Deutsche E-Mail-Provider migrieren zu Microsoft 365 – was das für deine Daten bedeutet

Als Video ansehen
Bereitgestellt über YouTube

Deutsche E-Mail-Provider migrieren zu Microsoft 365 – was das für deine Daten bedeutet

Immer mehr deutsche E-Mail Anbieter verzichten auf eigene Infrastruktur. Kunden finden ihre Daten in Microsofts Clouddiensten wieder. Für Betroffene bedeutet das tiefgreifende Veränderungen: Hohe Aufpreise, technische Probleme, fehlende Unterstützung, neue Risiken. Diese Entwicklung wirft Fragen zur digitalen Souveränität, Sicherheit sowie zur langfristigen Abhängigkeit von einzelnen Anbietern auf. Der folgende Beitrag zeigt die Entwicklung, ordnet sie ein und erklärt die wesentlichen Risiken.

Domainfactory löscht Postfächer für den Umzug

Zunehmend lagern E-Mail Hoster ihre eigenen Plattformen in die Cloud-Systeme von großen Anbietern wie Microsoft aus. Solche Migrationen sind umfangreich. Neben technischen Umstellungen kann das für manche Nutzer auch den Kontrollverlust über bestehende E-Mail Accounts bedeuten. Und das sogar vor dem anstehenden Wechsel.

Ein aktuelles Beispiel ist Domainfactory: Mitte 2024 kündigten sie an, Postfächer nach 30 Tagen ohne Anmeldung löschen zu wollen. Grundsätzlich handelt es sich um keine unübliche Praxis: GMX beispielsweise löscht ausdrücklich inaktive Konten. Allerdings mit einer deutlich großzügigeren Frist von 6 Monaten.1 Hierbei handelt es sich jedoch ausdrücklich um kostenfreie Konten. Die Nutzer bezahlen durch den Konsum von Werbung sowie der Bereitstellung ihrer Daten.

Für kostenlose GMX FreeMail-Tarife gilt Folgendes: GMX ist berechtigt, die im Account des Nutzers gespeicherten Nachrichten und sonstige Dateien nach einem Zeitraum von sechs Monaten der Inaktivität (kein Login über Webbrowser, Mail-App oder E-Mail-Programm) ohne Rückfrage zu löschen.

GMX AGB Punkt 5.3

Domainfactory verlangt dagegen eine monatliche Gebühr für das bereitstellen von E-Mail Postfächern. Diese Kombination ist neu, zuvor fand keine Löschung statt. Viele Kunden äußerten sich ablehnend über die neue Frist. Besonders betroffen sind Archive. Stuft der Anbieter ein Konto als inaktiv ein, werden dessen E-Mails und sämtliche weitere Inhalte (z.B. Kontakte, Kalender sowie Aufgaben) unwiderruflich gelöscht. Der Hoster begründet die Maßnahme mit Leistungsoptimierung. Außerdem sei es eine Unterstützung zum Umzug auf eine neue E-Mail Plattform.

Im August 2024 zahlten Kunden von Domainfactory mindestens 0,99€/Monat für ein professionelles E-Mail Konto.2

Einige betroffene äußern ihren Unmut auf Bewertungsportalen, etwa auf der Plattform Hosttest. Dort erzielt der Anbieter im Durchschnitt 1,6 von 5 Sternen. Mehrere Kommentare benennen explizit die neuen Regelungen zu inaktiven Konten oder die Migration zu Microsoft als Grund für ihre negative Beurteilung. Darüber hinaus werden auch andere Probleme bemängelt, die der Anbieter aus Sicht der Kunden nicht zufriedenstellend löste.34

Domainfactory-Kunden müssen umziehen – viele lehnen ab

15 Jahre lang betrieb Domainfactory eigene Server in Deutschland. Bis der Mutterkonzern Host Europe Group 2015 einen Umzug nach Frankreich beschloss. Bis Q2/2026 sollten sämtliche Dienste des Anbieters von Straßburg aus bereitgestellt werden.

Viele Kunden kritisierten diesen Schritt, da das Unternehmen explizit mit dem Standort („Hosting made in Germany“) geworben hatte. Die französische Vorratsdatenspeicherung wurde als Risiko für Sicherheit und Privatsphäre erachtet. Zur damaligen Zeit existierte zudem die DSGVO noch nicht, sodass kein einheitliches Datenschutzniveau in der EU garantiert war. Domainfactory relativierte diese Risiken, ein Sonderkündigungsrecht sei ausgeschlossen.

