Ich habe in über 3 Jahren den perfekten Stack gebaut, um über alle Neuigkeiten informiert zu sein. Mit im Kern 27 Jahre alter Technik, quelloffener Software und vor allem: Ohne manipulative Algorithmen/Werbung von kommerziellen Sozialen Netzwerken. Mittlerweile ist daraus nicht nur die beste Informationsquelle geworden, die ich je hatte. Sondern eine umfangreiche Sammlung von Inhalten, welche ich u.a. für meine Beiträge auf U-Labs & YouTube verwende.
Zusätzlich biete ich zukünftig mit U-News eine händische Auswahl der interessantesten & wichtigsten Nachrichten für alle, denen das tägliche Folgen von 240+ RSS Feeds zu aufwändig und/oder zeitintensiv ist.
Das Problem
Anfangs hatte ich unregelmäßig Heise im Browser aufgerufen. Später folgten weitere Seiten aus dem IT-Bereich, wie Golem. Hier zeigte sich das erste Problem: Bereits mit einer Hand voll Webseiten wurde es aufwändig, sie Händisch auf interessante/relevante Inhalte zu prüfen. Dies artete noch extremer aus, als sich politische & gesellschaftliche Interessen mit der Zeit ausweiten. Nicht nur die Zahl der Webseiten erhöhte sich. Heise & Golem vertreten selten großartig unterschiedliche Positionen. Bei politischen Themen kann bereits der Titel mit seinem Framing auf der einen Seite des medialen Spektrums völlig unterschiedlich aussehen, als am anderen. Neben diesem unterschiedlichen Blick auf dasselbe Thema berichten sie zudem über verschiedenes. Es wuchs die Erkenntnis: Mediale Vielfalt ist Voraussetzung für eine umfassende Meinungsbildung.
Die schlechte „Lösung“
Wie folgt man unzähligen verschiedenen Angeboten? Alle von Hand aufzurufen, ist in diesen Dimensionen völlig unmöglich. Soziale Netzwerke versprechen Abhilfe: So ziemlich jedes Medienangebot unterhält dort mindestens ein Konto. Sie veröffentlichen dort entweder Links zu ihren Artikeln. Und/oder speziell angefertigte Inhalte – bekannt sind etwa die Infobilder auf Instagram, welche die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassen. Inzwischen vermehrt Kurzvideos im Hochkant-Format.
Auf den ersten Blick klingt das nach einer guten Lösung, um möglichst viele Medien im Blick zu haben. Wird genauer & kritischer hingeschaut, offenbaren sich mehrere erhebliche Probleme: Die Angebote sind auf mehreren Plattformen verstreut. Große (Leit-) Medien bedienen häufig verschiedene oder gar alle großen kommerziellen Sozialen Netzwerke. Kleinere können diesen Aufwand nicht leisten. Wieder ist der eine bei X, der andere nutzt nur Y.
Die größten Probleme daran
Am meisten stört mich jedoch, dass es sich überwiegend um kommerzielle Soziale Netzwerke handelt. Algorithmen entscheiden, welche Inhalte (un)sichtbar sind. Das gibt diesen Konzernen eine gewaltige Macht: Sie entscheiden, welche Informationen ein erheblicher Teil der Menschen erhält. 2024 lagen Soziale Medien mit 34% bei der Reichweite vorne. 15% der befragten erhalten Nachrichten sogar hauptsächlich von dort. Bei den 18 bis 24-Jährigen informieren sich 16% ausschließlich dort.1
Welche Folgen das hat, sahen wir etwa, als Facebook Linux sperrte. Für diesen Beitrag habe ich weitere Beispiele herausgesucht, die teils weniger offensichtlich sind. TikTok schränkt Inhalte wie beispielsweise LGBT künstlich ein, die nicht in das Chinesische Weltbild passen. Was wir dort sehen, ist aus politischen & finanziellen Interessen gefiltert. Und es manipuliert uns. Viral gehen polarisierende Inhalte, weil sie mehr Bildschirmzeit & damit Einnahmen erzeugen. Die Extremsten siehst du. Differenzierung, Fakten, Tiefe – all das spielt bestenfalls keine Rolle, im schlimmsten Falle wird es sogar abgestraft.
