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Bild.de: Werbeblocker müssen draußen bleiben

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Viele Bild.de Besucher dürften nicht schlecht gestaunt haben: Seit heute Morgen werden Nutzer von sogenannten Werbeblockern komplett vom Online-Angebot der BILD-Zeitung ausgeschlossen. Statt Klatsch und Tratsch erhalten sie nur den oben zu sehenden Hinweis, dass Bild.de nicht mehr mit aktiviertem AdBlocker besucht werden kann.

Darunter werden dem Besucher zwei Möglichkeiten aufgezeigt, dieses Problem zu lösen: Eine Ausnahmeregel sorgt dafür, dass die Werbung auf dieser Seite zukünftig angezeigt wird. Alternativ kann man aber auch 2,99 Euro pro Monat für das BILDsmart-Abo bezahlen. Damit soll der Nutzer laut BILD bis zu 90 Prozent weniger Werbung erhalten.

Bei Bild selbst spricht man im Zuge dieser Neuerung von einer Testphase. Dementsprechend sollen in den nächsten Wochen weitere Maßnahmen ausprobiert werden. Darunter auch eine „Adblocker-Wall“. Sie soll Nutzern von Werbeblockern an unterschiedlichen Stellen auf das kostenpflichtige Bezahl-Abo der Zeitung hinweisen.

Eine Reaktion der bekannten Werbeblocker ist zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht festzustellen. Traditionell ziehen diese jedoch meist bereits nach kurzer Zeit nach, und trichsen entsprechende Sperren aus.

Radikales Vorgehen gegen Werbeblocker

Werbeblocker werden nicht erst seit gestern als Problem gesehen: Einige Internetseiten weisen mittlerweile auf die Verwendung von Adblockern hin. Im Jahr 2013 haben sich neben Spiegel Online weitere große Medien zu einer Kampanage zusammengetan, die Nutzer zur Abschaltung ihrer Block-Software bewegen soll.

Neu ist allerdings, dass eine derart häufig besuchte Seite wie BILD die Nutzer von Werbeblockern komplett aussperrt. Je nach Zielgruppe nutzen 10 bis 40 Prozent Programme, um Internetwerbung zu blockieren. Abhängig vom Verhalten der Nutzer kann eine Internetseite durch so eine radikale Maßnahme einen empfindlichen Teil ihrer Besucher verlieren.

Konflikt Werbung vs. Werbeblocker

Hintergrund der Aktion ist ein seit Jahren bestehender Konflikt: Viele Nutzer wollen keine Werbung im Internet sehen. Sie setzen daher Werbeblocker, auch Adblocker genannt, ein. Das sind kleine Browser-Erweiterungen, die Werbung erkennen und vor der Anzeige am Bildschirm entfernen. Viele Internet-Angebote finanzieren sich jedoch zu einem erheblichen Teil oder sogar vollständig durch Werbeeinblendungen – Ihre Einnahmen sinken durch die Nutzung von Werbeblockern.

Dabei freuen sich Werbeblocker ungehinderter Beliebtheit: Wie wir bereits im August diesen Jahres berichteten, hat sich die Zahl der Nutzer alleine im Zeitraum von 2013 auf 2014 fast verdoppelt.

Es bleibt spannend

Die BILD-Zeitung ist höchst umstritten – Zu recht, wenn man sich deren Inhalte anschaut, die laut eigenen Aussagen „Erstklassiger Journalismus“ darstellen sollen. Unabhängig davon was man von dem Blatt halten mag: Im Hinblick der Werbeblocker-Thematik dürfte diese Entwicklung spannend zu beobachten sein. Denn die Problematik der steigenden Adblock-Nutzung betrifft viele Plattformen im Internet. Egal ob Spiegel Online, Golem, Die Welt, oder auch U-Labs: All diese Seiten werden zu einem erheblichen Teil oder sogar vollständig durch Werbeeinnahmen finanziert.

