StartseiteRaspberry PiRaspberry Pi Knappheit: Warum ist er Ausverkauft oder nur schlecht lieferbar? Wie bekomme ich trotzdem einen Pi?

Raspberry Pi Knappheit: Warum ist er Ausverkauft oder nur schlecht lieferbar? Wie bekomme ich trotzdem einen Pi?

Du möchtest einen Raspberry Pi kaufen, aber er ist nirgendwo lieferbar? In diesem Beitrag erkläre ich dir, welche Alternativen es gibt, um dennoch einen Pi zu bekommen. Außerdem gehen wir darauf ein, warum die Situation überhaupt derzeit so angespannt ist. Schließlich war das bis vor wenigen Wochen noch nicht der Fall.

Was ist passiert, dass der Pi knapp und teuer geworden ist?

Lange Zeit war der Raspberry Pi 4 immer verfügbar und relativ günstig zu haben. So kostete der Raspberry Pi 4 mit 4 GB Arbeitsspeicher meist zwischen 56 und 59 Euro. Vereinzelt gab es ihn im Rahmen von Verkaufsaktionen sogar noch günstiger.

Ab ungefähr Mitte Oktober 2021 änderte sich das: Mehr und mehr Shops sind ausverkauft, die Preise steigen auf über 70 Euro. Selbst Onlineshops die sich auf den Raspberry Pi spezialisiert haben wie z.B. Berrybase können über Tage und Teils Wochen hinweg nicht liefern. Nachschub kommt nur in einzelnen Chargen von einigen Tausend Pis oder teils sogar nur wenigen Hundert.

Die verfügbaren Angebote sind teils noch teurer. Als ich mit diesem Artikel am 29.11.2021 begonnen habe, kostete der Raspberry Pi 4 mit 4 GB Arbeitsspeicher beim günstigsten Händler der innerhalb von einer Woche liefern kann, über 90 Euro inklusive Versandkosten:

Wer mit einer Lieferzeit von „voraussichtlich 5 Wochen“ leben kann, muss immerhin noch 80€ inkl. Versandkosten bezahlen. Andere Händler verlangen noch mehr. Auf Amazon ist beispielsweise niemand unter 140€ für den Pi 4 mit 8 GB lieferfähig – die 4 GB Variante sogar gänzlich ausverkauft.

Wie kommt es zur Knappheit und den Preissteigerungen?

Ein großes Problem ist die Halbleiterknappheit, in den Medien oft auch „Chipknappheit“ genannt. Sie wurde primär durch die Pandemie verursacht: Produktionswerke mussten herunterfahren, während die Nachfrage deutlich stieg. Unternehmen kauften z.B. Laptops, Webcams und andere Geräte, damit die Mitarbeiter von zu hause arbeiten können. Für viele war das neu, da vor Corona nur wenige Unternehmen die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten oder Arbeiten zuhause angeboten hatten. In Familien brauchte plötzlich jeder mindestens ein eigenes Gerät. Die Lockdowns führten auch zu einer erhöhten Nachfrage nach Unterhaltungselektronik, um sich zu hause zu beschäftigen. Insgesamt kann man sagen, dass Corona die Digitalisierung in Deutschland stark vorangetrieben hat.

Teils gab es auch Planungsfehler, da man z.B. nicht damit gerechnet hat, dass sich die Wirtschaft so schnell wieder erholt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Ereignisse, die das Problem weiter befeuern: Beispielsweise die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021. Sie verursachte Schäden in Milliardenhöhe, zehntausende Menschen wurden Obdachlos – und müssen ihren kompletten Haushalt wieder aufbauen. Halbleiter stecken heutzutage in fast jedem Haushaltsgerät, eben so in Autos.

Der neue Mobilfunkstandard 5G treibt zum Kauf von Smartphones an. Microsoft hat sich mit Windows 11 entschieden, nur noch sehr junge Hardware zu unterstützen. Ältere Geräte lassen sich nur auf Umwegen nutzen, obwohl sie von der Leistung her völlig ausreichen. Durch diese künstlichen Beschränkungen werden die Windows-Nutzer gedrängt, neue Computer zu kaufen.

