StartseiteNewsPrivatsphäre in sozialen Netzwerken: Bitte keine Kinderbilder auf Facebook & co.
Die Polizei in NRW mahnt Eltern zu mehr Datenschutz (Quelle: Facebook)
Die Polizei in NRW mahnt Eltern zu mehr Datenschutz (Quelle: Facebook)

Privatsphäre in sozialen Netzwerken: Bitte keine Kinderbilder auf Facebook & co.

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Die am letzten Freitag beschlossene Vorratsdatenspeicherung ist eine massive Gefahr für Privatsphäre und Datenschutz der deutschen Bürger. Doch sie stellt nicht die einzige Gefahr dar: Insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder auch Twitter haben unsere Hemmschwelle private Informationen zu teilen deutlich gesenkt. Das fängt bei der Veröffentlichung einzelner Details wie der Beziehungsstatus oder Arbeitgeber an. Aber auch auf Ausflüge, Feste und anderen Ereignissen fotografieren, posten und markieren wir fleißig.

Immer häufiger betrifft dies auch Kinder oder sogar Babys: Die damals mit Facebook aufgewachsenen Jugendlichen sind mittlerweile schon selbst Eltern. Sie sind es gewohnt, tolle Ereignisse festzuhalten und in sozialen Netzwerken zu teilen. So entsteht bei manchen ein regelrechter digitaler Lebenslauf der Kinder im Netz: Von der Geburt über die ersten Schritte bis hin zur Schultüte wird alles festgehalten und ist jederzeit wieder abrufbar.

Verletzung der kindlichen Privatsphäre: Begünstigung von Mobbing und Pädophilie

Dabei wird die Verletzung der Privatsphäre des Kindes von vielen vernachlässigt oder gar ignoriert. Dies kann gravierende Folgen haben: Pädophile suchen längst gezielt im Netz nach Kinderbildern zur sexuellen Befriedigung. Besonders Nacktbilder sind gefragt. Sie entstehen beispielsweise, wenn die Kleinen sich bei sommerlichen Temperaturen im Planschbecken oder Schwimmbad vergnügen.

Darüber hinaus können entsprechende Fotos oder Viewos zu Mobbing sowohl in der Schule als auch am Arbeitsplatz führen. Dies ist keineswegs neu: Immer wieder werden insbesondere Kinder wegen peinlichen Aufnahmen gehänselt, und dadurch sogar in den Selbstmord getrieben. Erst vergangenes Jahr brachte sich ein 14-Jähriger um. Er wurde heimlich beim Onanieren auf der Schultoilette gefilmt, das Video verbreitete sich auf diversen Plattformen.

Aber auch abgesehen von solch drastischen Folgen hat jeder Mensch ein Recht auf Wahrung seiner Privatsphäre. Für Kinder gilt dies ebenfalls, wenngleich die Eltern in diesem Fall rein rechtlich die Vormundschaft besitzen. Als solche sollte man sich jedoch ernsthaft fragen, in wie weit die Veröffentlichung von insbesondere intimeren Fotos und Videos wirklich im Interesse des Kindes liegt.

Kontrolle über die Inhalte oft nicht gegeben

Sicher mag das ein recht extremer Fall sein. Doch es zeigt sehr schön, wie schnell Bild- und Videomaterial im Internet außer Kontrolle gerät: Eine Person hat ausgereicht, um das Video zu verbreiten. Anschließend wurde der Fall zu einem Selbstläufer – Jeder kann schließlich ein öffentliches Video herunterladen und selbst weiter verbreiten. Dagegen vorzugehen ist sehr aufwändig und teils sogar unmöglich: Sitzt der Betreiber im Ausland, wird die Durchsetzung des eigenen Rechts schwer bis unmöglich.

Das zeigt sich aktuell beispielsweise an der Fülle von rassistischen Äußerungen auf Facebook: Obwohl sogar der Justizminister Heiko Maas auf den Betreiber druck ausgeübt hat, wird deutsches Recht noch immer nicht eingehalten. Dies fordert beispielsweise die Löschung von Beiträgen, die nach deutschem Recht strafbar sind.

Privatsphäreeinstellungen schützen nur eingeschränkt

Auf die sozialen Netzwerke bezogen heißt das konkret: Seine Inhalte durch entsprechende Privatsphäreeinstellungen nicht gänzlich jedem öffentlich zur Verfügung zu stellen ist wichtig und sollte Standard sein. Unbedenklich posten kann man damit aber trotzdem nicht – Es reicht ja bereits ein Freund oder Bekannter, der die Fotos in irgend einer Form weitergibt. Schon hat man wie im obigen Szenario die Kontrolle über seine Inhalte verloren.

Abgesehen davon haben insbesondere bei US-Unternehmen wie Facebook die Geheimdienste umfangreiche Zugriffsmöglichkeiten auf die Daten der Nutzer. Und zwar völlig unabhängig davon, ob die Inhalte öffentlich sind oder nicht. Auch dort werden Nacktfotos unter den NSA-Mitarbeitern weitergegeben. Und wie bei jeder Datensammlung besteht hier natürlich auch noch das Risiko eines Hacker-Angriffs auf die Geheimdienste oder gar Facebook selbst.

