StartseiteNewsIT-News1,5 Monate nach Windows 10: Fakten und Microsofts penetrante Upgrade-Politik
Verbreitung der Windows-Versionen im August 2015 (Quelle: Netmarketshare)
Verbreitung der Windows-Versionen im August 2015 (Quelle: Netmarketshare)

1,5 Monate nach Windows 10: Fakten und Microsofts penetrante Upgrade-Politik

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Das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 10 wurde vor 1 1/2 Monaten veröffentlicht. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf die Verbreitung zu werfen. Außerdem wurden durchaus dubiose Methoden bekannt, mit denen das Unternehmen wohl versucht, die Marktanteile des neuen Windows zu steigern.

Gut 5 Prozent nutzen Windows 10

Im August diesen Jahres haben knapp über 5 Prozent aller Desktop-Nutzer das neue Betriebssystem aus dem Hause Microsoft verwendet. Windows 7 erreichte einen Monat nach Veröffentlichung mit rund 4 Prozent etwas weniger Marktanteile. Verglichen mit dem Vorgänger läuft Windows 10 aber deutlich besser: Windows 8 kam deutlich schlechter an und konnte sich in den ersten 30 Tagen lediglich gut 1 Prozent sichern.

Verbreitung der Windows-Versionen im August 2015 (Quelle: Netmarketshare)

Verbreitung der Windows-Versionen im August 2015 (Quelle: Netmarketshare)

Die von Netmarketshare stammenden Zahlen werden aus über 160 Millionen eindeutigen Besuchern generiert und sind damit durchaus repräsentativ. Bei uns auf U-Labs merkt man jedoch, dass wir einige überdurchschnittlich technikaffine Besucher haben: Windows 7 führt hier unter den Windows-Versionen mit knapp 50 Prozent zwar ebenfalls an. Allerdings folgt Windows 8.1 mit rund 18 Prozent. Windows 10 wird mit 10 Prozent fast doppelt so häufig eingesetzt. Erfreulich: Lediglich noch rund 2 Prozent unserer Besucher verwenden das völlig veraltete XP. Die rund 12 Prozent von Netmarketshare sind fast 1,5 Jahre nach der Einstellung noch viel zu viel.

Das kostenlose Upgrade-Angebot ist wohl einer der Hauptgründe für die vergleichsweise höhere Verbreitung von Windows 10. Gerade Windows 7 Nutzer würden sich sonst die Frage stellen: Windows 10 merzt Verschlimmbesserungen von Windows 8 an Windows 7 aus – Warum sollte ich dafür Geld ausgeben? Da kann ich auch gleich bei Windows 7 bleiben. Zumal durch die mittlerweile bekannt gewordene exzessive Sammelwut einige Nutzer verunsichert sein dürften, nach dem Upgrade ausspioniert zu werden.

Zwangs-Download: Nutzer werden zunehmend zum Wechsel gedrängt

Microsoft hat sich schon in der Vergangenheit Mühe gegeben, möglichst viele Nutzer über das Upgrade zu informieren. So bekam jeder upgradefähige Nutzer der Vorversionen mittels Windows Update einen Hinweis eingeblendet, das Upgrade kostenfrei zu reservieren. Nach dem Erscheinen von Windows 10 wurde man darüber informiert, dass Windows 10 nun heruntergeladen werden kann.

Das reicht dem Konzern aber offenbar noch nicht: Die Upgrade-Daten werden laut jüngsten Nutzerberichten mittlerweile sogar auf Computer geladen, die das Upgrade gar nicht reserviert haben. Dadurch sind einige verärgert: Viele fühlen sich bevormundet. Gerade Nutzer von SSDs klagen über den belegten Speicher – Sind diese Laufwerke durch ihren recht hohen Preis noch immer deutlich kleiner als Festplatten. Manch einer ist aber auch auf getaktete Verbindungen angewiesen. Wer nur 10GB im Monat zur Verfügung hat, wird nicht erfreut sein, wenn Microsoft ihm die Hälfte davon ungefragt abzwackt.

Dazu kommt dann nach jedem Hinweis die nervige Sprechblase, welche den Nutzer zum Upgrade auffordert. Um Gerüchte handelt es sich dabei keineswegs: Ich habe selbst einen produktiv eingesetzten Windows 8.1 Rechner, der bewusst nicht auf Windows 10 geupgraded wird. Seit letztem Monat wird das Windows 10 Upgrade unter den optionalen Windows-Updates angezeigt. Und zwar automatisch angehakt – Das ist bei optionalen Updates sonst nie der Fall. Wer automatische Updates aktiviert hat, lädt das Upgrade damit unwissend herunter.

Microsoft hat diese Praxis übrigens mittlerweile offiziell bestätigt. Das Upgrade werde für den Fall, dass der Nutzer upgraden möchte, automatisch heruntergeladen. Warum man den Nutzer in dieser Entscheidung bevormundet, wird nicht erklärt. Genau so wenig die Frage, wie komplette Upgrades ungefragt über eine Update-Funktion übertragen werden. Ein Update behebt Fehler innerhalb einer Version (Windows 7, 8) oder liefert kleinere Neuerungen/Verbesserungen. Dagegen ist ein Upgrade eine komplett neue Variante der Software und somit weit mehr als nur eine kleine Neuerung. Wer sich bewusst für automatische Updates entscheidet, rechnet also in keinster Weise mit einem kompletten Upgrade.

Fazit: Microsoft muss aufpassen

Warum Microsoft das tut liegt natürlich auf der Hand: Der Start von Windows 10 war insgesamt gesehen ganz gut. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass die große Mehrheit der Nutzer kostenfrei aktualisieren kann, sind nur fünf Prozent Marktanteile wenig. Wie bereits oben erwähnt kam Windows 7 damals nur auf einen Prozent weniger – und zwar vollkommen ohne Anreize, die Nutzer mussten sich Windows 7 ganz normal kaufen.

Das rechtfertigt jedoch keine entmündigung der Kunden. Mit umfassender Überwachung und Zwangsupdates bewegt sich Microsoft mit Windows 10 derzeit ohnehin auf einem recht dünnen Ast. Durch die penetrante Propaganda zum Upgrade auf Windows 10 wird sich das Unternehmen bei den Anwendern nicht beliebter machen. Bleibt abzuwarten, ob sich Microsoft in dieser Hinsicht positiv oder negativ weiter entwickelt. Langfristig können solche Methoden der Marktdominanz von Windows ernsthaft schaden. In der Schweiz wird aufgrund der Datensammelwut von Windows 10 derzeit sogar ein Verbot geprüft.

 

 

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