Dieser Sumpf ist noch weitaus tiefer, weil solche Konzerne skrupellos Umsatz & Gewinn steigern. Alles andere ist ihnen egal. Privatsphäre & Datenschutz sucht man dort daher ebenfalls vergeblich. Sicherheitstechnisch sieht es oft nicht viel besser aus – wir erinnern uns an die unendliche Welle von Datenlecks alleine bei Facebook/Meta.2 Insbesondere bei Nachrichten möchte ich kein Spielball des Überwachungskapitalismus sein.
Die Lösung wurde 1999 erfunden
Dabei existiert etwas weitaus besseres, das weit vor dem ersten kommerziellen Sozialen Netzwerk erfunden wurde: RSS. Es steht für RDF Site Summary oder Really Simple Syndication. Zweiteres ist selbst erklärend, wenn die Bedeutung des Wortes „Syndizierung“ bekannt ist. Es steht für einen Prozess, der Inhalte über einen Vermittlungsdienst anderen zur Verfügung stellt. Das Ziel ist die Verbreitung. RSS stellt aktualisierte & neue Inhalte von Webseiten in einem standartisierten Format bereit. Und löst damit ein Problem, welches die kommerziellen Sozialen Netzwerke erst zig Jahre später geschafft haben: Silos.
Veröffentlicht Heise einen neuen Artikel, wird dieser im RSS-Feed eingetragen. Dort stehen Titel, Veröffentlichungsdatum, eine Beschreibung sowie der Link. Da das Format einheitlich ist, kann man mit einem RSS-Client verschiedene RSS-Feeds abonnieren: Heise, Golem, U-Labs und zig weitere Medien. Bei mir sind es derzeit 243. Das Programm fragt in regelmäßigen Abständen die hinterlegten RSS-Feeds ab, ob diese neue Inhalte veröffentlicht haben. Wenn ja, stellt es diese gebündelt dar.
Was macht RSS besser?
- Keine Manipulation durch Algorithmen & co: RSS-Feeds listen ihre Inhalte chronologisch
- Der Nutzer hat die volle Kontrolle, viele Seiten bieten gruppierte RSS-Feeds an (z.B. für Themengebiete)
- Es funktioniert dezentral
- Bündelt verschiedene Quellen an einer Stelle
- Du entscheidest über die Darstellung, nicht eine proprietäre Plattform
- Effizienter zu lesen als Webseiten direkt aufzurufen oder verschiedene Formate in kommerziellen Sozialen Netzwerken
- Kein Bullshit (Werbung, Tracking usw)
- Keine künstlichen Grenzen, sondern bewusst für das gesamte Web ausgelegt
- Kann komplett selbst betrieben werden, oder alternativ bei gehosteten Anbietern
- Die Nutzung ist nicht nur auf Nachrichten beschränkt: Andere Webseiten wie z.B. Foren bieten RSS-Feeds, auch Torrents lassen sich darüber abonnieren
- Da es sich um offene Standards handelt, sind Anpassungen/Integrationen möglich: Beispielsweise wandelt ein Dienst Newsletter-Mails in RSS-Feeds um
Wie nutzt man RSS-Feeds?
RSS-Feeds zu abonnieren, ist nicht kompliziert. Man benötigt nur einen Client, der sie unterstützt. Hierfür existieren dedizierte Programme, welche sich darauf spezialisiert haben. Sie bieten den umfangreichsten Funktionsumfang. Andere Programme unterstützen RSS zusätzlich, etwa Thunderbird. Sogar im proprietären Outlook lassen sich RSS-Feeds abonnieren. Für die rudimentäre Nutzung kann das ausreichen.
Ich habe mich bewusst für einen eigenständigen RSS-Client entschieden. Allerdings gegen eine Desktop-Lösung: Web-Clients bieten den Vorteil der Plattformunabhängigkeit. Sie lassen sich in jedem Webbrowser öffnen, oft existieren zusätzliche mobile Apps.
Mein Setup
2022 habe ich verschiedene Clients zunächst rudimentär ausprobiert und dabei gute Lösungen gefunden. Seit 2023 wird es produktiv eingesetzt, das heißt: Regelmäßiges Abfragen vieler RSS-Feeds (derzeit über 240) sowie Nutzung des Clients im Alltag. Über mehrere Jahre entstand das perfekte Setup, welches meine umfangreicheren Anforderungen abdeckt. Es wird seit dem alltäglich eingesetzt, wo es sich bewährt hat.
