{"id":4795,"date":"2016-11-02T06:00:03","date_gmt":"2016-11-02T05:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/?p=4795"},"modified":"2016-11-01T12:15:18","modified_gmt":"2016-11-01T11:15:18","slug":"lebenszyklus-und-updates-von-intelligentenvernetzten-geraeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/u-labs.de\/portal\/lebenszyklus-und-updates-von-intelligentenvernetzten-geraeten\/","title":{"rendered":"Lebenszyklus und Updates von intelligenten\/vernetzten Ger\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>Intelligente und\/oder vernetzte Ger\u00e4te sind zunehmend im Kommen. Und das in verschiedenen Bereichen des Alltages. Sie sind mindestens mit dem Heimnetzwerk verbunden, oft sogar im Internet. Man kann auf viele \u00fcber verschiedene Endger\u00e4te zugreifen. Meist existieren daf\u00fcr Apps, welche mit Android\/iOS die g\u00e4ngigsten Plattformen abdecken.<\/p>\n<h4><strong>Ein paar Beispiele<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>Vernetzte Zahnb\u00fcrsten, die Daten \u00fcber Putzdauer und Zahnpflege auf das Smartphone\/Tablet \u00fcbertragen<\/li>\n<li>Staubsauger\/M\u00e4hroboter mit Smartphone-Apps, wor\u00fcber sich der Status abfragen und sich die Ger\u00e4te teils auch steuern lassen<\/li>\n<li>Fernseher (sogenannte Smart-TV) bieten ohne zus\u00e4tzliche Ger\u00e4te umfangreiche Multimedia-Funktionen: Medien k\u00f6nnen im Netzwerk oder von Streaming-Anbietern wie Amazon\/Netflix (Video) bzw Spotify\/Deezer (Musik) abgespielt werden<\/li>\n<li>Waschmaschinen k\u00f6nnen bequem per Smartphone von Unterwegs gestartet\/kontrolliert werden<\/li>\n<li>Moderne Autos bieten ebenfalls Smartphone-Apps, um gewisse Funktionen zu stuern<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Liste ist bei weitem nicht vollst\u00e4ndig und nur ein kleiner Auszug. Zumal die \u00c4ra der vernetzten Ger\u00e4te gerade erst begonnen hat. In der Zukunft werden sicher noch weitere Ger\u00e4te mit dem Internet verbunden sein, und auch zumindest zu einem gewissen Teil selbstst\u00e4ndig handeln. Das klassische Beispiel sind wohl K\u00fchlschr\u00e4nke, die Produkte automatisch nachbestellen, bevor sie zur Neige gehen.<\/p>\n<h4><strong>Wer k\u00fcmmert sich um die (Sicherheits-)Aktualisierungen?<\/strong><\/h4>\n<p>Als Softwareentwickler sehe ich dabei mehrere Probleme, haupts\u00e4chlich in der Wartung: Die Software wird durch den Funktionsumfang immer umfangreicher und komplexer. Dadurch auch fehleranf\u00e4lliger, was insbesondere bei Ger\u00e4ten die mit dem Internet verbunden sind ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen kann. Derart komplexe Systeme m\u00fcssen daher gepflegt und regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert werden. Gerade bei Smartphone-Apps ist dies f\u00fcr die Kompatibilit\u00e4t wichtig: Ganz grob gesagt kommt alle 1-2 Jahre eine neue Hauptversion heraus. Aktualisiert der Hersteller hier nicht, wird die App sp\u00e4testens nach einigen Jahren nicht mehr funktionieren.<\/p>\n<p>Die Frage ist also: Wie lange werden solche modernen Ger\u00e4ten mit Aktualisierungen versorgt, damit sie dauerhaft sicher betrieben werden k\u00f6nnen und alle beworbenen Funktionen ohne Einschr\u00e4nkungen funktionieren? Bei den Preisen eines Fernsehers scheint es sehr realit\u00e4tsfern, hier die n\u00e4chsten 10 Jahre Updates zu erwarten. Viel mehr bahnt sich an, dass die effektive Lebensdauer auf wenige Jahre sinkt und solche Ger\u00e4te zu Wegwerfprodukten werden. Dies schadet nicht nur unserem Geldbeutel, sondern vor allem der Umwelt und begrenzten Ressourcen, die daf\u00fcr genutzt werden. Noch extremer ist es bei vergleichsweise langlebigen Produkten wie Autos oder Waschmaschinen. Marken wie Bosch oder Siemens geben z.B. bei Waschmaschinen die durchschnittliche Lebensdauer mit 10 Jahren an, bei Miele sollen es sogar 20 sein.