StartseiteSicherheitWarum Windows XP fahrlässig und nicht mehr zeitgemäß ist: 5 Gründe für den Wechsel

Warum Windows XP fahrlässig und nicht mehr zeitgemäß ist: 5 Gründe für den Wechsel

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Windows XP ist eines der erfolgreichsten Betriebssysteme von Microsoft – Oder viel mehr wahr: Bereits seit geraumer Zeit hat Microsoft offiziell das Ende verkündet. Doch ein einstelliger Prozentsatz von Nutzern nutzt das System mit der blauen Oberfläche als Markenzeichen nach wie vor. Dies ist leider aus verschiedenen Gründen keine gute Wahl. Im Folgenden Artikel werden alle wichtigen Gründe genannt und erläutert, weswegen die Verwendung von Windows XP im Jahre 2016 definitiv nicht mehr zu empfehlen ist. Auch möchten wir mit ein paar Irrtümern aufräumen.

#1 Keine (Sicherheits-)Aktualisierungen mehr

Bereits seit April 2014 wird Windows XP von Microsoft offiziell nicht mehr unterstützt. Die Nutzer erhalten keine Aktualisierungen mehr, welche beispielsweise Fehler korrigieren. Am brisantesten sind die fehlenden Sicherheitsaktualisierungen: Ein Betriebssystem ist kein Kühlschrank, der nach dem Kauf die nächsten Jahre oder sogar Jahrzehnte keine Wartung mehr benötigt. Vor allem im Bereich Sicherheit gibt es keinen Fertigen Zustand. Viel mehr ist die Absicherung ein laufender Prozess, der ständig kontrolliert und angepasst werden muss. Die Bedrohungslage kann sich im Internet bereits nach wenigen Monaten deutlich verändern.

Beispiel Crypto-Trojaner: Die große Welle startete erst Anfang 2016 in wenigen Wochen, davor handelte es sich eher um eine Nische. Betriebssysteme sind sehr komplex. Beispielsweise besteht XP aus satten 40 Millionen Zeilen Programmcode. Im Schnitt schleicht sich auf 1000 Zeilen rund ein Fehler ein. Manche davon sind sicherheitskritisch, sie können den Computer und/oder die Daten des Nutzers gefährden. Da der Quellcode von Windows nicht öffentlich ist, kann nur der Hersteller diese Fehler beheben. Doch wie oben schon erwähnt, aktualisiert Microsoft das System seit April 2014 nicht mehr. Früher oder später werden entdeckte Sicherheitslücken öffentlich. Als XP-Nutzer ist man der Angriffswelle schutzlos ausgeliefert.

Irrtum: Ein Virenschutz ersetzt die Updates

Grundsätzlich stimmt es natürlich, dass ein Virenschutz eine zusätzliche Schutzschicht bietet. Doch in diesem Falle geht es um Sicherheitslücken im Betriebssystem. Der Virenscanner läuft auf diesem Betriebssystem, steht also hierarchisch eine Stufe unter ihm. Manche Sicherheitsprobleme kann er kompensieren, viele aber auch nicht. Es ist daher ein Trugschluss zu glauben, durch den Einsatz solcher Sicherheitssoftware könnte man Windows XP auch nach Ende des Lebenszyklus gefahrlos nutzen.

#2 Das Sicherheitskonzept von XP ist stark veraltet

Windows XP kam 2001 auf den Markt. Damals war das Internet noch nicht alltäglich, viele nutzten Modemverbindungen per Minutenabrechnung. Der PC war aus Kostengründen nicht ständig online, sondern nur kurzzeitig wenn es nötig war. Schadsoftware befand sich noch in den Kinderschuhen. Dementsprechend ist das gesamte Sicherheitskonzept auf die damalige Situation ausgerichtet. Heutzutage hat sich vieles verändert: Das Internet ist zum zentralen Bestandteil geworden, ohne das praktisch nichts mehr geht. Viren, Trojaner und Konsorten haben sich über etliche Jahre weiterentwickelt, und sind sowohl effektiver als auch verbreiteter geworden.

