Speicherpreise explodieren: Raspberry Pi zu neuem Modell genötigt

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Speicherpreise explodieren: Raspberry Pi zu neuem Modell genötigt

Egal ob SSD, RAM oder sogar Speicherkarten: Seit Monaten kennen die Preise nur eine Richtung. Längst betrifft das nahezu sämtliche Geräte. Auch der Raspberry Pi ist bereits zweimal teurer geworden. Doch nun eskalieren diese erneut: Der Raspberry Pi Schöpfer sieht sich aufgrund der Speicherpreise genötigt, ein neues Modell auf den Markt zu bringen. Eine Trendwende ist weiterhin nicht in Sicht. Der „KI“ Hype hat die Märkte skrupellos leer gefegt. Manche „KI“ Unternehmen kaufen gar Speicher, den sie gar nicht brauchen. Nur um die Konkurrenz zu lähmen. Den Preis für diesen außer Kontrolle geratenen Wahnsinn zahlen wir Verbraucher – im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Raspberry Pi Gründer nutzt seinen Handlungsspielraum für mehr Flexibilität. Abhängig vom Markt kann der RPI dadurch etwas weniger teurer werden. Lösen wird er das zugrunde liegende Problem allerdings nicht. Für den Pi müssen Kunden zukünftig noch deutlich mehr in die Tasche greifen. Dabei ist er keine Ausnahme: PCs, Laptops, Smartphones, Fernseher sowie viele weitere Geräte benötigen Speicher. Sie sind von den astronomischen Marktpreisen ebenfalls betroffen.

Nie dagewesener Preisschock bei Speichern

Alles hat ab Ende Oktober 2025 begonnen: Die Speicherpreise steigen drastisch – insbesondere bei Arbeitsspeicher. Sie liegen weit über den üblichen Schwankungen. Es dauert nicht lange, bis sich ähnliches bei nahezu allen Speichern beobachten lässt. Arbeitsspeicher, SSDs und sogar Speicherkarten werden plötzlich massiv teurer. Zuvor zeigte der Trend mittel- bis langfristig das Gegenteil. 1TB SSDs beispielsweise sind für deutlich unter 100€ so erschwinglich wie nie gewesen. Manch einer dachte sogar über 2 TB Modelle nach. Schließlich kosteten 2 TB so viel bzw. wenig, wie noch vor einiger Zeit die 1 TB Modelle.

Dass es hier keineswegs um kleinere Erhöhungen oder Schwankungen handelt, zeigt ein Verlauf bei beliebigen Speicherkits. Hier beispielsweise Acer Predator Vesta II, bestehend aus 2x16GB DDR5.1 Noch vor guten 3 Monaten erhielt man dieses Kit für rund 90€ zum Bestpreis. Danach stieg es an, blieb aber lange Zeit weit bei gut 110€. Im Oktober dagegen eskalierte der Preis komplett: Am 23.10. wurden 118,99€ verlangt, einen Tag später bereits 179,99€. Der 28.10.2025 bescherte 239,99€. Anfang Dezember folgte ein weiterer massiver Anstieg auf 449€. Im Vergleich moderat wirkt die Erhöhung im Januar 2026 auf den derzeit günstigsten Handelspreis von 469,99€.

Wohlgemerkt sprechen wir hierbei nicht von durchschnittlichen Angeboten. Sondern vom günstigsten Marktpreis zum jeweiligen Zeitpunkt. Andere Händler verkaufen den gleichen Speicher noch teurer – sofern sie ihn überhaupt liefern können.

Massive Verteuerung wohin das Auge reicht

Insbesondere DDR5-RAM mag ein Extrembeispiel sein. Es handelt sich um die aktuellste Generation. Wer 2025 bzw 2026 einen neuen PC kauft/zusammen stellt, setzt daher primär darauf. Doch auch der ältere DDR4 hat sich massiv verteuert. Als Beispiel schauen wir uns ein DDR4-3200-Kit an, ebenfalls mit 2x16GB.2 Anfang September für rund 69€ erhältlich, liegt Anfang Februar der günstigste Preis bei knapp 267€. Das entspricht einer Verteuerung um fast Faktor 4 in nur wenigen Monaten.

Man könnte Ewig weiter machen: Selbst 0815 2,5″ SSDs wie die Crucial BX500 sind von knapp 20€ auf derzeit rund 44€ immerhin mehr als doppelt so teuer geworden.3 Alles, was Speicher enthält, befindet sich in einer starken Preisspirale. Der Unterschied besteht lediglich darin, wie extrem der Anstieg ist.