Außerdem war der Markt bereits vor Corona angespannt, weil immer mehr Branchen komplexere Computer verbauen. Ein Beispiel ist die Autoindustrie, in der Halbleiter immer wichtiger für den Umsatz werden:

Umsatz mit Halbleiterprodukten für den Automobilbereich weltweit von 2012 bis 2019 und Prognose für 2020, Quelle: Statista

Andererseits gibt es nur wenige „echte“ Chiphersteller. TSMC ist der mit Abstand größte. Qualcom, Mediathek, AMD und Apple gelten als große Chiphersteller. Tatsächlich entwerfen sie zwar ihre Prozessoren, stellen diese aber nicht selbst her. Sondern lassen von TSMC produzierten, wie viele andere große Unternehmen auch. TSMC wächst daher seit längerem um rund 22% pro Jahr. Andererseits erzeugt das eine große Abhängigkeit.

Es gibt also eine Reihe an Gründen, die zusammengefasst zu einer deutlich gestiegenen Nachfrage führen – bei gleich bleibendem und durch die Pandemie teils sogar reduziertem Angebot. Der Pi ist davon ebenfalls betroffen, aber nicht alleine.

Wird sich die Lage wieder verbessern/normalisieren? Wenn ja wann?

Der Raspberry Pi Gründer Eben Upton hat sich bereits am 20. Oktober 2021 geäußert: Sie können 2021 nur etwa sieben Milliarden Pis produzieren. Das ist fast die gleiche Menge wie im Vorjahr 2020, aber die Nachfrage ist 2021 deutlich gestiegen. Vor allem ältere Pis vor Version 4 seien dadurch knapp.

Außerdem ist der Pi 4 mit 2 GB wieder beim alten Preis. Im Februar 2020 hatte die Raspberry Pi Organisation den Preis des 2 GB Modells auf den der 1 GB Variante gesenkt und die 1 GB Edition eingestellt. Da dies durch die gestiegenen Herstellungskosten nicht mehr finanzierbar ist, musste dies zurückgenommen werden – der Preis steigt damit um etwa 10 US-Dollar. Betont wird jedoch, dass dies nicht dauerhaft so bleiben wird.

Upton rechnet damit, dass die Knappheit weit bis in das Jahr 2022 reichen wird. Ein genaues Datum kann aber natürlich derzeit niemand voraussagen. Sicher ist nur: Die Lieferengpässe halten bereits seit einigen Wochen an und es deutet aktuell wenig darauf hin, dass dies in wenigen Wochen wieder vorbei sein wird.

Wie kann ich trotzdem einen Raspberry Pi bekommen?

Doch es gibt Wege, wie du – ggf. mit etwas Geduld – trotzdem zu einem Raspberry Pi kommen kannst. Ein paar davon möchte ich dir im folgenden Vorstellen, einige davon habe ich selbst erfolgreich genutzt.

Auf Angebote warten

Wie man an der Preisentwicklung sieht, gibt es zeitweise immer wieder Angebote. Das kommt daher, dass die Shops beliefert werden – aber nur mit kleineren Mengen, sodass diese schnell ausverkauft sind. Beispiele: Noch während ich diesen Artikel am 29.11.2021 schrieb, erhielt BerryBase eine Lieferung von knapp 600 Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM. Wer hier schnell war, konnte für 59,90€ einen leistungsstarken Pi bekommen – verglichen mit den derzeitigen Preisen ein gutes Angebot.

Am 30.11.2021 wurde Welectron beliefert. Der Pi 4 mit 4 GB Arbeitsspeicher kostete knapp 64€ inklusive Versandkosten. Etwas teurer als das BerryBase-Angebot, dafür aber auf Lager innerhalb von 1-3 Tagen lieferbar.

Solche Angebote gibt es nicht täglich, immer wieder, wenn man etwas Geduld hat und bei Verfügbarkeit schnell ist. Manche Shops wie z.B. BerryBase bieten eine E-Mail Benachrichtigung bei Verfügbarkeit. Auch praktisch ist MyDealz. Dort kann man sich für bestimmte Schlagworte einen Alarm einrichten. Ich habe dies für den „Raspberry Pi“ getan und ca 20 Minuten nachdem dies dort publiziert wurde eine Mail erhalten. Optional sind auch Push-Benachrichtigungen aufs Handy möglich.