Nextcloud News
Wie sich herausstellte, ist eine komplett eigenständige Anwendung gar nicht nötig: Mit der News-Erweiterung wird Nextcloud zum vollwertigen RSS-Client.3 Das bot sich an, da ich bereits damals seit vielen Jahren Nextcloud einsetzte. Außerdem steht es jedem NC-Benutzer zur Verfügung. Darin integriert sich die Erweiterung und fügt den Reiter „News“ hinzu. Die RSS-Feeds lassen sich beim Hinzufügen in Kategorien sortieren, welche als Ordner links am Rand sichtbar sind. Ich nutze das kaum, sondern fast immer die gebündelte „Ungelesene Artikel“ Ansicht. Wichtige/Interessante Einträge lassen sich mit Stern markieren, darauf kann ebenfalls gefiltert werden. Bei mir sind sie leer, weil ich diese automatisiert in ein anderes System übertrage (s.u.).
Die Erweiterung registriert sich im globalen Cronjob von Nextcloud. Er wird auf meinem Server alle 20 Minuten aufgerufen. Somit erhalte ich Nachrichten mit maximal 20 Min an Verzögerung. Das ist völlig ausreichend. Durch die Integration ist auch hier nichts zusätzliches erforderlich. Anfangs habe ich lediglich die Frequenz erhöht.
News auf Smartphones
Für Mobilgeräte existieren Apps. Als ich beruflich noch ein iPhone nutzen musste, habe ich die dortige App getestet. Beim Laden war es langsam, abgesehen davon brauchbar. Mittlerweile verwende ich News ausschließlich auf Android, dort läuft es am besten. Durch die Titel vom RSS-Feed zu scrollen, ist eine der wenigen Anwendungen, die auf dem Smartphone besser funktionieren, als auf vollwertigen PCs. Dazu ist es äußerst praktisch, ihn jederzeit aufrufen zu können: Auf dem Sofa, während Bahnfahrten, in Pausen, bei Wartezeiten usw. Ich lese meinen RSS-Feed nahezu ausschließlich auf dem Handy.
Ein paar Einstellungen wie die kompaktere Ansicht habe ich gegenüber dem Standard verändert. So passen 9 Artikel gleichzeitig auf den kleinen Bildschirm. Beim Scrollen ist die geringe Größe angenehm, was mich bei anderen Szenarien stört. Das Tippen auf einen Eintrag zeigt mehr Informationen an. Vollständiger Titel, Veröffentlichungsdatum und Quellseite sind immer sichtbar. Über den Rest entscheidet die Seite: Manche zeigen Bilder an. Bei denen einen erscheint eine kurze Zusammenfassung. Andere senden mehr Text. Bei manchen wie dem CCC steht hier sogar der komplette Inhalt, sodass der Artikel gelesen werden kann, ohne den News-Client zu verlassen.
Erwähnenswert ist, dass die mobilen Apps alle Einträge in einem festgelegten Intervall synchronisieren. Dies erfolgt über die Nextcloud: NC lädt sie von den Quellseiten in die Datenbank, von dort holt sie sich NC News periodisch. Im Gegensatz zur Web-Version ist sie damit offlinefähig. Wenn ich mit der Bahn unterwegs bin und mal wieder durch ein schlecht oder gar nicht ausgebautes Gebiet fahre, lässt sich lediglich der vollständige Artikel nicht im Browser abrufen. Allerdings sind die ungelesenen Artikel im RSS-Feed bereits synchronisiert, sie lassen sich ohne Internetverbindung weiter durchstöbern. Beim scrollen markiert die App Artikel automatisch als gelesen, wenn sie den oberen Sichtbereich verlassen.
Ab in Readeck
Dabei finden sich täglich einige Artikel, die interessant/relevant sind. Anfangs wurden interessante/relevante Artikel mit der Stern-Funktion als Lesezeichen markiert. Ansonsten wird es schon nach kurzer Zeit schwierig, sie wieder zu finden. Die Markierungen stoßen jedoch an neue Grenzen: Es gibt kaum weitere Unterteilung. Im Web lassen sich die Artikel mittlerweile immerhin nach Seite gruppieren – eine relativ neue Funktion. In der App bekommt man sie lediglich chronologisch nach Zeitpunkt des Abspeicherns angezeigt. Dabei greift die globale Einstellung zur Sortierreihenfolge (Älteste oder Neueste oben).