Raspberry Pi wird teurer: Erste Preiserhöhung & 1 GB Rückkehr

Eben Upton, der Raspberry Pi Erfinder, sah sich im Dezember 2025 zur ersten Preiserhöhung genötigt: Der Raspberry Pi 5 steigt um +$5 (2 GB RAM) bis +$45 (16 GB), je nach Edition. Auch der weiterhin erhältliche Vorgänger wurde um +$5 (4 GB RAM) bzw. +$10 für die 8 GB RAM Edition teurer.4

Zeitgleich erschien eine noch kleinere Edition des Raspberry Pi 5 mit nur 1 GB RAM für $45. Damit soll die Verteuerung etwas abgefedert werden. Zuvor lag der günstigste RPI5 mit 2 GB RAM bei $50 und damit deutlich über den $35, mit denen er 2012 auf den Markt kam. Das wurde mit der deutlich höheren Leistung sowie den neuen Funktionen (z.B: PCIe) gerechtfertigt.

Einerseits ist das nachvollziehbar. Doch andererseits wurde der Raspberry Pi als günstiger kleiner Computer für nur $35 erfolgreich. Mit diesem Hintergrund war bereits der Anstieg auf $50 ein großer Schritt. Wer wenig Geld zur Verfügung hat oder die Mehrleistung nicht benötigt, ist mit dieser Entwicklung daher unzufrieden gewesen. Diese Kritik soll das neue 1 GB Modell besänftigen. Zwar mag ein derart starker Prozessor mit nur 1 GB Arbeitsspeicher fragwürdig sinnvoll sein. Doch der Preis sank damit auf $45; nur noch +$10 gegenüber den früheren $35.

Noch teurer: Raspberry Pi Preise gehen durch die Decke

Nur zwei Monate später steht bereits die nächste Eskalation an. Am 02.02.2026 verkündet Eben Upton, dass die Preise weiter steigen müssen.5 Der „KI“ Hype habe die Kosten für LPDDR4-Speicher in bisher beispiellosem Ausmaß explodieren lassen. Er spricht davon, dass manche Komponenten doppelt so teuer geworden sind. Erneut steigen dadurch die Verkaufspreise massiv. Raspberry Pi 4 und 5 sind im gleichen Maße betroffen:

  • 2 GB RAM steigt um +$10
  • 4 GB RAM +$15
  • 8GB RAM +$30
  • 16 GB RAM +$60

Der Raspberry Pi 500 und 500+ steigt ebenfalls an. Nur der Raspberry Pi 400 sowie die 1 GB Editionen von RPI 4 & 5 bleiben verschont. Auch für die Zero-Modelle sowie noch ältere Generationen (RPI 3 & vorherige) stehen keine Erhöhungen an. Begründet wird dies mit vollen Lagern: Die älteren Modelle setzen auf LPDDR2 Speicher. Davon hat Upton einen Vorrat, der mehrere Jahre lang ausreichen soll.

Die Preissteigerungen kommen im Deutschen Markt an

Zwar ist die zweite Erhöhung sehr neu, doch die Shops haben pünktlich reagiert. Zum 02. Februar 2026 stieg etwa die 4 GB Edition des aktuellen Raspberry Pi 5 von 71,90€ auf 86,90€ an. Bereits der vorherige Preis war kein Schnäppchen. Mitte November konnte man ihn für rund 60€ kaufen.6

Noch heftiger trifft es die größeren Editionen mit mehr Arbeitsspeicher. Bereits die 8 GB Variante ist von 81,90€ im November auf derzeit 127,90€ geklettert. Zum Vergleich: Für 122,90€ erhielt man noch vor wenigen Wochen das 16 GB Modell – das ist längst Geschichte: Aktuell sind satte 209,90€ fällig. Bei derartigen Dimensionen ist zudem davon auszugehen, dass Scalper (unautorisierte Wiederverkäufer) Blut lecken. Dadurch werden die Preise weiter nach oben getrieben, vor allem im Gebrauchtmarkt.

