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Unsere Welt und Geräte werden immer vernetzter - doch das bringt nicht nur Vorteile, sondern auch Gefahren mit sich.
Unsere Welt und Geräte werden immer vernetzter - doch das bringt nicht nur Vorteile, sondern auch Gefahren mit sich.

Lebenszyklus und Updates von intelligenten/vernetzten Geräten

Intelligente und/oder vernetzte Geräte sind zunehmend im Kommen. Und das in verschiedenen Bereichen des Alltages. Sie sind mindestens mit dem Heimnetzwerk verbunden, oft sogar im Internet. Man kann auf viele über verschiedene Endgeräte zugreifen. Meist existieren dafür Apps, welche mit Android/iOS die gängigsten Plattformen abdecken.

Ein paar Beispiele

  • Vernetzte Zahnbürsten, die Daten über Putzdauer und Zahnpflege auf das Smartphone/Tablet übertragen
  • Staubsauger/Mähroboter mit Smartphone-Apps, worüber sich der Status abfragen und sich die Geräte teils auch steuern lassen
  • Fernseher (sogenannte Smart-TV) bieten ohne zusätzliche Geräte umfangreiche Multimedia-Funktionen: Medien können im Netzwerk oder von Streaming-Anbietern wie Amazon/Netflix (Video) bzw Spotify/Deezer (Musik) abgespielt werden
  • Waschmaschinen können bequem per Smartphone von Unterwegs gestartet/kontrolliert werden
  • Moderne Autos bieten ebenfalls Smartphone-Apps, um gewisse Funktionen zu stuern

Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig und nur ein kleiner Auszug. Zumal die Ära der vernetzten Geräte gerade erst begonnen hat. In der Zukunft werden sicher noch weitere Geräte mit dem Internet verbunden sein, und auch zumindest zu einem gewissen Teil selbstständig handeln. Das klassische Beispiel sind wohl Kühlschränke, die Produkte automatisch nachbestellen, bevor sie zur Neige gehen.

Wer kümmert sich um die (Sicherheits-)Aktualisierungen?

Als Softwareentwickler sehe ich dabei mehrere Probleme, hauptsächlich in der Wartung: Die Software wird durch den Funktionsumfang immer umfangreicher und komplexer. Dadurch auch fehleranfälliger, was insbesondere bei Geräten die mit dem Internet verbunden sind ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen kann. Derart komplexe Systeme müssen daher gepflegt und regelmäßig aktualisiert werden. Gerade bei Smartphone-Apps ist dies für die Kompatibilität wichtig: Ganz grob gesagt kommt alle 1-2 Jahre eine neue Hauptversion heraus. Aktualisiert der Hersteller hier nicht, wird die App spätestens nach einigen Jahren nicht mehr funktionieren.

Die Frage ist also: Wie lange werden solche modernen Geräten mit Aktualisierungen versorgt, damit sie dauerhaft sicher betrieben werden können und alle beworbenen Funktionen ohne Einschränkungen funktionieren? Bei den Preisen eines Fernsehers scheint es sehr realitätsfern, hier die nächsten 10 Jahre Updates zu erwarten. Viel mehr bahnt sich an, dass die effektive Lebensdauer auf wenige Jahre sinkt und solche Geräte zu Wegwerfprodukten werden. Dies schadet nicht nur unserem Geldbeutel, sondern vor allem der Umwelt und begrenzten Ressourcen, die dafür genutzt werden. Noch extremer ist es bei vergleichsweise langlebigen Produkten wie Autos oder Waschmaschinen. Marken wie Bosch oder Siemens geben z.B. bei Waschmaschinen die durchschnittliche Lebensdauer mit 10 Jahren an, bei Miele sollen es sogar 20 sein.

Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Ich sehe da langfristig ein ernstes Problem: Entweder werden solche Geräte früh ausgetauscht/entsorgt mit entsprechenden ökologischen Folgen. Oder sie werden trotz fehlender Updates weiter genutzt, womit der durchschnittliche Verbraucher vollkommen ungeschützt vor Sicherheitslücken ist. Im schlimmsten Falle haben unbefugte damit Zugang zum Haus, wie erst kürzlich bei einem Sicherheitsleck der Firma Loxone geschehen. Einbrecher könnten durch Analysieren des Systemes den perfekten Zeitpunkt abwarten, und ohne Spuren das Haus in Ruhe leer räumen – beispielsweise wenn die Bewohner im Urlaub sind. Zumindest langfristig geht es hier also um weit mehr, als dass nur Spotify auf dem Fernseher nicht mehr funktioniert. Ein gesetzlicher Zwang für vernetzte Stromzähler wurde von der Bundesregierung ja beispielsweise bereits vor einiger Zeit verabschiedet.

Nun ist die Frage, wie man diesen Problemen entgegen kann – ohne gleich radikal auf moderne Technik zu verzichten. Ich sehe da nur eine praktikable Lösung: Keine geschlossenen Systeme über die nur der Hersteller die Macht hat. Sondern stattdessen quelloffene Software. Sie ist nicht von der Profit-Kalkulation des Herstellers abhängig. Selbst wenn dieser komplett von der Bildfläche verschwindet (z.B. Pleite), werden solche Projekte in der Regel anschließend von der Community weitergeführt – vorausgesetzt natürlich, es gibt eine gewisse Reichweite bei den Nutzern. Ideal wäre natürlich, dies mit Open-Source-Hardware zu kombinieren. Dort sind dann zusätzlich die Baupläne frei verfügbar.