Bei mehreren tausend Einträgen pro Tag im RSS-Feed sammeln sich schnell hunderte gesternte Artikel, in denen man nur mit viel händischem Aufwand etwas findet. Ich suchte daher nach einer Lösung, sie möglichst umfangreich durchsuchbar zu archivieren. Dabei konnte Readeck am meisten überzeugen: Die ebenfalls quelloffene Software bietet umfangreiche Möglichkeiten wie Schlagworte, Sammlungen, Favoriten, Archivierung, Filterung nach Inhaltsart & mehr. Es lassen sich sogar Passagen im Artikel markieren, ab V0.22 mit Anmerkungen. Außerdem versucht sie, die Inhalte herunterzuladen – was meistens gelingt. Somit bin ich unabhängig von Änderungen oder gar kompletten Löschungen.
Eine Integration für externe Systeme fehlt. Readeck ist darauf ausgelegt, die zu archivierenden Links entweder händisch einzutragen. Oder beim Lesen im Browser per Erweiterung zu übermitteln. Letzteres erspart bereits das ermüdende kopieren & klicken, war für mich dennoch unzureichend.
Ich habe daher eine eigene Brücke entwickelt: Per Skript werden die mit Stern markierten Artikel aus der NC News Datenbank ausgelesen & mit verschiedenen Schlagworten versehen. Darunter etwa ein automatisch generiertes für Monat-Jahr, weil nicht jede Seite das Datum (maschinenlesbar) ausliefert. Zusätzlich thematische als erste grobe Gruppierung. URLs & Schlagworte übermittelt es per API an Readeck. Dies triggert dort wiederum das lokale Archivieren der Artikel.
Zahlen & Fakten
Wie bereits erwähnt, habe ich seit Einrichtung von Nextcloud News über 2,6 Millionen Einträge erhalten. Sogar etwas mehr, weil im Dezember zum ersten Mal bei mir eine SSD ausgefallen ist. Durch das Einspielen des Backups ist das Delta bis dorthin verloren gegangen. Standardmäßig löscht News die älteren Einträge regelmäßig, sofern sie nicht mit einem Stern gespeichert wurden. Das ist sinnvoll. Tageszeitungen haben schließlich auch kaum noch Relevanz – abgesehen von einzelnen Berichten, die subjektiv oder objektiv wichtig sein können.
Anfangs habe ich beim RSS-Feed eben so verfahren, nach einer Weile jedoch die Löschung komplett deaktiviert. Möglicherweise lassen sich aus der Auswertung dieser Daten später interessante Schlüsse ziehen. Im mindesten die Zahl der Einträge sowie ihre Entwicklung, damit ich grob weiß, in welchen Dimensionen wir uns bewegen. Weil die Tabellen und SQL-Abfragen dafür nicht ausgelegt sind, musste ich die Datenbank optimieren. Insbesondere die mobile App wurde sonst quälend langsam. Teils brach das Laden durch Timeouts ab.
Welche Feeds habe ich abonniert?
Der Großteil davon sind Nachrichten aus derzeit 243 Seiten, die ich abonniert habe. Hier handelt es sich um sehr viele unterschiedliche Quellen, die sich grob in folgende Kategorien gruppieren lassen:
- IT Nachrichtenseiten Deutsch – hier sind alle großen enthalten: Heise, Golem, Computerbase, Linux-Community, Netzpolitik, t3n, Winfuture, NTV, Volksverpetzer, Surplusmagazin, …
- Nachrichtenseiten aus Deutschland – das Gleiche für primär gesellschaftliche/politische Themengebiete: Spiegel, DW, Welt, …
- Weitere Nachrichtenseiten des deutschsprachigen Raums – durch Watson, derStandard & co. erfahre ich, was bei unseren Nachbarn passiert. Immer wieder berichten diese auch über Themen aus Deutschland. Manchmal sogar vor den deutschen Medien.
- Deutsche Blogs – von großen wie Borncity über Kuketz bis hin zu kleineren Nischen
- Lokale Nachrichtenseiten aus der näheren Umgebung sowie dem Bundesland Baden-Württemberg, etwa vom SWR
- Sonstige deutsche Seiten – ein großes Spektrum, welches sich nicht in 1-2 Sätzen zusammenfassen lässt. Dazu zählen u.a. etwa Digitalcourage, Patrick Breyer, CCC, Stiftung Warentest und weitere.