Neues Modell: Ein Versuch der Abmilderung

Der Raspberry Pi ist daran weder Schuld, noch kann er all zu viel daran ändern. Doch er kann etwas flexibler werden. Dazu erscheint eine neue Art von Modellvariante des Raspberry Pi 4 mit angepasstem Platinenlayout. Sie enthält zwei Speicherbausteine – einer vorne, der zweite auf der Rückseite. Dadurch kann der 4 GB Pi zukünftig mit 2×2 GB Bausteinen bestückt werden.7

Bisher setzte man auf einen einzelnen. Dementsprechend ließen sich nur dieser verbauen. Sind getrennte günstiger, kann Eben Upton sich dafür entscheiden. Kunden des Raspberry Pi 4 erhalten nun zufällig entweder einen oder zwei Speicherchips – je nachdem, was gerade weniger teuer ist. Die Leistung soll davon unbeeinflusst bleiben. Auch die restlichen Spezifikationen bleiben identisch. Dieser Schritt ist in der Geschichte des Raspberry Pi einmalig. Platinen mit zwei Speicherchips hatte man aus Kostengründen vermieden. Aufgrund der exorbitant hohen Speicherpreise lohnt sich dies mittlerweile.

Kein Ende in Sicht – das ist Absicht!

Trotz dieser massiven Aufpreise scheint die Spitze noch längst nicht erreicht. Schätzungen rechnen damit, dass alleine im ersten Quartal 2026 zusätzliche Preissteigerungen von 50% bis 60% durch die Lieferanten aufgeschlagen werden sollen.8 Da der Markt ein Oligopol darstellt und die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, sitzen die Hersteller am längeren Hebel.

Diese freuen sich auf historisch exorbitante Gewinne: Alleine Samsung rechnet mit 14 Milliarden US-Dollar. Das Geschäft verschiebt sich dort zunehmend. Früher wurde das meiste Geld aus Smartphone-Verkäufen herausgeholt. Nun legt DRAM immer weiter zu und wird zur Goldgrube.9

Das ist kein Zufall. Die Konzerne nutzen den „KI“ Hype skrupellos aus: Produzenten reduzieren die Herstellung von älteren Speichern, vor allem DDR4. Da DDR5 stärker gefragt ist, lassen sich dort höhere Gewinne abschöpfen. Als Folge wird DDR4 noch stärker verknappt, wodurch die Preise weiter steigen werden.10 Doch DDR4 ist keineswegs vom Markt gefegt. Seit geraumer Zeit haben Sparfüchse den etwas älteren Standard als Methode entdeckt, um den absurd hohen Preisen von DDR5 zumindest ein Stück weit zu entgehen. Damit dürfte durch die zusätzliche Verknappung bei der Produktion von DDR4 bald endgültig Schluss sein.

So macht „KI“ Hardware für (fast) alle teuer

Doch die Wurzel dieser beispiellosen Entwicklung steckt woanders: Es ist der „KI“ Hype. Hier kommen mehrere Aspekte zusammen: Hardware wird noch schneller ausgemustert. Der Bedarf ist gestiegen, weil Konzerne wie OpenAI aus dem Trend so viel herausholen wollen, wie möglich. In welchen riesigen Dimensionen sich das bewegt, zeigen Zahlen von OpenAI. Laut Moore’s Law is Dead hat alleine dieser Konzern 40% (!) der weltweiten Produktion von Arbeitsspeicher (!!!) aufgekauft.11

Noch gravierender ist, dass nicht mal nur für den tatsächlichen Bedarf bestellt wird. Sondern OpenAI bewusst die Märkte leer kauft, damit die Konkurrenz keinen Zugriff darauf bekommt. So möchte man den eigenen Fortschritt behalten und ausbauen, weil andere warten müssen. Als Folge davon stehen Privatkunden vor massigen Preiserhöhungen nahezu aller Geräte. Bei Laptops z.B. können das schnell 20% sein. Oder gar vor leeren Regalen.

Die Blase wächst

Derartige Skrupellosigkeit ist bei OpenAI leider keineswegs neu. Bereits Anfang 2025 hat das Unternehmen etwa verkündet, die Sicherheitstests massiv zu verkürzen – von Monate auf Tage. Dabei geht es nur darum, neue „KI“ Systeme so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Dass die Technik dabei noch unsicherer werden dürfte, als sie bereits ist, wird ignoriert. Es geht nur darum, Erster zu sein & zu bleiben – um jeden Preis.12

Was in dem Artikel nur als Randnotiz Erwähnung findet, hat es in sich: All das massive Geld dafür hat OpenAI nur durch Investoren bekommen. Profitabel ist das Unternehmen auch 2026 nicht. Das wird sich auf absehbare Zeit kaum ändern: Prognosen rechnen erst 2030 damit – wenn zusätzliche 207 Milliarden US-Dollar hinein gepumpt werden. Und unter der Annahme, die Nutzerzahlen würden bis dahin auf 44% der Weltbevölkerung steigen.