Der Vorteil den ich hier sehe, ist: Ihr werdet nicht nur von einem einzelnen Shop informiert. Sondern von allen Angeboten. Prinzipiell ist das auch mit Preisvergleichsportalen möglich, etwa der „Preiswecker“ von Idealo. Hier kann man seinen Wunschpreis eingeben und wird informiert:

In der Praxis habe ich festgestellt, dass die Preisvergleichsseiten nicht alle Shops gelistet haben. Beispielsweise Welectron: Obwohl der Pi 4 mit 4 GB dort den zweiten Tag in Folge für unter 64€ lieferbar ist, zeigt Idealo dieses Angebot nicht an. Stattdessen wird ELV mit knapp 80€ gelistet, mit einer voraussichtlichen Lieferzeit von 5 Wochen. Genau so sieht es bei Geizhals aus.

Nach Bundles schauen

Es gibt immer wieder Pakete, die einen Raspberry Pi zusammen mit gewissem Zubehör anbieten – oft ist dies ein Netzteil und Gehäuse sowie eine Speicherkarte. Teils auch andere Komponenten. Auch die Bundles sind teurer geworden. Möglicherweise sind sie aber noch lieferbar, während die „nackten“ Pis ohne Zubehör ausverkauft sind. Dies war z.B. zeitweise bei Amazon zu beobachten.

Hier empfehle ich, besonders auf die Preise zu achten. Teils sind die Bundles noch überteuerter als die einzelnen Pis, wobei Ausnahmen die Regeln bestätigen. Generell macht das natürlich nur dann wirklich Sinn, wenn ihr das Zubehör auch brauchen könnt.

Im Ausland bestellen und importieren

Dank Internet kann man grundsätzlich auch in ausländischen Onlineshops einkaufen. Im britischen „The PiHut “ ist der Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM derzeit für 54 Pfund erhältlich, Stand 01.12.2021 sind das rund 63€. Sogar das große 8 GB Modell ist für 73,50 Pfund (~rund 86€) lieferbar, der Zero 2 W kostet rund 14 Pfund und damit knapp 16 Euro.

Allerdings darf man hier nicht vergessen, dass bei Lieferungen aus dem EU-Ausland Zoll gezahlt werden muss! Dazu zählt Großbritannien mittlerweile auch. Ich habe dort im Oktober für insgesamt gut 92 Pfund (~ 109€) einen Pi 4 mit 8 GB und etwas Zubehör bestellt. Dazu kamen insgesamt 24,32€ Zoll, bestehend aus 6€ Auslagenpauschale und 18,32€ für den Zoll. Achtung: Die ehemalige Freigrenze von 150 Euro gibt es seit ersten Juli nicht mehr!

Rechnet man das Zubehör heraus, habe ich den Pi 4 mit 8 GB also für deutlich unter 100€ mit Versand + Zoll gekauft – bei einer Lieferzeit von etwa einer Woche. Mittlerweile ist er auch in Deutschland wieder ab 100€ mit VSK lieferbar. Bevor ihr im Ausland bestellt, solltet ihr anhand der aktuellen Konditionen genau vergleichen, ob es sich lohnt – vor allem wenn Zoll im EU-Ausland wie Großbritannien dazu kommt. Sinken die Preise, ist mein Import-Angebot nicht mehr so gut.

Andere Alternativen wie z.B. Mini-PCs anschauen

Eine andere mögliche Alternative besteht darin, nach anderen Systemen zu schauen – von denen gibt es grundsätzlich sogar mehrere. Wobei direkte Alternativen zum Raspberry Pi mit GPIO-Pins leider ebenfalls teurer geworden sind und teils mehr kosten als der Pi.

Für allem für jene, die den Pi als Server statt für Elektronik-Bastelleien nutzen möchten, sind X86 Mini-PCs interessant. Zwar macht die Knappheit auch dort nicht halt. Aber der Markt ist größer und damit auch die Chance, ein gutes Angebot zu finden. Interessiert ihr euch für X86 Mini-PCs als Alternative zum Raspberry Pi? Schreibt es gerne ins U-Labs Forum oder in die Kommentare, bei Interesse folgt ein Beitrag dazu.