Allerdings würde man „individuelle Lösungen mit Kunden anstreben“, sofern sie sich beim Support melden.5 Offenbar haben viele Kunden davon Gebrauch gemacht. Nur so lässt sich erklären, warum der Anbieter teilweise zurück ruderte: Hosting in Deutschland kehrte zurück. Allerdings als optionales Paket gegen Aufpreis.6

Die angegebenen Preise beziehen sich auf das Hosting der Daten in Frankreich. Die Daten in Deutschland hosten zu lassen, kostet monatlich 0,99 Euro mehr.

Fazit zum netzsieger.de testbericht

Erfolgte der Umzug aus wirtschaftlichen Motiven? Eine Verbesserung der Sicherheit scheint nicht erkennbar. Seit 2006 existiert in Frankreich eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung. Sie verpflichtet zur Archivierung sämtlicher Metadaten für 12 Monate. Durch die Snowden-Enthüllungen ab 2013 wurden der breiten Öffentlichkeit die Folgen von Massenüberwachung deutlich. E-Mails sind weiterhin ein wichtiges Kommunikationsmittel. Der Zugriff darauf kann intime Informationen offenbaren. Ein signifikanter Teil der Kunden scheint sich bewusst für das Made in Germany Qualitätslabel entschieden zu haben. Und war enttäuscht, als dies ohne erkennbaren Grund verlagert werden sollte.

Nächste Stufe: Microsoft 365 Migration

Die zweite Migration startete 9 Jahre später. 2024 informierte Domainfactory seine Kunden darüber, dass nicht „nur“ die Server umziehen – wie im Jahr 2015. Sondern man die eigene Infrastruktur namens MyMail aufgibt. Alle Postfächer der Kunden sollen in Microsoft 365 umgezogen werden.7 Das macht Domainfactory zum Wiederverkäufer. Vergleichbar mit einem Burger-Restaurant, der die Bestellung lediglich an McDonalds weiterleitet.

Deutlich umfangreichere Folgen hat dieses Konstrukt beim E-Mail Hosting. Der Kunde schließt einen Vertrag mit Domainfactory ab. Dieser fungiert als Zwischenhändler, der im Auftrag des Bestellers ein Microsoft 365 Cloudabo abschließt. Bereits das hat zahlreiche rechtliche Folgen, da der Konzern in einem Drittstaat sitzt. Ebenso für Sicherheit und Datenschutz (siehe Unten). Bestandskunden haben den Vertrag mit einem deutschen Unternehmen abgeschlossen, welches ausdrücklich mit diesem Standort sowie dessen Vorteilen warb.

Auf diese Aspekte geht die Ankündigung nicht ein – im Gegenteil. Formulierungen wie „auf unsere neue E-Mail-Plattform auf Basis von Microsoft 365 zu übertragen“ können den Eindruck erwecken, es werde lediglich Software ausgetauscht. Im weiteren Text werden „Vorteile“ angepriesen, wie „Synchronisierung mit allen Ihren Geräten – Mobiltelefon, Tablet oder Desktop“. Das bietet IMAP seit Jahrzehnten, hierfür ist kein Umzug in die Microsoft-Cloud notwendig. Welchen Mehrwert die Unterstützung von Microsoft 365 Experten haben soll, wird nicht erklärt.

Viele Probleme, keine Unterstützung

Ein ehemaliger Stammkunde beschreibt die Umstellung als „Katastrophe“.8 Gefolgt von einer umfangreichen Liste an Problemen:

  • Drei Tage vor der Migration wurde das Löschen von Postfächern verweigert. Er wollte verhindern, dass seine Daten in den Händen von Microsoft landen – vergeblich.
  • Bei 2/3 E-Mail Konten wurden mehr als 100 Nachrichten übersprungen, die Migration brach ab. Niemand kümmerte sich oder informierte, was zu tun sei
  • Ein Alias hat Domainfactory nicht umgezogen, wodurch Sicherheitsrisiken für sein PayPal-Konto entstanden
  • Der Support schloss 3/3 Tickets mit einem Textschnipsel, ohne die Probleme zu lösen, lange Wartezeiten am Telefon
  • Nach der Umstellung konnten die Postfächer nicht mehr in Thunderbird unter GNU/Linux verwendet werden
  • Er berichtet, Domainfactory übertrug sämtliche Nutzerdaten ohne seine Zustimmung – auch die AGB von Microsoft wurden zuvor nicht akzeptiert
  • Das Löschen eines Postfachs entfernte unerwartet sämtliche Aliase der Domain
  • Mehrfach kam es zu Ausfällen, teilweise auch beim Support-Bereich
  • Alle Filter sind im Zuge der Migration verloren gegangen

Der Entwickler quelloffener Software ist kein unerfahrener Anwender. Dennoch hat er laut eigenen Angaben mehr als eine Woche Aufwand damit verbracht, das von Domainfactory verursachte Chaos zu beseitigen. Microsoft möchte er nicht verwenden. Dennoch landeten seine ab 2005 gespeicherten E-Mails ungewollt auf fremden Servern. Ein Anbieterwechsel stand längst fest, doch das gestaltete sich als umfangreich. Mehrere deutsche und europäische Anbieter ließen gewünschte Funktionen vermissen – Posteo beispielsweise ermöglicht keine Nutzung eigener Domains.

Ein Bericht von Golem im April 2025 sowie dessen Kommentare zeigen: Dabei handelt es sich nicht nur um einen unglücklichen Einzelfall. Andere Kunden sind ebenfalls verärgert.9 Wie sollen wenig erfahrene Nutzer mit derart vielen Problemen umgehen?

Mit der Migration entstehen neue Abhängigkeiten und Einschränkungen

Neben der Umstellung selbst ändert sich ein weiterer Aspekt: Es gelten ab sofort die Anforderungen von Microsoft. Dort werden beispielsweise ältere Mail-Programme und Protokolle nicht mehr unterstützt. Im Gegensatz zur vorherigen eigenen Infrastruktur hat Domainfactory darauf keinen Einfluss. Ein Kunde musste als Folge seine Outlook-Version wechseln. Neben den Zusatzkosten drohen strukturelle Probleme, wenn die Entscheidung auf Abos statt klassischer Lizenzen fällt.

Domainfactory bucht für jeden seiner Kunden ein Microsoft 365 Abo. Dies wird allerdings durch Domainfactory eingeschränkt: Sie bieten einen Bruchteil der zusätzlichen Abos von Microsoft. Benötigt der Kunde beispielsweise Mailarchivierung, lässt sich diese zwar alternativ bei Microsoft direkt buchen. Allerdings nicht wie gewünscht mit der bestehenden Domain verbinden, die bei Domainfactory liegt.10

Welchen Mehrwert bietet Domainfactory dem Kunden noch, wenn der Zwischenhändler das Angebot einschränkt? Würde er stattdessen direkt bei Microsoft bestellen, können sämtliche Dienste gebucht werden. Dieser Umstand kann lange unentdeckt bleiben, weil die gebotenen Leistungen derzeit ausreichen. Bis sich der Bedarf erweitert – dann ist eine weitere Umstellung notwendig. Microsofts Clouddienste führen bereits zu einem Vendor Lock-in. Dieser wird zusätzlich verschärft.

Microsoft 365 führt zu massiven Preiserhöhungen

In die Cloud zu wechseln, wird von den Anbietern oft als Kostenersparnis beworben. Ein großer Konzern könne schließlich deutlich günstigere Preise bieten, als kleinere Unternehmen. Diese Logik mag aus Sicht der industriellen Produktion betrachtet einleuchten. Doch bei Online-Diensten ist oft das Gegenteil der Fall. Microsoft hat die Preise für ihre Cloudabos bereits mehrfach und spürbar erhöht.

Die letzte große Preissteigerung wurde in mehreren Schritten bis spätestens zum 01.04.2025 wirksam, sie verteuert das Angebot um bis zu 43%. Sowohl private als auch gewerbliche Kunden sind betroffen: Microsoft 365 Personal für einen einzelnen Zugang kostet beispielsweise 99€ statt 69€ pro Jahr. Wer sich für die monatliche statt jährliche Abrechnung entscheidet, muss zudem pauschal 5% Aufschlag bezahlen.11 Durch die Abhängigkeit von Microsoft kann Domainfactory dem wenig entgegen setzen.