Ein Beispiel ist die Rechteverwaltung: Unter XP-Zeiten war es nicht unüblich, mit einem Administratorkonto unterwegs zu sein. Mit der starken Verbreitung von Schadsoftware ist dies ein großes Risiko – schließlich hat diese dann die gleichen Rechte wie der Nutzer. Und ein Administrator kann alles, ohne Nachfrage. Bereits mit dem Nachfolger Vista wurde dies verbessert – Der Anwender erhält ein Konto mit weniger Rechten. Benötigen Programme weitreichenderen Zugriff, muss dies ausdrücklich über eine Warnmeldung bestätigt werden. Moderne Systeme wie Windows 7, 8.1 oder 10 haben deutlich mehr zur Absicherung unternommen.

#3 Zunehmend weniger Software unterstützt Windows XP

Auch andere Softwarekonzerne stellen den Support ihrer Programme für XP ein. Manche haben dies bereits vor dem offiziellen Ende im April 2014 getan. Andere boten noch eine zusätzliche Gnadenfrist für die Nutzer an. So hat Google erst 2 Jahre später im April 2016 verkündet, dass der hauseigene Browser Chrome nicht mehr mit XP kompatibel ist. Am extremsten macht sich dies bei DirectX, einer von Microsoft entwickelten Multimedia-Schnittstelle sichtbar: Der Konzern nutzt diese, um Windows 10 zu pushen. Die aktuellste Version 12 (Juni 2015) unterstützt ausschließlich Windows 10. Selbst wer die noch unterstützten Vorgängerversionen 7 oder 8.0/8.1 einsetzt, kann DirectX 12 nicht nutzen.

Vor allem für Spiele ist dies ein großes Problem: DirectX wird dort häufig für komplexe Grafiken eingesetzt. Viele moderne Spiele unterstützen daher meist nur die zwei neusten Versionen, momentan DirectX 11 (ab Windows Vista) und 12. Hier läuft mit XP also gar nichts mehr. Ist Microsoft an der Entwicklung neuer Games beteiligt, laufen diese sogar ausschließlich unter DirectX 12 und damit Windows 10. Beispiele hierfür sind Forza 6 Apex oder Gears of War. Langfristig werden aber natürlich auch andere Entwickler sich dem anschließen – Spätestens wenn die älteren Windows-Versionen nicht mehr unterstützt werden. Bei Windows Vista endet der erweiterte Support bereits im April 2017. Den Nachfolger Windows 7 wird es wenig später im Januar 2020 an den Kragen gehen.

#4 Relativ langsam und instabil

Vergleicht man XP mit dessen Nachfolgern, ist das System oft spürbar langsamer. Sowohl beim Start des Computers, als auch wenn Programme geöffnet werden. Hier hat sich auf Softwareebene einiges getan. Gleiches gilt hinsichtlich der Stabilität: Waren Abstürze mit Bluescreens unter XP noch mehr oder weniger alltäglich, muss man sich selbst bei Windows 7 dafür anstrengen. Die Nachfolger 8 und 10 haben sich noch einen Tick verbessert, von kaputten Updates abgesehen. Meistens sind unter XP fehlerhafte Treiber für die Abstürze verantwortlich. Darüber hinaus können neuere Windows-Versionen besser mit moderner Hardware umgehen, beispielsweise Mehrkern-Prozessoren. Diese waren zu XP-Zeiten noch in den Kinderschuhen und daher kaum verbreitet.

