebrauch, sodass die Einnahmen stark zur\u00fcck gehen.<\/p>\n<p>Langfristig ist das ein Problem, weil klassische Zeitungen zunehmend von ihren digitalen Alternativen verdr\u00e4ngt werden. Als Folge kann\u00a0die Qualit\u00e4t und Vielfalt in den Medien zur\u00fcckgehen. Wer Kosten sparen muss, recherchiert nicht selbst sondern schreibt von anderen ab &#8211; das geht schneller und ist g\u00fcnstiger. Dieser Artikel soll daher rein informationell dienen und zeigt bewusst keine 1-Klick Methode, mit der jeder die Bezahlschranke umgehen kann &#8211; auch wenn dies m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Eine Abneigung gegen Werbung ist verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar. Nicht jedoch die Mentalit\u00e4t, Leistungen die Kosten verursachen umsonst zu erhalten. Man w\u00fcrde sich ja auch nicht das Recht herausnehmen, eine kostenpflichtige Zeitung am Kiosk umsonst mitzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die BILD-Zeitung des Axel Springer Verlages hat es\u00a0vor wenigen Monaten erst vorgemacht: Wer weder aktiv zahlt noch passive Werbung erduldet, wird ausgesperrt. Dieses aggressive Vorgehen hatte gro\u00dfes Medienecho zur Folge.\u00a0Mittlerweile ist auch Spiegel Online mitgezogen &#8211; Seitdem sind nicht mehr alle Artikel f\u00fcr jedermann kostenfrei verf\u00fcgbar wie bisher. Im folgenden Artikel erkl\u00e4ren wir, was sich &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":4179,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,1],"tags":[268,492,306,493,269],"class_list":["post-4150","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","category-technik-news","tag-adblocker","tag-bezahlschranke","tag-paymentwall","tag-spiegel-online","tag-werbeblocker"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4150"}],"version-history":[{"count":37,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4188,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4150\/revisions\/4188"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}