Während der Migration beruhigte Domainfactory seine Kunden, dass für 2024 die Preise stabil bleiben. Und danach? Vor dem Umzug kostete der günstigste Tarif mit einem E-Mail Postfach 1,99€ monatlich (reduziert auf 0,99€ im ersten Monat), hat sich der Preis seit Anfang 2025 auf 5,99€ mehr als verdreifacht.12 Das größere Paket kletterte von 4,99€ auf 12,99€.

Trotz dieser erheblichen Steigerung wirbt der Anbieter weiterhin mit einem „Aktionspreis“. Obwohl die Leistungen sich nicht um Faktor 3 erhöht haben: „Online Business Essentials“ bietet 50 GB statt 30 GB Speicherplatz. „E-Mail Essentials“ – der Tarif mit größtem Preissprung – ist vollständig identisch geblieben.

Mit eigener Infrastruktur wurde zuletzt zwischen Januar und 2019 von 0,99€ auf 1,99€ erhöht.13 Etwa 6 Jahre lang blieben die Kosten zuletzt stabil. Im Archiv war keine derart starke Verteuerung zu beobachten, wie nach der M365 Migration. Das verdeutlicht, wie gefährlich die neue Dimension der Abhängigkeit geworden ist.

Die Folgen der Abhängigkeit von Microsofts Clouddiensten

Vor der Cloud-Ära wurde proprietäre Software wie Microsoft Windows oder Office einmalig lizenziert. Wer beispielsweise Office 2024 kauft, erwirbt damit das Recht, die Software dauerhaft auf einem PC nutzen zu dürfen. Bereits damit ist man nicht mehr unabhängig. Doch immerhin laufen diese Programme auf dem eigenen Computer. Das schafft Zeit, nach Alternativen zu suchen.

Bei Clouddiensten entfällt das komplett: Die Software läuft auf fremden Servern. Per Mausklick können Anbieter wie Microsoft sämtliche Dienste von einer Sekunde auf die andere abschalten. Dies ist längst kein fiktives Horror-Szenario mehr: Berichte über gesperrte Microsoft-Konten sind kein Einzelfall. In diesem Artikel habe ich die Risiken der Cloudkonten aufgezeigt und mehrere Vorfälle dokumentiert. Betroffene sind sich keiner Schuld bewusst.

2025 wird ein LibreOffice-Entwickler nach einer harmlosen E-Mail von sämtlichen Microsoft Clouddiensten ausgesperrt.14 Das Unternehmen nennt weder die Gründe, noch ist es zur Klärung erreichbar. Lediglich bei prominenten Fällen kommt es vereinzelt zur nachträglichen Entsperrung. Geschädigte verlieren häufig Jahrzehnte an Daten auf verschiedenen Plattformen (z.B. Cloudspeicher, E-Mails, Kontakte, …), bezahlte Inhalte (Spiele, Softwarelizenzen) und sind nicht mehr handlungsfähig.

(Wirtschafts-) Spionage & politisch motivierte Sperren

Microsoft sitzt in den USA, dort besitzen Regierungseinrichtungen umfangreiche Befugnisse. Am bekanntesten ist die anlasslose Massenüberwachung durch den Auslandsgeheimdienst NSA. Mehrere Fälle belegen, dass NSA & CIA deutsche Unternehmen ausspionieren. Zu den Opfern gehört etwa der Autokonzern Volkswagen.15 Bereits 2000 offenbarte der ehemalige CIA-Direktor, dass sein Geheimdienst Wirtschaftsspionage betreibt. Und rechtfertigt sie, weil europäische Unternehmen eine „nationale Kultur“ der Bestechung hätten.16

2025 sperrte der Konzern das Cloudkonto von Karim Kha, dem Chefanklägers des Internationalen Gerichtshofs (IStGH). Dazu war Microsoft verpflichtet, weil US-Präsident Donald Trump ihn sanktionierte. Zuvor hatte der IStGH aufgrund von Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu sowie seinen früheren Verteidigungsminister Yoav Gallant erlassen. Der Gerichtshof gibt an, dadurch in seiner Arbeit gelähmt zu sein.17 Er hat sich von Microsofts Clouddiensten abhängig gemacht. Der Fall sorgte international für Empörung.