Quelloffene Lösungen sind flexibler und transparenter

Für Nutzer hätte dies auch einige weitere Vorteile: Versiertere Nutzer und Entwickler können die Systeme an ihre Bedürfnisse exakt anpassen. Werden diese Anpassungen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, können sie auch von durchschnittlichen Nutzern verwendet werden. Oder eben von anderen Entwicklern, die davon profitieren, ohne die dafür notwendigen Anpassungen selbst vornehmen zu müssen.

Auch die Sicherheit und Privatsphäre ist besser geschützt, da z.B. transparent ersichtlich ist, welche Daten erhoben werden und wo sie landen. Auf Android-Smartphones erfreuen sich quelloffene Open-Source Firmwares wie z.B. CyanogenMod daher nicht erst seit heute einer relativ großen Beliebtheit: Sie bieten oft noch Jahrelang Updates an, wenn der Hersteller das Gerät schon längst aufgegeben hat. Für den Nutzer erhöht sich damit nicht nur die Sicherheit – Er kann auch neue Funktionen genießen, für die er ansonsten ein komplettes Smartphone kaufen müsste.

Im Konflikt mit den Interessen der Hersteller

Gerade aus diesen Gründen ist dieses Prinzip aber vielen Herstellern ein Dorn im Auge: Sie wollen möglichst unbemerkt viele Nutzerdaten sammeln, um diese gewinnbringend zu verkaufen. Und auch wenn der Kunde ein neues Gerät kauft, weil auf dem alten mangels Aktualisierungen die Spotify-App nicht mehr funktioniert, verdient er dadurch mehr Geld. Sicher kann man daraus nun nicht automatisch schließen, die Hersteller halten ihre Updatezyklen absichtlich kurz, damit häufiger neu gekauft wird. Denn der Fairness halber muss man auch sagen: Das Versorgen eines Gerätes mit Updates kostet ihn Geld.

Im Gegensatz zu Abo-Software wie Office 365 wird der Hersteller eines Gerätes bislang in den meisten Fällen nicht regelmäßig bezahlt. Er erhält nur den einmaligen Gerätepreis beim Kauf. Davon muss er aber natürlich auch die Material- und Produktionskosten des Gerätes bezahlen.

Abo-Modelle als Alternative?

Die einzige rein kommerzielle Alternative besteht daher wohl in Abo-Modellen: Der Nutzer zahlt nach dem Kauf monatlich einen gewissen Pauschalbetrag. Damit werden die laufenden Aktualisierungen finanziert. Fraglich bleibt, ob die Kunden bereit sind, dafür zu bezahlen. Vor allem in Anbetracht der Preise bei manchen Elektrogeräten. Fernsehgeräte sind beispielsweise spottbillig geworden. Markengeräte mit 40 Zoll Bildschirmdiagonale gibt es derzeit schon ab etwa 250 Euro. Rein ökonomisch betrachtet macht ein Wartungsvertrag da wenig Sinn – stattdessen investiert man das Geld nach ein paar Jahren einfach in einen neuen Fernseher. Dann hat man auch gleich die neuste Technologie, und kein Gerät auf dem Stand von vor 5 Jahren. Ökologisch gesehen ist dies dagegen sehr problematisch.

Möglicherweise anders mag es bei Produkten aussehen, die auch im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft noch relativ teuer sind. Hierzu gehören etwa Autos, zumindest ab dem Mittelklassen-Segment. Unterklassen-Modelle wie z.B. von Dacia, die man schon weit unter 10.000 Euro bekommt, dürften ähnliche Probleme haben wie am Beispiel der Fernseher demonstriert.

Fazit: Verschiedene Lösungen denkbar

Grundsätzlich scheint es zumindest zwei realistische Alternativen zu geben. Wobei man ohnehin keine Universal-Lösung für alle Anwendungsfälle erwarten kann. Insgesamt scheint die quelloffene Variante aber lukrativer: Im Idealfall erhält der durchschnittliche Nutzer umfangreiche Unterstützung, und muss dafür nichts bezahlen. Natürlich funktioniert ein solches System nur so lange, wie es genügend Beteiligte und Spender gibt, die es am Leben erhalten. Betrachtet man verbreitete Open-Source Projekte wie Linux, Apache oder sogar Hardware-Projekte wie den Raspberry Pi, scheint dies jedoch nicht unrealistisch zu sein.

Teilweise gibt es aus dieser Ecke auch bereites Open-Source Alternative zu proprietären Lösungen der Hersteller. So verwandelt ein Raspberry Pi in Kombination mit Kodi jeden Fernseher in eine Multimedia-Zentrale. Leider muss man hier insbesondere was externe Dienste angeht noch mit Einschränkungen leben. Dienste wie Amazon oder Netflix funktionieren derzeit bestenfalls mit Gebastel, also keine Out-of-the-box-Lösung wie man es von den Apps auf Smart-TVs kennt. Teilweise sind solche Anbieter aufgrund fehlender Schnittstellen gar nicht nutzbar.

Grundsteine sind also durchaus bereits vorhanden. Allerdings besteht hier durchaus noch Verbesserungspotenzial, um mit proprietären Lösungen mithalten zu können.

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