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Zeitungsenten sind auch im Internet verbreitet (Bild: berwis / pixelio.de)
Zeitungsenten sind auch im Internet verbreitet (Bild: berwis / pixelio.de)

Manipulation der Bevölkerung durch Falschmeldungen

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Insbesondere seit Trump’s Wahlsieg sind Falschmeldungen und deren Folgen in den medialen Fokus gerückt: Sowohl gegen Trump als auch Clinton waren massenhaft Gerüchte zu allen möglichen Themen zu hören. Diese wurden nicht nur vom jeweiligen politischen Gegner gestreut. Zahlreiche Pseudo-Newsseiten verbreiten Meldungen per Copy&Paste weiter, komplett ohne Prüfung der Inhalte. Ein 22-Jähriger Student, der Pro-Trump Propaganda verbreitete, sagte in einem Interview (sinngemäße Übersetzung): „Teile schreibe ich selbst, andere kopiere ich von fremden Webseiten und übersetze sie. Bei den übersetzten Dingen von anderen Seiten weiß ich nicht wirklich was wahr ist und was nicht, ich mache das nur um Geld zu verdienen“.

Propaganda als Geldeinnahmequelle

Und genau darin liegt das Problem: Reißerische Schlagzeilen, welche den Nerv der Leute treffen, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Gerade in sozialen Medien wie Facebook werden solche News schnell geteilt – Auch viele Leser prüfen nicht, wie seriös oder authentisch die Quellen sind. Fake-News führen zu vielen Besuchern auf der eigenen Seite, der wiederum vermarktet und zu barem Geld gemacht werden kann. Beispielsweise durch Werbung. Natürlich spielen hier aber auch andere Interessen eine Rolle: So verbreiten Geheimdienste im Regierungsauftrag gezielt Lügen, um ihre Interessen durchzusetzen – beispielsweise die Diskreditierung eines angeblichen Straftäters. Aber auch Aktivisten, die Regierungen/Geheimdiensten kritisch gegenüberstehen, werden auf diese Art und Weise beseitigt.

Schlussendlich gibt es natürlich die klassische Mund-zu-Mund-Propaganda: Die Schwester vom Kollegen des besten Freundes hat am Bahnhof gehört, wie von einem gewalttätigen Flüchtling gesprochen wird, der Frauen misshandelt. Derartiges Hörensagen wird auf dem weiteren Weg gerne noch verändert: Der unbekannte Täter ist plötzlich ein Flüchtling, aus einem Täter werden 10 und so weiter. Manche Meldungen beruhen nicht mal auf wahren Tatsachen die manipuliert wurden, sondern sind gar völlig erfunden. Beispielsweise, um gegen Ausländer zu hetzen.

Auch Politiker streuen Gerüchte

Teils stellen sich Politiker mehr oder weniger Geschickt an, um Gerüchte und Lügen als Tatsachen darzustellen. Beispielsweise haben Abgeordnete der NPD und AfD im Parlament nach Sachverhalten gefragt, die definitiv nie passiert sind. Dies wurde wiederum durch die Medien aufgegriffen, wodurch sich die falschen Meldungen erst verbreitet haben.

Selbst unser Innenminister Thomas de Maizière scheint einen Hang zu erfundenen Zahlen zu haben: In mindestens zwei Fällen hat er seine Argumente nachweislich mit Statistiken untermauert, die es so nicht gibt. Ein Beispiel ist seine Aussage, dass 30% der Asylbewerber, die laut eigenen Aussagen aus Syrien kommen, in Wirklichkeit aus anderen Ländern stammen würden.

HOAXmap sammelt Falschmeldungen

Um dem entgegenzuwirken, wurde das Projekt HOAXmap ins Leben gerufen: Freiwillige recherchieren dort nach Falschmeldungen, die belegbar als solche identifiziert werden können. Derzeit sind knapp 500 Berichte vertreten, die definitiv nicht wahr sind. Nicht nur kleinere, unbekannte News-Seiten sind betroffen – es fallen auch immer wieder die größeren Profis auf Lügen herein. Oft liegt das an einer unzureichenden Überprüfung der Quellen. Man möchte schnell und günstig Arbeiten. Das wirkt sich leider auf die Qualität der Informationen aus.

HOAXmap möchte diesen Fehler nicht wiederholen und achtet daher auf Gründlichkeit: Im Interview mit Netzpolitik.org berichtet eine der Gründerinnen über den großen Pool aus Meldungen, die bislang noch nicht eindeutig den Fakes zugeordnet werden können. Diese werden bewusst nicht gelistet, damit die Seite selbst keine falschen Informationen verbreitet. Laut Ihr sind Sozial- Geld- und Sachleistungen für Asylbewerber sowie Raub, Diebstahl und Vergewaltigungen die häufigsten Themen, zu denen sie Falschmeldungen feststellen.

Was tun gegen Falschmeldungen? 

Das Innenmisterium hat Pläne, ein Abwehrzentrum für Fake-News einzurichten. Und auch andere Politiker traten bereits mit der Forderung nach Maßnahmen zur Verhinderung der Falschmeldung in Erscheinung. Dies ist natürlich ein heikles Thema für die Meinungs- und Pressefreiheit. Gerade aus dem Innenministerium wirkt diese Forderung bedenklich: Schließlich hat es selbst bereits mindestens zwei Falschmeldungen veröffentlicht.

Letztendlich dürfte die sinnvollste Maßnahme am anderen Ende liegen, nämlich in der Medienkompetenz des Konsumenten: Ein informierter, autonomer Bürger sollte seriöse Newsquellen wählen, und grundsätzlich die Quellen überprüfen. Sind keine seriösen Quellen vorhanden, ist Vorsicht geboten. In diesem Fall ist zu überlegen, ob man die Weiterverbreitung dieser Nachrichten nicht doch lieber unterlässt – zumindest so lange, bis neue, sicherere Informationen  zu dem Thema vorliegen.

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