  • Wie unabhängig kann der IStGH sein, wenn der Präsident nach unliebsamen Entscheidungen ihre Infrastruktur per Knopfdruck abschaltet?
  • Welchen Schaden erleidet die lokale Wirtschaft, weil ausländische Geheimdienste dank US-Massenüberwachung Zugang zu ihren Daten in Echtzeit (PRISM & co) haben?
  • Mit was für Konsequenzen müssen Unternehmen rechnen, wenn sie z.B. entgegen Forderungen der US-Regierung weiterhin Diversitätsprogramme anbieten? Oder die verlangten Nachweise zur Abschaffung nicht erbringen?18

HostEurope migriert ebenfalls zu M365, Preise steigen

Anfang 2025 kündigt mit HostEurope ein weiterer deutscher Anbieter an, seine E-Mail Server in die Microsoft 365 Cloud auszulagern. Die eigene Infrastruktur in Deutschland wird aufgegeben.19 In der Information an die Kunden fällt auf, dass die Nachricht große Ähnlichkeit zu Domainfactory aufweist. Mit Formulierungen wie „im Rahmen eines Upgrades“ betiteln sie die Änderung als Aufwertung.

Vorher (links) gegen jetzt: Rechts wird mit einem Rabatt geworben, der Preis hat sich von 0,99€ auf 1,99€ mehr als verdoppelt

Im Unterschied zu Domainfactory wird allerdings direkt eine Preiserhöhung angekündigt. Am 01.12.2024 kostete das günstigste Paket 1,99€/Monat, für „Teams“ waren 4,99€ Fällig. Beide Tarife werden im ersten Jahr zum halben Preis angeboten.20 Durch die Umstellung verteuert sich Paket 1 auf 4,99€ (+151%), für das Zweite sind 7,99€ (+60%) fällig.

Darüber hinaus verschlechtern sich die Konditionen: Bisher war eine 3-Stellige Anzahl an IMAP/POP3-Konten inklusive – selbst in günstigen Tarifen.21 Kunden nutzten diese für Freunde und Familienangehörige. Oder externe Systeme wie etwa Nextcloud, WordPress & weitere. Mit M365 muss 1€ pro Konto bezahlt werden. Wer die zuvor großzügig enthaltenen Konten nutzt, sieht sich mit erheblichen Mehrkosten konfrontiert.

Der Anbieter räumt ein, dass die Verteuerung auf die Auslagerung zurück zu führen ist – rechtfertigt sie zeitgleich mit gestiegener Effizienz:

Mit den neuen Preisen profitieren Sie von erweiterten Funktionen, mehr Sicherheit und höherer Effizienz der Microsoft 365-Plattform.

E-mail von hosteurope

Unbelegt bleibt, wie Kunden dadurch „mehr Sicherheit“ erhalten sollen. In mehreren dokumentierten Vorfällen konnten sich Angreifer unautorisierten Zugang zu Microsoft 365 Clouddiensten verschaffen. Der erste öffentlich bekannt gewordene Sicherheitsvorfall ereignete sich 2023. Zunächst war laut Unternehmensaussagen Outlook Online betroffen. Unter den Opfern befinden sich auch Einrichtungen der US-Regierung. Ein weiterer Angriff wird staatlichen Akteuren zugeschrieben, die über längere Zeit Zugang zu Microsofts interner Unternehmensumgebung hatten.

Später stellte sich heraus: Microsoft hat den Angriff nicht vollständig transparent kommuniziert. Neben Outlook Online konnten Angreifer auf alle im Zielkonto abonnierten M365 Dienste (z.B. OneDrive, Teams, SharePoint) zugreifen – die Anmeldung an einem Dienst wird an andere weitergereicht. Die Aufarbeitung enthüllte zudem eklatante Sicherheitsmängel von Seiten des Konzerns, worauf er erst durch eine externe Meldung aufmerksam wurde. Obwohl laut eigenen Angaben 3.500 Sicherheitsexperten alleine für Azure zuständig sind.