#5 Neue Funktionen und bessere Bedienungen

Seit XP sind etliche Jahre vergangen und derzeit insgesamt 4 nachfolgende Windows-Versionen hinzugekommen. Hier haben sich natürlich von Updates und Sicherheit abgesehen auch andere Dinge geändert, die für den Nutzer einen Mehrwert bieten: Seit Vista kann man beispielsweise erweiterte Datensicherungen oder sogar komplette Sytemabbilder anlegen, um Windows bei Problemen wiederherstellen zu können. Wer beispielsweise privat und beruflich am gleichen Computer arbeitet, kann dies in Windows 10 mit virtuellen Desktops besser voneinander trennen – ohne sich mit einem anderen Benutzerkonto anmelden zu müssen.

In der zehnten Windows-Version kam darüber hinaus die Sprach-Assistentin Cortana mit dazu. Darüber hinaus wurde die Benutzbarkeit an einigen Stellen verbessert. Es sind nicht unbedingt revolutionäre Änderungen: Etwa lassen sich zwei Fenster jeweils in eine Seite des Bildschirmes ziehen, wodurch sich diese automatisch auf die Hälfte des Bildschirmes verkleinern. Dies vereinfacht beispielsweise das Kopieren von Daten in einen anderen Ordner, wenn man lediglich einen Monitor zur Verfügung hat. Ein weiteres Beispiel ist der Taskmanager, der wesentlich übersichtlicher gestaltet wurde und teils neue Funktionen spendiert bekommen hat. Dennoch machen sich solche Änderungen im Alltag positiv bemerkbar.

Gründe gegen den Wechsel

Die Medaille hat immer zwei Seiten – dieses Motto gilt bei praktisch allen Neuerungen, auch bei Windows ist dies nicht anders. Im folgenden gehen wir auf die häufigsten Gründe ein, die gegen einen Wechsel von XP sprechen. Und erklären, welche Alternativen wechselwillige in diesem Falle haben.

Der Computer ist alt, reicht er für moderne Windows-Versionen?

Neuere Computer werden schon seit Jahren mehrheitlich nicht mehr mit XP, sondern dessen Nachfolgern verkauft. Viele XP-Computer sind daher ähnlich alt wie das Betriebssystem selbst, und leistungstechnisch daher für heutige Ansprüche eher langsam. Auch der Speicher ist meist gering, da sowohl RAM als auch Festplatten damals noch relativ teuer waren. Für die Nachfolger empfiehlt sich ein Prozessor mit mindestens 1 GHz, 1 GB Arbeitsspeicher und 20 GB Festplattenkapazität. Die meisten Geräte dürften diese Anforderungen noch ohne größere Probleme erfüllen, zumal sich viele Komponenten günstig aufrüsten lassen.

Probleme wird es nur mit sehr alten Geräten geben, die bereits für XP schon relativ schwach waren. Wer auf Windows angewiesen ist, wird hier wirtschaftlich um einen Neukauf nicht herum kommen. Allerdings lohnt es sich zu hinterfragen, ob es wirklich Windows sein muss. Wer nicht gerade Spezialprogramme wie Photoshop benötigt, kann problemlos zu Linux wechseln. Einzige Voraussetzung: Für alle wichtigen Geräte (Drucker, Scanner usw) existieren Linux-Treiber. Dies ist leider die größte Hürde beim Umstieg.

Legen fehlende Treiber keine Steine in den Weg, kann man mit Linux auch noch extrem alte Computer weiterhin nutzen: Distributionen wie 4MLinux oder antiX sind speziell für alte Geräte ausgelegt und daher sehr genügsam. AntiX reichen beispielsweise bereits 64 MB Arbeitsspeicher – zum Vergleich: Für Windows 7 und 10 werden mindestens 1024 MB empfohlen. Abstriche muss man hier höchstens bei der Oberfläche hinnehmen, die nicht so ansprechend aussieht wie bei Windows oder einem klassischen Linux. Dafür ist Linux kostenfrei und man erhält Aktualisierungen, sodass der PC sicher betrieben werden kann.