Beim derzeitigen Trend dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Rechnung nicht mehr aufgeht. Im Großen und Ganzen gibt es ja nur zwei Alternativen: Entweder wird das fehlende Geld durch anderweitige Einnahmen ausgeglichen – Das können kostenpflichtige Abos aber auch Spenden sein. Auf der anderen Seite können theoretisch die Werbeblocker ausgesperrt werden. Dadurch schalten sicher einige ihren Werbeblocker ab. Die restlichen erzeugen zwar keine Einnahmen, allerdings senken sie die Kosten.

BILD testet derzeit die letztere Methode. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob sie sich bewährt. Oder auch nicht, und als Alternative etwas ganz anderes ausprobiert wird. Denn in einem Punkt hat sie Recht: Hochwertiger Journalismus kostet Geld, und muss auch in digitaler Form vergütet werden – ob die BILD-Zeitung diesem Anspruch gerecht wird, ist wiederum ein anderes Thema.

Aktualisierung vom 21.10.2015: BILD mahnt Filterregeln zur Umgehung der Sperre ab

Wie gestern am späten Nachmittag bekannt wurde, geht die BILD-Zeitung noch einen Schritt weiter: Anleitungen zur Umgehung der Sperre ohne den Werbeblocker zu deaktivieren, werden vom Axel-Springer-Verlag nun mit juristischen Mitteln abgemahnt. Bekannt wurde dies durch einen YouTube-Nutzer. Er veröffentlichte ein Video, in dem er die Umgehung der Sperre mit bestimmten AdBlock Plus Filterregeln erklärte. Der Verlag geht in diesem Falle von 50.000 Euro Gegenstandswert aus. Die im Auftrag der BILD-Zeitung tätige Anwaltskanzlei verlangt neben einer Unterlassungserklärung auch Anwaltskosten in Höhe von knapp 1.800 Euro.

Die Nutzung der dort gezeigten Filterbefehle würden nach Ansicht der Anwälte eine wirksame technische Maßnahme darstellen, und somit gemäß Paragraf 95a des Urheberrechtsgesetzes eine Urheberrechtsverletzung darstellen. Das würde die Verbreitung der Befehle ebenfalls mit einschließen. Rechtlich scheint diese Argumentation durchaus fraglich – So ist besagter Paragraph eigentlich für den Kopierschutz von optischen Medien wie DVDs vorgesehen. It-Rechtsexperten bezweifeln, dass diese Sichtweise vor Gericht bestand hätte.

Auf Nachfrage bestätigte BILD die Abmahnung und erklärte, man wolle gegen „alle“ vorgehen, welche die Anti-Adblocker-Initiative auf derartig unlauteren Wegen umgehen zu versuchen. Außerdem soll es durch die Sperre von AdBlock-Nutzern zu keinem massiven Einbruch der Besucher gekommen sein. Stattdessen wären nur leichte Schwankungen festzustellen, da viele Besucher ihre AdBlocker abschalten würden.

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3 Kommentare

  1. Gibt es keine Möglichkeit die Verwendung eines Werbeblockers zu verschleiern?

    • Nicht wirklich. Technisch funktioniert die Erkennung nämlich so, dass eine „Fake-Werbung“ platziert wird. Anschließend prüft man, ob sie geladen wurde oder nicht. Wenn das nicht der Fall ist, verwendet der Nutzer einen AdBlocker. Vom Prinzip her also gar nicht so dumm.

      Alternativ JavaScript zu deaktivieren funktioniert zwar, hat aber scharfe Nebenwirkungen: Viele Seiten verwenden es, dementsprechend muss man teilweise auf Funktionen verzichten. Einige Seiten werden nicht korrekt dargestellt oder sind überhaupt nicht nutzbar, da grundlegende Funktionen mit JS realisiert sind.

      Aus diesen Gründen gibt es in dem Bereich regelmäßig ein Katz-und-Maus-Spiel: Publisher versuchen die Werbeblocker auszusperren, wogegen die Entwickler der Werbeblocker wiederum danach streben, die Erkennungstechniken auszuhebeln…

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