Sichert Ventoy & co: Lektionen aus externem SSD-Ausfall

Sichert Ventoy & co: Lektionen aus externem SSD-Ausfall

Das Dateisystem meiner externen SanDisk SSD ist unerwartet unlesbar. Obwohl sich keine kritischen Daten darauf befanden, hat der Ausfall für Aufwand gesorgt. Der wäre vermeidbar gewesen, wenn man davon eine vollständige Sicherung angelegt hätte – anstatt wegen der Einstufung darauf zu verzichten. Selbst frei verfügbare Daten können ein Verlust sein, wenn diese aufbereitet werden müssen. Die Kategorisierung kann sich zudem im Laufe der Zeit ändern, weil Inhalte wachsen. Der Anfangs gering geschätzte Aufwand ist dadurch ggf. höher.

Externe SanDisk SSDs – war da nicht ein Serienfehler?

In der Tat berichteten ab August 2023 mehrere Medien über häufige Ausfälle von SanDisk und Western Digital.1 Das Thema wurde in den darauffolgenden Wochen mehrmals aufgegriffen: Der Hersteller selbst schien an Aufklärung oder gar Schadensbegrenzung wenig Interesse zu haben. Statt Transparenz zu schaffen, schwieg er. Obwohl sich gegen Ende 2023 zeigte, dass es wohl ernste Probleme mit den Laufwerken gab. Ein auf Datenrettung spezialisiertes Unternehmen berichtet, sie bekommen mindestens eine defekte SanDisk/WD SSD von Kunden. Bei der Analyse wurden mehrere Mängel im Design und in der Konstruktion entdeckt.2

Doch der verantwortliche Hersteller wollte die Mängel weiterhin herunter spielen: Keine Interviews, keine Erklärungen. Stattdessen behauptet er, man könnte das Problem mit einer neuen Firmware lösen. Das Datenrettungsunternehmen bewertet dies abenteuerlich, weil sie die Ursache klar in der Hardware sehen. Die SSDs müssten also zurückgerufen und nachgebessert bzw. ausgetauscht werden. Einen kostspieligen Rückruf scheint WD vermeiden zu wollen. All das klingt nicht gerade vertrauenswürdig, sondern nach billigem abspeisen. Wegen diesem radikalen, kundenfeindlichen Vorgehen kam es bereits damals zu Kritik.

Für das Firmware-Update wurde eine Support-Seite erstellt, die betroffene Modelle listet.3 Glaubt man dem Hersteller, sind nur Extreme Portable & Extreme Pro Portable (jeweils in V2) sowie WD My Passport SSD betroffen. Außerdem lediglich Kapazitäten zwischen 1TB und 4TB. Ich habe eine SanDisk Portable SSD, also ein anderes Modell – zudem in der ersten Version. Außerdem mit nur 480 GB Speicherplatz.

Obwohl die Fehlerbeschreibung dennoch zum damaligen Problem passt, zeigt die auf der SanDisk eingerichtete Überprüfung der Seriennummer ein negatives Ergebnis. GNU/Linux ist als Betriebssystem nicht auswählbar. Warum das an der Stelle überhaupt relevant sein soll, bleibt ein Rätsel. Bestenfalls für eine möglicherweise erforderliche Aktualisierung der Firmware. Betroffen ist die externe SSD, egal unter welchem OS sie eingesetzt wird. Jedenfalls sieht sich SanDisk keiner Verantwortung bewusst: Laut denen benötigen nur aus ihrer Sicht betroffene Modelle ein Firmware-Update. Der Frage zum Austausch wird ausgewichen – das Update sei der schnellste Weg.

Der Denkfehler

Ventoy erstellt zwei Partitionen: Eine sehr kleine für GRUB, der in angepasster Form zum Einsatz kommt. Und eine zweite, die den restlichen Speicherplatz in Anspruch nimmt – sie ist für Konfigurationsdateien sowie ISOs vorgesehen. Ich hielt diese Daten für relativ unwichtig: Betriebssystemabbilder kann man sich bei Bedarf aus dem Web herunterladen. Das mag für ein freies OS wie GNU/Linux gelten. Radikale Konzerne wie MS sehen das anders: Sie bieten lediglich die aktuellste Version zum Download an. Ältere werden stillschweigend gelöscht. Windows 11 24H2 beispielsweise lässt sich offiziell nicht mehr herunterladen. Lediglich das derzeit aktuellste 25H2.

Die Konfigurationsdatei hatte inzwischen ebenfalls einen größeren Umfang angenommen. Dazu eine preseed.cfg für GNU/Linux Systeme auf Debian-Basis. Windows-Systeme für die Videos werden mit einer Autounattend.xml installiert, um sich den völlig zugemüllten manuellen Prozess nicht antun zu müssen. All diese Dateien sind nicht kritisch. Allerdings haben sie mittlerweile beachtlichen Umfang angenommen. Das neu erstellen dauert schnell mehrere Stunden. Auch das zusammen suchen, herunterladen & übertragen der ISOs nimmt etwas Zeit in Anspruch.