<\/p>\n<h4><strong>Wie kann dieses Problem gel\u00f6st werden?<\/strong><\/h4>\n<p>Ich sehe da langfristig ein ernstes Problem: Entweder werden solche Ger\u00e4te fr\u00fch ausgetauscht\/entsorgt mit entsprechenden \u00f6kologischen Folgen. Oder sie werden trotz fehlender Updates weiter genutzt, womit der durchschnittliche Verbraucher vollkommen ungesch\u00fctzt vor Sicherheitsl\u00fccken ist. Im schlimmsten Falle haben unbefugte damit Zugang zum Haus, wie erst k\u00fcrzlich bei einem <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/ct\/ausgabe\/2016-19-Fatales-Sicherheitsleck-beim-Smart-Home-System-von-Loxone-3306780.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Sicherheitsleck der Firma Loxone geschehen<\/a>. Einbrecher k\u00f6nnten durch Analysieren des Systemes den perfekten Zeitpunkt abwarten, und ohne Spuren das Haus in Ruhe leer r\u00e4umen &#8211; beispielsweise wenn die Bewohner im Urlaub sind. Zumindest langfristig geht es hier also um weit mehr, als dass nur Spotify auf dem Fernseher nicht mehr funktioniert. Ein gesetzlicher Zwang f\u00fcr vernetzte Stromz\u00e4hler wurde von der Bundesregierung ja beispielsweise bereits vor einiger Zeit verabschiedet.<\/p>\n<p>Nun ist die Frage, wie man diesen Problemen entgegen kann &#8211; ohne gleich radikal auf moderne Technik zu verzichten. Ich sehe da nur eine praktikable L\u00f6sung: Keine geschlossenen Systeme \u00fcber die nur der Hersteller die Macht hat. Sondern stattdessen quelloffene Software. Sie ist nicht von der Profit-Kalkulation des Herstellers abh\u00e4ngig. Selbst wenn dieser komplett von der Bildfl\u00e4che verschwindet (z.B. Pleite), werden solche Projekte in der Regel anschlie\u00dfend von der Community weitergef\u00fchrt &#8211; vorausgesetzt nat\u00fcrlich, es gibt eine gewisse Reichweite bei den Nutzern. Ideal w\u00e4re nat\u00fcrlich, dies mit Open-Source-Hardware zu kombinieren. Dort sind dann zus\u00e4tzlich die Baupl\u00e4ne frei verf\u00fcgbar.<\/p>\n<h4><strong>Quelloffene L\u00f6sungen sind flexibler und transparenter<\/strong><\/h4>\n<p>F\u00fcr Nutzer h\u00e4tte dies auch einige weitere Vorteile: Versiertere Nutzer und Entwickler k\u00f6nnen die Systeme an ihre Bed\u00fcrfnisse exakt anpassen. Werden diese Anpassungen der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt, k\u00f6nnen sie auch von durchschnittlichen Nutzern verwendet werden. Oder eben von anderen Entwicklern, die davon profitieren, ohne die daf\u00fcr notwendigen Anpassungen selbst vornehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch die Sicherheit und Privatsph\u00e4re ist besser gesch\u00fctzt, da z.B. transparent ersichtlich ist, welche Daten erhoben werden und wo sie landen. Auf Android-Smartphones erfreuen sich quelloffene Open-Source Firmwares wie z.B. CyanogenMod daher nicht erst seit heute einer relativ gro\u00dfen\u00a0Beliebtheit: Sie bieten oft noch Jahrelang Updates an, wenn der Hersteller das Ger\u00e4t schon l\u00e4ngst aufgegeben hat. F\u00fcr den Nutzer erh\u00f6ht sich damit nicht nur die Sicherheit &#8211; Er kann auch neue Funktionen genie\u00dfen, f\u00fcr die er ansonsten ein komplettes Smartphone kaufen m\u00fcsste.<\/p>\n<h4><strong>Im Konflikt mit den Interessen der Hersteller<\/strong><\/h4>\n<p>Gerade aus diesen Gr\u00fcnden ist dieses Prinzip\u00a0aber vielen Herstellern ein Dorn im Auge: Sie wollen m\u00f6glichst unbemerkt viele Nutzerdaten sammeln, um diese gewinnbringend zu verkaufen. Und auch wenn der Kunde ein neues Ger\u00e4t kauft, weil auf dem alten mangels Aktualisierungen die Spotify-App nicht mehr funktioniert, verdient er dadurch mehr Geld. Sicher kann man daraus nun nicht automatisch\u00a0schlie\u00dfen, die Hersteller halten ihre Updatezyklen absichtlich kurz, damit h\u00e4ufiger neu gekauft wird. Denn der Fairness halber muss man auch sagen: Das Versorgen eines Ger\u00e4tes mit Updates kostet ihn Geld.