Cybersicherheitsgutachter beurteilt Microsofts Cloud als „einen Haufen Mist“

Dieses Muster ist bei On-Prem und Clouddiensten von Microsoft wiederkehrend. Auch abseits dieser Angriffe landet Microsoft regelmäßig in den Schlagzeilen, weil Sicherheitsmängel unzureichend abgedichtet oder ignoriert werden. Der aktuellste Fall ist erst wenige Tage alt: Am 07.04.2026 wurde eine Sicherheitslücke in Windows veröffentlicht. Zuvor hatte sie der Sicherheitsforscher an Microsoft gemeldet – doch der Konzern sah sie nicht als sicherheitskritisch.22

Die US-Regierung beauftragte eine Analyse zur Sicherheit von Microsoft Clouddiensten. Die Regierung möchte Bundesbehörden in Clouddienste verlagern und schuf hierfür das Programm namens „FedRAMP“. Ein im Bericht zitierter Prüfer bezeichnet diese Ende 2024 als „einen Haufen Mist“, im Englischen Original „a pile of shit“.23

Er listet viele Mängel. Beispielsweise versuchen die Prüfer seit Jahren vom Konzern zu erfahren, wie sie sensible Daten schützen. Ein ehemaliger Mitarbeiter mit 30 Jahren Erfahrung bei der NSA stellt fest: „Dies ist keine Sicherheit“, sondern „Dies ist Sicherheitstheater“.

Wie geht HostEurope mit Microsoft um?

Am Ende der häufig gestellten Fragen zeigt Hosteurope, dass ihnen bewusst ist, wie streitbar Microsofts Dienste sind:24

Wir verstehen, dass einige Kunden anfängliche Vorbehalte gegen die derzeitige Migration von Postfächern auf unsere neue E-Mail-Plattform von Microsoft haben könnten.

HostEurope FAQ zur M365 Migration

Handelt es sich tatsächlich nur um „anfängliche Vorbehalte“, die wie ein Vorurteil durch Erklärung entkräftet werden können? Der Einleitungstext verspricht das. Darauf folgt ein unkommentierter Auszug aus den „Microsoft Compliance“ Dokumenten, gefolgt von einem Haftungsausschluss:

Während wir den Zugang zu Microsoft-Produkten vermitteln, ist es wichtig zu beachten, dass Microsoft als Drittanbieter unabhängig für die Einhaltung der DSGVO verantwortlich ist.

HostEurope FAQ zur M365 Migration

Microsoft betonte stets, sich an die DSGVO zu halten – seit Jahren ein Streitpunkt. Im Kern geht es um Zugriffe durch US-Behörden. Der 2018 verabschiedete US Cloud Act ermöglicht ihnen umfangreichen Zugriff und steht im Konflikt mit der DSGVO.

Doch 2025 kam es zum Paukenschlag, als der ranghohe Microsoft-Vertreter und Leiter für rechtliche Angelegenheiten Anton Carniaux in Frankreich zu einer öffentlichen Anhörung aussagte. Thema waren technische sowie juristische Schutzmaßnahmen für souveräne Clouddienste der französischen Regierung. Carniaux musste unter Eid eingestehen: Daten sind nicht von dem Zugriff durch US-Behörden geschützt. Selbst, wenn sie ausschließlich in Rechenzentren der EU gespeichert sind. Microsoft würde sich bemühen, Zugriffsanfragen anzufechten. Doch letztendlich müsse man sich an US-Recht halten.25

Ob HostEurope-Kunden unter diesen Umständen beruhigt darüber sind, wenn sich der Anbieter lediglich als Vermittler sieht und die Verantwortung an Microsoft überträgt?

Umstellung wird gestoppt – wegen Kündigungswelle?

Ende Februar 2026 stoppte HostEurope die Migration zu Microsoft. Man habe erkannt, dass „dass einige Produkte und Kundenumgebungen zusätzliche Überlegungen erfordern“. Dazu bietet man Kunden 4 Monate kostenloses Classic-Hosting an, wenn sie ihre Kündigung zurück nehmen. Mitte März folgte eine Stellungnahme. Sie spricht nicht mehr von „einigen“, sondern „einen kleinen“:26

Leider mussten wir feststellen, dass wir die Herausforderungen der Migration für einen kleinen Teil unserer Kunden unterschätzt haben.