Wiederherstellen der wichtigsten Dateien

Während ich die wichtigsten ISOs auf dem NAS archiviert hatte, fehlen die Konfigurationsdateien leider. Um diese nicht mühsam neu erstellen & anpassen zu müssen, versuchte ich es mit photorec. Wie der Name vermuten lässt, wurde die Software ursprünglich zur Rettung von Fotos entwickelt. In der ersten Version von 2002 für Digitalkameras. Sie ist auf kein funktionierendes Dateisystem angewiesen, sondern ließt unabhängig davon die Datenblöcke. Darin sucht es nach bekannten Mustern von Dateien. Dieses Prinzip lässt sich neben Fotos auch auf andere Typen anwenden, sofern entsprechende Muster im Programm hinterlegt sind. Mittlerweile unterstützt es mehr als 180 Formate, sodass es längst nicht nur auf Bilder beschränkt ist.

Der Vorteil ist, dass es auch bei beschädigten Dateisystemen funktioniert, wie es bei meiner SanDisk SSD der Fall ist. Das OS erkennt die Partition als unformatiert. Allerdings fehlen dadurch sämtliche Meta-Informationen, wie der Dateiname. Und es findet gelöschte Dateien, die noch nicht überschrieben worden sind. Somit fand ich einige XML-Dateien unter den Treffern. Mit colordiff war dennoch recht schnell klar, welche am aktuellsten ist.

Damit konnte ich die Ventoy-Konfiguration sowie die MS-XML wiederherstellen. Debians Preseed war nicht aufzufinden. Eine tiefere Suche habe ich allerdings nicht durchgeführt: Sie wurde nur wenig verwendet. Es gab daher kaum Anpassungen zur Beispieldatei, welche ich im dazugehörigen Artikel veröffentlicht hatte. Somit kam es zu nahezu keinem Verlust.

Scheinbar kein Hardware-Defekt

Um einen Ausfall der physischen SSD im Gehäuse scheint es sich nicht zu handeln. Ich habe Ventoy nach der Wiederherstellung neu installiert und mit ein paar einzelnen ISOs getestet. Bisher kam es zu keinen Auffälligkeiten. Die SSD wird normal erkannt, Schreiben ist eben so unproblematisch wie lesen. Eine Reklamation beim Hersteller dürfte unter diesen Umständen schwierig werden. Zumal der sich bereits in der Vergangenheit wenig Kooperativ zeigte.

Ich werde die SSD daher mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen weiter nutzen. SanDisk wird es kein zweites mal. Dafür hat der Hersteller viel zu zögerlich reagiert. Das Mindeste wäre es gewesen, nach solch einem Versagen transparent alle Betroffenen zu entschädigen.

Fazit: Augen auf beim Backup

Mit mehreren Stunden Aufwand konnte ich die wichtigsten Dateien wiederherstellen, nichts relevantes ging verloren. Dennoch ist es ärgerlich: Durch eine komplette Sicherung der SSD wäre diese Aktion vermeidbar gewesen. Für die Zukunft werde ich daher das ISO-Archiv aufteilen: Der nicht alltäglich benötigte Teil bleibt auf dem NAS. Der Rest befindet sich auf Ventoy & wird regelmäßig aufs NAS kopiert. Bei zukünftigen Ausfällen kann ich schlicht den Ordner von dort kopieren.

Generell ist die gelernte Lektion, für Sicherungen nicht nur die offensichtlich wichtigen Dateien zu berücksichtigen, deren Verlust inhaltlich problematisch wäre. Sondern auch solche, welche auf den ersten Blick als unkritisch eingestuft werden. Backups können dennoch lohnenswert sein. Schlicht wegen des Aufwandes. Beachtet werden sollten hier zudem wachsende Systeme. Eine Ventoy-SSD mit 3 ISOs ist eine andere Liga, als mit 30.

Und sich auf Aussagen von Herstellern zu verlassen, ist ebenfalls keine gute Idee. Selbst dann, wenn diese bislang nicht umfangreich durch Bullshit negativ aufgefallen sind.

Quellen

  1. https://www.heise.de/news/Externe-Sandisk-SSDs-fallen-am-laufenden-Band-aus-9247983.html ↩︎
  2. https://www.heise.de/news/Verdacht-Schlechte-Loetstellen-sollen-SSDs-von-Sandisk-und-WD-sterben-lassen-9384139.html ↩︎
  3. https://support-en.sandisk.com/app/firmwareupdate ↩︎

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