- Software-Aktualisierungen – Projekte wie Node.js sind vorbildlich und veröffentlichen Updates in ihrem RSS-Feed. Für Docker nutze ich Dockerfeed. Wenn es nichts besseres gibt, prüft Changedetection.io die Webseite auf Änderungen, welche sich ebenfalls per RSS abonnieren lassen.
- Englische IT-Seiten – die wichtigsten wie Techrepublik, Raspberry Pi, The Verge, Zdnet, Distrowatch & co. sollten mich auf dem aktuellsten Stand halten. Häufig berichten sie zuerst, bevor deutsche Medien folgen.
- Allgemeine Nachrichtenseiten aus dem Englischen Raum – ähnliches hier, dort habe ich u.a. The Intercept und den Guardian abonniert. Allerdings weniger umfangreich. Bei diesen Themen setze ich aus Ressourcengründen primär auf deutschsprachige Quellen.
Peinliche bis lustige Fundstücke
Durch die Funktionsweise von RSS offenbart es Dinge, die beim händischen Besuch meist verborgen bleiben würden. Nachdem sie sich häuften, habe ich Bildschirmfotos gemacht. Im Folgenden ein Auszug daraus. Ganz vorne sind Tests. Selbst mehrere große, vermeintlich professionelle Unternehmen veröffentlichen mal eben locker ihre Testmeldungen. Einige konnte ich aufrufen. Bei anderen deuten HTTP-Statuscodes wie 410 Gone darauf hin, dass es offensichtlich keinen Zugriffsschutz gab.
Ganz vorne steht T-Online. Dort wurden mehrfach offensichtliche Test-Artikel erstellt. Während sich andere wenigstens ein klein wenig Mühe gaben, einen Titel festlegten, Lorem ipsum Texte kopierten, haut man dort nur wahllos in die Tastatur.
Häufig kommt es auch zu Tippfehlern, falscher Rechtschreibung oder kaputten Sätzen. Man könnte den Eindruck gewinnen: Artikel werden erste veröffentlicht & anschließend Korrektur gelesen. Dabei entstehen Schlagzeilen, die zumindest zum Schmunzeln anregen. Hier etwa erhält die AfD einen Mann? Der Redakteur hat seinen fehlerhaften Titel immerhin zeitnah bemerkt, weswegen die beiden Versionen übereinander stehen.
Bei manchen Meldungen passen die Fehler fies zum Inhalt, wie zu dieser Warnung vor den ChatGPT-Risiken für Schüler:
Hier erschüttert nicht nur der Sexismus-Skandal in der Bundeswehr. Sondern zunächst die Tatsache, dass der Redakteur offensichtlich den Titel irgendwo her kopiert hat. Und dabei versehentlich einen Kopier-Knopf mit markierte. Vor der Veröffentlichung ist das niemandem aufgefallen.
Abseits von ungewollt kuriosen oder lustigen Titeln wird gelegentlich über Dinge berichtet, die selbst ohne Fehler komisch sind. So klärt das RND die spannende Frage, was zu tun ist, wenn der Chef Kokain konsumiert:
In Lindau hat sich ein sogenannter Reichsbürger als Darth-Vader verkleidet und Passanten erschreckt. Bei einer derart kaum ernst zunehmenden Situation konnte sich der Redakteur den Seitenhieb zu Star Wars nicht verkneifen. Auf Administrator.de wurden gar fragwürdige sexuelle Fragen gestellt. Hat sich jemand verlaufen? Oder ist durch Microsofts skrupellose Gängelungen durchgedreht? Wir wissen es nicht. Der Post wurde von der Plattform verständlicherweise schnell gelöscht. Im RSS-Feed ist „BangBanger“ verewigt worden:
Diese Liste ließe sich noch erweitern. Beispielsweise um einen 18 Jährigen, der den Preis für Bratwurst auf einem Volksfest als zu hoch empfand – und die Polizei sogar mehrfach alarmierte. Bereits darüber berichtet die Presse nicht täglich. Abgerundet wird sie durch die Recherche des Spiegel: Dort ermittelte man, dass die Bratwurst im Brötchen 4€ kostete. Der unter Drogeneinfluss stehende wollte dagegen nur 3,50€ bezahlen…
Nächste Ausbaustufe: U-NEWS
Der obige Aufbau funktioniert seit geraumer Zeit und hat sich bewährt. Ich bin über nahezu alle Neuigkeiten zeitnah informiert, erhalte verschiedene Sichtweisen sowie Quellen/Inspiration für neue Essays. Mein ursprüngliches Ziel ist damit erreicht. Dabei kam eine neue Idee: Mehr meiner gewonnenen Erkenntnisse in einem neuen Format veröffentlichen. Als Beitrag oder gar Video ist das bei dieser Menge völlig utopisch, weil der Aufwand dafür viel zu hoch ist. Dafür muss ich mich weiterhin auf die vielversprechendsten Themen fokussieren.