Mögliche Beispiele im günstigeren Bereich wären

Fazit: Die Lage bleibt angespannt

Egal ob „großer“ pi oder Zero (2): Die Modelle sind seit Wochen schwer zu bekommen und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Wer möglichst wenig Geld ausgeben will, dem bleibt nur, auf gute Angebote zu warten. Alternativ kann eine Bestellung im Ausland die fehlende Verfügbarkeit ausgleichen – hier aber unbedingt vorher Vergleichen und ggf. anfallende Einfuhrgebühren berücksichtigen! Wichtig ist auch, immer die aktuellen Konditionen anzuschauen. Dies kann sich schnell ändern, wahrscheinlich sind einige Preise beim Veröffentlichen dieses Beitrages schon nicht mehr aktuell.

Ansonsten gibt es – je nach Anwendungsfall – möglicherweise Alternativen zum Raspberry Pi, wenngleich die Knappheit auch dort nicht Halt macht.

Quellen und weitere Informationen

  • https://www.hartware.de/2021/10/21/raspberry-pi-chip-krise-fuehrt-zu-preiserhoehungen-und-lieferengpaessen/
  • https://www.fenster-tueren-technik.de/deutsche-wirtschaft-erholt-sich-nach-der-corona-krise-02092021
  • https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-ahrweiler_artikel,-die-grosse-wohnungssuche-nach-der-flut-unterkuenfte-fuer-zigtausende-obdachlose-hochwasseropfer-sind-ma-_arid,2305218.html
  • https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/geschirrsplmaschine-lieferzeit-engpass-haushaltsgert-100.html
  • https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.warum-chipmangel-erklaerung.9775d5e8-7d40-4835-9388-9c1ca3d9ea2e.html
  • https://www.chinahandys.net/globale-chip-knappheit-was-steckt-dahinter/
  • https://www.heise.de/news/Smartphone-Markt-5G-soll-die-Pandemie-Delle-ausgleichen-5057149.html
  • https://www.golem.de/news/windows-11-geplante-obsoleszenz-ist-schlecht-microsoft-2109-159574.html
  • https://www.gamestar.de/artikel/windows-11-installation-trotz-cpu-sperre,3374291.html
  • https://www.notebookcheck.com/Verschaerfte-Mikrochip-Knappheit-Neue-PCs-und-Laptops-mit-Windows-11-werden-wahrscheinlich-Mangelware-sein.555244.0.html
  • https://www.tag24.de/technik/viele-computer-betroffen-windows-11-zwingt-kunden-zu-geraete-neukauf-2130658
  • https://www.tsmc.com/english
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/150917/umfrage/prognostizierter-umsatz-der-halbleiterindustrie-im-bereich-automotive/
  • https://www.heise.de/news/Geschaeftszahlen-Chipauftragsfertiger-TSMC-Rekordquartal-ohne-Huawei-5024233.html
  • https://www.raspberrypi.com/news/supply-chain-shortages-and-our-first-ever-price-increase/
  • https://www.raspberrypi.com/news/new-price-raspberry-pi-4-2gb/
  • https://www.zdnet.de/88373651/cpu-knappheit-intel-raeumt-anhaltende-lieferprobleme-ein/
  • https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/6628224_-4-model-b-4gb-raspberry-pi-foundation.html
  • https://geizhals.de/raspberry-pi-4-modell-b-a2081132.html
  • https://thepihut.com/products/raspberry-pi-4-model-b?variant=20064052740158
  • https://thepihut.com/products/raspberry-pi-zero-2?variant=41181426909379
  • https://www.rasppishop.de/Raspberry-Pi-4-Computer-Modell-B-8GB-SDRAM?shop=GH
  • https://wiki.radxa.com/Rockpi4
  • https://shop.maker-store.de/single-board-computer/single-board-computer/rock-pi/rock-pi-4-ab/4928/rock-pi-4-model-b-op1-2gb/16gb-mit-dualband-2-4/5ghz-wlan/bluetooth-5.0-mit-ufl-anschluss
  • https://www.gigabyte.com/de/Mini-PcBarebone

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