Auf Pump kaufen solche Konzerne den Markt komplett leer. Derzeit gibt es keine Aussichten auf Besserung – im Gegenteil: Bereits im November 2025 haben sich die Konzerne den gesamten Flash-Speicher gesichert, der im Jahr 2026 produziert werden soll.13 Sofern bis dahin nicht die „KI“ Blase platzt, kann es frühestens 2027 zu einer Normalisierung kommen. Und das nur theoretisch. Bei den gigantischen Milliardensummen ist vorstellbar, dass auch die Kapazitäten im folgenden Jahr gnadenlos aufgekauft werden.

Fazit: „KI“ Schadet der Gesellschaft zunehmend – statt zu nutzen

Diese neue Dimension der Eskalation macht erneut deutlich, wie stark „Künstliche Intelligenz“ uns inzwischen schadet. Dazu gibt es bereits eine lange Liste: Von Fehlinformationen über Manipulation bis hin zu Selbstmorden. Während ChatGPT & co. dafür nicht die alleinige Verantwortung tragen, sieht es bei noch weiter verkürzten Sicherheitstests anders aus. Auch das massive Aufkaufen von Speicher ist eine alleine von den „KI“ Unternehmen getroffene Entscheidung.

Wir sollten derartige Entwicklung nicht länger mit Schulterzucken hinnehmen. Oder gar dem Hype blind hinterher laufen. „KI“ ist nur akzeptabel, wenn sie uns tatsächlich einen Mehrwert bietet, der im Verhältnis zu den Kosten steht. Entsteht dagegen das nächste Quasi-Monopol bzw. Oligopol aus Konzernen, die auf noch höheren Kosten der Gesellschaft Milliardenprofite erwirtschaften, ist das nicht in unserem Sinne.

Man kann übrigens – trotz Hype – „nein“ sagen. Insbesondere zum Trend, die Technik kopflos für jeden Unsinn einzusetzen. Dieser Text beispielsweise ist ohne ChatGPT & co. entstanden. Lediglich beim Artikelbild unterstützt ein Bildgenerator – dort ist er nützlich, ohne Schaden anrichten zu können.

Quellen

  1. https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/206875989_-predator-vesta-ii-rgb-ddr5-kit-32gb-6000-mhz-bl-9bwwr-652-acer.html#pricechart ↩︎
  2. https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/201523648_-fury-beast-32gb-dual-kit-ddr4-3200-cl16-kf432c16bbk2-32-kingston.html#pricechart ↩︎
  3. https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/6296290_-bx500-2-5-crucial.html#pricechart ↩︎
  4. https://www.raspberrypi.com/news/1gb-raspberry-pi-5-now-available-at-45-and-memory-driven-price-rises/ ↩︎
  5. https://www.raspberrypi.com/news/more-memory-driven-price-rises/ ↩︎
  6. https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/203479149_-5-4gb-raspberry-pi-foundation.html#pricechart ↩︎
  7. https://www.heise.de/news/Raspberry-Pi-4-kommt-jetzt-mit-zwei-Speicherchips-11166924.html?view=print ↩︎
  8. https://www.pcgameshardware.de/RAM-Hardware-154108/News/Speicherkrise-und-weiter-steigende-Preise-1490028/ ↩︎
  9. https://www.golem.de/news/dram-preise-samsung-erwartet-14-milliarden-us-dollar-quartalsgewinn-2601-203949.html ↩︎
  10. https://www.pcgameshardware.de/RAM-Hardware-154108/News/DDR4-Speicher-soll-verknappt-werden-1490051/ ↩︎
  11. https://www.notebookcheck.com/OpenAI-soll-40-der-weltweiten-DRAM-Produktion-und-sogar-DDR5-RAM-im-Handel-aufkaufen.1177231.0.html ↩︎
  12. https://www.golem.de/news/kuenstliche-intelligenz-openai-verkuerzt-sicherheitstests-von-monaten-auf-tage-2504-195266.html ↩︎
  13. https://www.heise.de/news/Speicherkrise-Flash-ist-knapp-wie-nie-11073558.html ↩︎

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