Stellungnahme des anbieters

Für die Mehrheit der Kunden sei die Migration bereits abgeschlossen. Unbeantwortet blieb die Frage von Heise, warum dieser Schritt fast ein Jahr auf sich warten ließ – planmäßiger Beginn war im Mai 2025. In dieser Zeitspanne hatten viele Kunden faktisch bereits Zeit zu wechseln. Das Angebot gilt zudem nur für jene, die noch nicht auf M365 umgestellt worden sind.

Wer das nicht möchte, bekommt keine Möglichkeit, zu HostEurope zurück zu wechseln. Auch eine grundsätzliche Kursänderung verspricht der Anbieter nicht. Man hält weiterhin an der Auslagerung zu M365 fest.

Die Konkurrenz mit eigenen Rechenzentren ist günstiger

Die Konkurrenz bietet mehr Funktionen zum günstigeren Preis. Bei Hetzner beispielsweise bekommt man 10 GB Speicherplatz mit unbegrenzt vielen E-Mail Postfächern für derzeit 1,76€ pro Monat. Webhosting & Datenbank sind inklusive. So lässt sich eine eigene Domain wie u-labs.de für E-Mail und eine kleine Webseite nutzen. Ohne für jedes Postfach extra zu bezahlen. Der enthaltene Speicher lässt sich flexibel für alle Konten sowie den Webspace nutzen.

Das ist mehr, als die beiden zu M365 migrierten Unternehmen bieten. Sie enthalten jeweils nur ein Postfach, ohne Webspace. Und sind deutlich teurer: Hosteurope verlangt für 10 GB mit nur einem Postfach 4,99€ pro Monat, Domainfactory sogar 5,99€. Für das Geld bietet Hetzner deutlich mehr Speicherplatz bzw. weitere Zusatzleistung. Je nach bedarf wird es deutlich günstiger, oder man bekommt mehr fürs Geld.

Hetzner betreibt eigene Server in Deutschland. Ohne von Microsoft abhängig zu sein. Stattdessen gibt es Datenschutz im Inland, mit erneuerbaren Energien betrieben. Dazu wird die lokale Wirtschaft unterstützt – statt Arbeitsplätze sowie Infrastruktur durch Auslagerung abzubauen.

Fazit

Zwei große Hoster haben ihre Rechenzentren in Deutschland aufgegeben – alleine Domainfactory bedient laut eigenen Aussagen über 220.000 Kunden. Die Kunden werden in Microsofts Clouddienste verlagert. Neben technischen Problemen sind die Preise beider Anbieter erheblich gestiegen. Teils zusätzlich indirekt durch Zusatzpreis für Leistungen, die bisher inklusive waren. Hinzu kommen Risiken bei Sicherheit & Datenschutz: Microsoft hat entgegen früherer DSGVO-Versprechen eingeräumt, dass sie Datenzugriffe durch US-Behörden nicht verhindern können.

Anbieter mit eigener Infrastruktur in Deutschland sind für viele die besseren Alternativen. Sie sind deutlich günstiger und bieten mehr fürs Geld. Der Kunde bucht Speicherplatz und kann ihn mit einem, 10 oder 1000 Konten flexibel nutzen – statt jeweils extra zahlen zu müssen.

Meine Meinung

Das soll im Sinne der Kunden sein? Ich sehe nur zwei Desaster mit Ansage. Selbst die Anbieter sind zu Mittelsmännern degradiert, dadurch werden sie leicht austauschbar. Teils fahren die Kunden mit ihnen schlechter, wie direkt bei Microsoft zu buchen – etwa bei Zusatzfunktionen. Wozu brauchen sie die Parteien dazwischen überhaupt noch?

Am erschreckendsten finde ich jedoch, dass zwei Anbieter mit Jahrzehnten an Erfahrung sich 2024/2025 ernsthaft in derartige Abhängigkeit begeben. Obwohl die Gefahren, vor denen spätestens seit Snowden vehement gewarnt wurde, keine Fiktion mehr sind. Dazu fällt mir nur eins ein: Alle Fehler wurden schon einmal gemacht – aber noch nicht von jedem.