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Abo-Software wie Office 365 wird der Hersteller eines Ger\u00e4tes bislang in den meisten F\u00e4llen nicht regelm\u00e4\u00dfig bezahlt. Er erh\u00e4lt nur den einmaligen Ger\u00e4tepreis beim Kauf.\u00a0Davon muss er aber nat\u00fcrlich auch die Material- und Produktionskosten des Ger\u00e4tes bezahlen.<\/p>\n<h4><strong>Abo-Modelle als Alternative?<\/strong><\/h4>\n<p>Die einzige rein kommerzielle Alternative\u00a0besteht daher wohl in Abo-Modellen: Der Nutzer zahlt nach dem Kauf monatlich einen gewissen Pauschalbetrag. Damit werden die laufenden Aktualisierungen finanziert. Fraglich bleibt, ob die Kunden bereit sind, daf\u00fcr zu bezahlen. Vor allem in Anbetracht der Preise bei manchen Elektroger\u00e4ten. Fernsehger\u00e4te sind beispielsweise spottbillig geworden. Markenger\u00e4te mit 40 Zoll Bildschirmdiagonale gibt es derzeit schon ab etwa 250 Euro. Rein \u00f6konomisch betrachtet macht ein Wartungsvertrag da wenig Sinn &#8211; stattdessen investiert man das Geld nach ein paar Jahren einfach in einen neuen Fernseher. Dann hat man auch gleich die neuste Technologie, und kein Ger\u00e4t auf dem Stand von vor 5 Jahren. \u00d6kologisch gesehen ist dies dagegen sehr problematisch.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise anders mag es bei Produkten aussehen, die auch im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft noch relativ teuer sind. Hierzu geh\u00f6ren etwa Autos, zumindest ab dem Mittelklassen-Segment. Unterklassen-Modelle wie z.B. von Dacia, die man schon weit unter 10.000 Euro bekommt, d\u00fcrften \u00e4hnliche Probleme haben wie am Beispiel der Fernseher demonstriert.<\/p>\n<h4><strong>Fazit: Verschiedene L\u00f6sungen denkbar<\/strong><\/h4>\n<p>Grunds\u00e4tzlich scheint es zumindest zwei realistische Alternativen\u00a0zu geben.\u00a0Wobei man ohnehin keine Universal-L\u00f6sung f\u00fcr alle Anwendungsf\u00e4lle erwarten kann. Insgesamt scheint die quelloffene Variante aber lukrativer: Im Idealfall erh\u00e4lt der durchschnittliche Nutzer umfangreiche Unterst\u00fctzung, und muss daf\u00fcr nichts bezahlen. Nat\u00fcrlich funktioniert ein solches System nur so lange, wie es gen\u00fcgend Beteiligte und Spender gibt, die es am Leben erhalten. Betrachtet man verbreitete Open-Source Projekte wie Linux, Apache oder sogar Hardware-Projekte wie den Raspberry Pi, scheint dies jedoch nicht unrealistisch zu sein.<\/p>\n<p>Teilweise gibt es aus dieser Ecke auch bereites Open-Source Alternative zu propriet\u00e4ren L\u00f6sungen der Hersteller. So verwandelt ein Raspberry Pi in Kombination mit Kodi jeden Fernseher in eine Multimedia-Zentrale. Leider muss man hier insbesondere was externe Dienste angeht noch mit Einschr\u00e4nkungen leben. Dienste wie Amazon oder Netflix funktionieren derzeit bestenfalls mit Gebastel, also keine Out-of-the-box-L\u00f6sung wie man es von den Apps auf Smart-TVs kennt. Teilweise sind solche Anbieter aufgrund fehlender Schnittstellen gar nicht nutzbar.<\/p>\n<p>Grundsteine sind also durchaus bereits vorhanden. Allerdings besteht hier durchaus noch Verbesserungspotenzial, um mit propriet\u00e4ren L\u00f6sungen mithalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Intelligente und\/oder vernetzte Ger\u00e4te sind zunehmend im Kommen. Und das in verschiedenen Bereichen des Alltages. Sie sind mindestens mit dem Heimnetzwerk verbunden, oft sogar im Internet. Man kann auf viele \u00fcber verschiedene Endger\u00e4te zugreifen. Meist existieren daf\u00fcr Apps, welche mit Android\/iOS die g\u00e4ngigsten Plattformen abdecken. 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