Alte Software funktioniert auf modernen Windows-Versionen nicht

Wer noch ältere Programme nutzt, wird diese möglicherweise bereits erfolglos auf neuen Windows-Versionen getestet haben. Vor allem Spiele sind im privaten Umfeld ein Problem. Da diese vom Hersteller aufgrund des Alters keine Aktualisierungen mehr erhalten, wird sich daran auch nicht viel ändern. Doch es gibt Abhilfe: Meist reichen die Kompabilitätseinstellungen bereits aus. In den Eigenschaften kann man dazu die gewünschte Windows-Version auswählen, die dem Programm vorgegaukelt wird.

Sollte das nicht helfen, installiert man sich einfach einen virtuellen XP-Computer in seinem modernen Windows 7/8/10. Mit dem kostenfreien Programm VirtualBox beispielsweise lässt sich das alte XP in einer abgeschotteten Umgebung betreiben. In diesem Artikel zeigen wir anhand einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie das funktioniert. Ohne Internetverbindung können alte Programme damit gefahrlos betrieben werden.

Windows 10 ist datenschutzfeindlich

Diese Aussage trifft leider indiskutabel zu: Microsoft sammelt extrem viele Daten über den Nutzer, und behält sich umfangreiche Rechte, so ziemlich alles damit anstellen zu dürfen. Außerdem ist der Konzern in dieser Hinsicht nicht besonders transparent. Was genau übertragen wird, ist unklar. Auch kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass weitere Hintertüren im System existieren: Windows ist keine quelloffene Software, bei der jeder das einfach nachprüfen kann. Und vor allem US-Geheimdienste haben schon mehrfach bewiesen, dass sie nicht davor zurückschrecken, Software mit Hintertüren unsicher zu machen.

Durch ein Update hat Microsoft diese Spionage-Funktionen jedoch auch bei den Vorgängern Windows 7 und 8 nachgerüstet. Wer keine all zu sensiblen Daten auf dem PC hat, kann hier nur zu inoffizieller Software wie O&O ShutUp 10 greifen, um dies zu deaktivieren. Eine Garantie ist dies aber nicht – Microsoft könnte mit dem nächsten Update alle Überwachungsfunktionen unbemerkt wieder einschalten.

Wer ernsthaft an Sicherheit und Privatsphäre interessiert ist, für den gibt es daher nur eine Alternative: Windows so weit es geht meiden, und quelloffene Linux-Alternativen nutzen. Der Trend geht bei Microsoft diesbezüglich nämlich leider eher in eine negative Richtung. Sofern es keinen breiten öffentlichen Widerstand gibt, wird sich daran wohl auch nichts ändern.

Bei Windows 10 habe ich keine Kontrolle mehr über die Updates

Auch das ist korrekt. Bedauerlicherweise lassen sich Updates vom Nutzer kaum mehr kontrollieren. Einzig die für Unternehmen gedachten und entsprechend teuren Enterprise-Versionen bieten diese Möglichkeit. Vor allem für wichtige Systeme ist dies ein Problem – Ist Microsoft in jüngster Zeit bereits mehrfach durch fehlerhafte Updates aufgefallen, wodurch der PC beispielsweise beim Starten in einer Endlosschleife landet.

In diesem Falle kann der Nutzer ebenfalls wenig ausrichten als zu hoffen, dass es ihn nicht treffen wird. Die einzige Alternative besteht darin, die noch unterstützten Vorgänger-Versionen zu verwenden, also Windows 7 oder 8. Hier sind die Rollenden Releases wie Microsoft die Updates nennt, noch nicht unkontrollierbar ins System eingebaut wie bei Windows 10. Langfristig wird sich diese Alternative aber spätestens dann verschließen, wenn die Vorgänger ihr Lebensende erreicht haben. Sollte sich Microsofts Politik bis dahin nicht ändern, bleibt wie beim Datenschutz auch nur der Wechsel zu freier Software.

Möchtest du dein altes XP-System migrieren und benötigst Hilfe? Unsere Community unterstützt dich gerne dabei, kostenfrei und unverbindlich! Hier geht es zum Windows-Forum

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