Netzpolitisch ist das eine gefährliche Entwicklung. Wie wollen wir unabhängig werden, wenn lokale Infrastruktur abgebaut statt aufgebaut wird? Diese Entwicklung lässt sich derzeit wohl nur durch wirtschaftlichen Druck korrigieren. Für Nutzer ist das doppelt von Vorteil: Durch die M365 Migration sind Domainfactory/Hosteurope deutlich teurer geworden. E-Mail Konten können andere zu einem Bruchteil des Preises. Für viele stellt sich daher – zu Recht – die Frage, ob ein Wechsel nicht nahe liegt.

Quellen

  1. https://agb-server.gmx.net/gmxagb-de ↩︎
  2. https://web.archive.org/web/20240814064554/https://www.df.eu/de/e-mail-hosting/ ↩︎
  3. https://www.hosttest.de/webhoster/domainfactory ↩︎
  4. https://borncity.com/blog/2024/07/26/rger-domainfactory-will-inaktive-mail-postfcher-fr-zahlende-kunden-lschen/ ↩︎
  5. https://www.heise.de/news/Webhosting-Server-von-Domainfactory-und-Host-Europe-ziehen-groesstenteils-nach-Frankreich-2861920.html ↩︎
  6. https://www.netzsieger.de/p/domainfactory ↩︎
  7. https://borncity.com/blog/2024/08/30/domainfactory-migration-des-mail-systems-zu-microsoft-365/ ↩︎
  8. https://blog.hartwork.org/posts/domainfactory-wtf-2025/ ↩︎
  9. https://www.golem.de/news/nutzerbeschwerden-domainfactory-veraergert-kunden-bei-microsoft-365-migration-2504-195451.html ↩︎
  10. https://borncity.com/blog/2025/04/14/microsoft-365-falle-bei-domainfactory-umstellung/ ↩︎
  11. https://mailbox.org/de/news/microsoft-preiserhoehung-2025-als-weckruf/ ↩︎
  12. https://web.archive.org/web/20250212111012/https://www.df.eu/de/e-mail-hosting/ ↩︎
  13. https://web.archive.org/web/20190206051258/https://www.df.eu/de/e-mail-hosting/ ↩︎
  14. https://windowsarea.de/2025/08/microsoft-account-sperre-nach-harmloser-e%E2%80%91mail-libreoffice-entwickler-ausgesperrt/ ↩︎
  15. https://www.fr.de/wirtschaft/betreiben-wirtschaftsspionage-11278668.html ↩︎
  16. https://www.telepolis.de/article/Ehemaliger-CIA-Direktor-sagt-die-Wirtschaftsspionage-der-USA-wuerde-auf-Bestechungsaktionen-der-3446924.html?view=print ↩︎
  17. https://www.heise.de/news/Strafgerichtshof-Microsofts-E-Mail-Sperre-als-Weckruf-fuer-digitale-Souveraenitaet-10387368.html ↩︎
  18. https://www.handelsblatt.com/politik/international/diversitaet-trump-regierung-schickt-woke-warnung-an-franzoesische-unternehmen/100117405.html ↩︎
  19. https://borncity.com/blog/2025/03/25/hosteurope-wechselt-auch-zur-microsoft-365-microsoft-cloud/ ↩︎
  20. https://web.archive.org/web/20241201194408/https://www.hosteurope.de/E-Mail-Hosting/ ↩︎
  21. https://www.heise.de/news/Host-Europe-bittet-zur-Kasse-Mailmigration-ab-Mai-10326806.html ↩︎
  22. https://www.golem.de/news/zoff-mit-microsoft-frustrierter-forscher-leakt-zero-day-exploit-fuer-windows-2604-207270.html ↩︎
  23. https://borncity.com/blog/2026/03/19/microsofts-cloud-wird-von-experten-als-ein-haufen-mist-eingestuft-aber-abgenickt/ ↩︎
  24. https://www.hosteurope.de/faq/migration/email-migration/aenderungen#8 ↩︎
  25. https://www.security-insider.de/us-zugriff-europaeische-cloud-daten-microsoft-digitale-souveraenitaet-a-0e0d349084423354aa06e191f535cbe4/ ↩︎
  26. https://www.heise.de/news/Host-Europe-GoDaddy-aeussert-sich-zum-Migrationsstopp-bei-E-Mail-Postfaechern-11212758.html ↩︎

Leave a Reply