Stattdessen möchte ich die Beiträge durch ein zusätzliches Format ergänzen: U-News ist ein Nachrichten-Aggregator, den ich mit den Inhalten aus Readeck fülle. Bewusst wird dabei keine „KI“ eingesetzt. Nachrichten sind ein Paradebeispiel dafür, bei denen solche Bullshit-Generatoren komplett Fehl am Platz sind. Stattdessen entscheidet natürliche Intelligenz darüber, welche Dinge auch für euch interessant und/oder wichtig sein könnten.
Es soll zwei Funktionen erfüllen – zum einen eine Lösung für Menschen bieten, die sich von der Informationsflut gelähmt fühlen. Etwa, weil ihnen die Ressourcen dafür fehlen. Darüber hinaus geht es mir um die Sortierung & Bündelung von Informationen als Gesamtblick. Mir wurde erst durch diese umfangreiche Beobachtung bewusst, dass die Probleme von Windows & anderer Microsoft-Software kein versehentlicher Unfall sind. Sondern systematisch & weitaus schlimmer. Auch bei „KI“ haben wir nicht einzelne Halluzinationen, sondern große, umfangreiche Probleme.
Dieses Gesamtbild nimmt man nicht wahr, wenn nur selektiv ein Bruchteil der Meldungen konsumiert werden. Genau ein solcher Blick von Oben ist allerdings wichtig, um ein Thema realistisch auf Faktenbasis einschätzen zu können. Sonst bilden sich Meinungen durch verzerrte Darstellungen der lautesten.
U-News ist als öffentliche Beta unter news.u-labs.de erreichbar.
Fazit: Ein Schritt zurück, der sich wie drei nach vorne anfühlt
Aus zeitlichen Gründen hatte ich die Einführung von RSS aufgeschoben – ein Fehler. Zwar war es ein ordentliches Stück an Arbeit, alles aufzubauen. Doch sehr lehrreich und das Ergebnis ist faszinierend. Obwohl der Überwachungskapitalismus RSS als Maßnahme gegen Silos hasst, wird es von vielen Webseiten auch Jahrzehnte später angeboten. Gegen den ignoranten Rest existieren verschiedene Werkzeuge, etwa rss-bridge.4
Die fast drei Jahrzehnte alte Technik bietet das Beste Nutzererlebnis: Frei, unabhängig, fokussiert, gebündelt, ohne Bullshit. Zu Unrecht ist RSS heute weitaus unbekannter, als zu seiner Hochzeit in den späten 2000er Jahren. Ich bin froh, nicht auf die im Vergleich dazu deutlich schlechteren kommerziellen Sozialen Netzwerke angewiesen zu sein. Aus heutiger Sicht würde ich es damit nicht einmal mehr versuchen, sondern direkt auf RSS setzen.
Neue Technologie ist nicht zwingend besser. Immer öfter wird sie Opfer des Plattformverfalls & damit schlechter gemacht: Bewusste Zerstörung zur Profitsteigerung. Ich habe in Readeck eine eigene Kategorie dafür. Facebook & Twitter etwa haben früher ebenfalls RSS unterstützt. Jedoch entfernt, weil kommerzielle Soziale Netzwerke bewusst Silos sind. Du sollst deren Webseiten oder noch besser Apps benutzen. Das liefert mehr Daten & du konsumierst Werbung = weiter steigende Gewinne. Willst du Milliardäre noch reicher machen, während die Informationsqualität leidet? Du entscheidest, beide Werkzeuge sind vorhanden.
Quellen
- https://leibniz-hbi.de/hbi-publications/reuters-institute-digital-news-report-2024-ergebnisse-fuer-deutschland/ ↩︎
- https://netzpolitik.org/2021/facebook-datenleck-wir-haben-die-bundestags-abgeordneten-angerufen-deren-handynummern-jetzt-oeffentlich-sind/ ↩︎
- https://apps.nextcloud.com/apps/news ↩︎
- https://github.com/RSS-Bridge/rss-bridge ↩︎

