Das Privacy-Paradox: Bewusstsein ja, Konsequenzen nein

Es stellt sich nun die Frage: Woran liegt es, dass nicht wenige Eltern derart fahrlässig mit den Daten ihrer Kinder umgehen? Geht man dieser Frage auf den Grund, landet man beim sogenannten Privacy Paradox. Eine aktuelle Studie von Ende 2014 zeigt beispielsweise, dass 70 Prozent der Befragten ihre Daten bei Facebook als „unsicher“ oder sogar „sehr unsicher“ betrachten. Lediglich 6 Prozent glauben, ihre Daten sind dort in sicheren Händen.

Dies mag zunächst beruhigend klingen. Jedoch zieht die Mehrheit der Nutzer daraus keinerlei Konsequenzen: Lediglich 34% geben an, die Datenschutzbestimmungen vor der Anmeldung gelesen zu haben. Selbst nach dem NSA-Skandal sehen 56% der befragten keinen Handlungsbedarf – sie verhalten sich gleich wie zuvor. Und mit 40% überdenkt auch nur ein geringer Teil der Befragten, zukünftig sorgsamer auszuwählen, welche Aktivitäten auf Facebook gepostet werden.

Leider ist dies kein Einzelfall – wir verhalten uns ähnlich widersprüchlich in anderen Bereichen. So sind sich viele Deutsche bewusst, dass ihr Einkaufsverhalten für die Produktionsbedingungen wie etwa bei der Tierhaltung oder Herstellung von Kleidung mitverantwortlich ist. Auf der anderen Seite ignorieren viele Verbraucher diese Tatsache im Alltag und ziehen das Billig-Produkt der fairen und möglicherweise hochwertigeren Qualitätsware vor.

Pädophile nutzen Soziale Netzwerke zur Kontaktaufnahme

Gerade bei älteren Kindern haben es Pädophile nicht nur auf die Fotos abgesehen. Sie versuchen auch, mit dem Nachwuchs direkt in Kontakt zu treten – Beispielsweise zur Verabredung für ein reales Treffen. Ein solcher Fall mit einem 14-Jährigen Mädchen konnte vor wenigen Jahren knapp verhindert werden. Die neuen Medien zu verteufeln und abzulehnen, ist daher neben ihrer gesellschaftlichen Relevanz alleine schon aus diesem Grunde nicht sinnvoll. Denn spätestens im Teenager-Alter werden sie die Kinder selbst nutzen.

Für Eltern ist es daher wichtig, sich mit den Themen zu beschäftigen. Sie müssen damit vertraut werden und sowohl die Vorzüge als auch die Risiken kennen. Nur so sind sie in der Lage, dies ihrem Kind beizubringen, damit es selbst auf Sicherheit und Privatsphäre beim Umgang seiner Daten im Internet achten kann. In den meisten Schulen werden diese Themen nämlich leider kaum bis gar nicht behandelt. Wenn die Eltern nicht aufklären, haben die Kinder meist nur ein gefährliches Halbwissen durch z.B. Freunde oder einschlägige Internetseiten. Sicherheit und Privatsphäre kommt dabei meist zu kurz, da insbesondere bei Kindern das dafür nötige Bewusstsein noch nicht ausgeprägt ist.

Fazit: Eltern müssen sich informieren und entsprechend handeln

Auch hier gilt daher die Devise: Am sichersten sind nicht vorhandene Informationen. Die Polizei in NRW hat dazu vor einigen Tagen eine treffende Aufforderung auf ihrer Facebook-Seite gepostet:

Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten. Danke!

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Aufnahmen von Kindern gehören nicht ins Internet, weder auf Facebook, Instagram noch sonst wo. Wer Verwandten seinen Nachwuchs zeigen möchte, tut dies am besten persönlich. Online sollten Bilder nur verschlüsselt über sichere Plattformen an vertrauenswürdige Menschen übermittelt werden. Nacktfotos haben aber auch auf diesem Weg nichts verloren – Derart intime Aufnahmen sind wenn überhaupt dann in den eigenen vier Wänden am besten aufgehoben.

Eltern müssen über dieses Problem und seine Folgen daher nicht nur informiert sein, sondern auch im Alltag dementsprechend handeln. Denn es erscheint absurd die Kinder davor zu warnen nicht mit fremden mitzugehen, wenn man davor noch ein Foto des Kindes auf Facebook postet – und damit solche Situationen begünstigt oder im schlimmsten Falle sogar erst ermöglicht.

Dies geht auch mit einer Vorbildsfunktion für die Kinder daher: Spätestens im Teenager-Alter werden sie selbst diese Medien nutzen. An dieser Stelle sind die Eltern gefordert, ihrem Kind ein gesundes Bewusstsein für Datenschutz und Privatsphäre im Internet.

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Ein Kommentar

  1. Es ist doch nicht schwer und schützt die Kinder. Also keine Frage. Ich bin dafür

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