StartseiteRaspberry PiÜbersicht: Pi Marktlage – Welche Alternativen zum Raspberry Pi 4 gibt es grundsätzlich?

Übersicht: Pi Marktlage – Welche Alternativen zum Raspberry Pi 4 gibt es grundsätzlich?

In diesem Beitrag möchte ich euch aufzeigen, welche Alternativen es grundsätzlich zum Raspberry Pi gibt. Zuvor werfen wir zur Einordnung einen kurzen Blick auf die aktuelle Marktlage zum Kauf eines Raspberry Pi 4. Es geht hierbei um keine konkrete Produktempfehlung, sondern eine Übersicht der Möglichkeiten.

Den Raspberry Pi 4 im Oktober 2022 kaufen: Wie ist die aktuelle Lage auf den Märkten seit dem letzten Beitrag Ende 2021?

Der Raspberry Pi 4 ist beliebt, aber schon längere Zeit nur schwer zu bekommen: Bereits Ende 2021 habe ich in einem Beitrag aufgezeigt, welche Möglichkeiten ihr habt, um an einen Pi zu kommen. Ein knappes Jahr später hat sich daran kaum etwas verändert. Viele Shops können nach wie vor nur einzelne Lieferungen. Und die sind nach wenigen Tagen oder sogar Stunden ausverkauft, trotz Einschränkungen wie etwa maximal ein Stück pro Kunde.

Zumindest wenn man keine astronomischen Mondpreise bezahlen möchte. Denn einige Anbieter können inzwischen zwar wieder liefern – zeitweise hat man selbst mit Aufpreis zahlreiche Wochen warten müssen. Doch aufgrund der hohen Nachfrage sind die Preise in den letzten Monaten deutlich gestiegen. So zahlt man Stand Mitte Oktober satte 129 Euro für einen Raspberry Pi 4 mit 2 GB Arbeitsspeicher – wohlgemerkt ohne jegliches Zubehör. Und das beim günstigsten Anbieter. Der nächst teurere verlangt bereits rund 145 Euro. Zum Vergleich: Der reguläre Preis gegen Ende 2021 betrug etwa 50 bis 60 Euro. Selbst dieser war bereits im Vergleich zu vor der Pandemie erhöht und entsprach eher dem ursprünglichen Preis für die Variante mit 4 GB.

Für die 4 GB Variante sind derzeit mindestens 143 Euro fällig. Ein vergleichsweise moderater Aufpreis, doch absolut gesehen entspricht das mehr als einer Verdoppelung innerhalb weniger Monaten.

Preisvergleich Raspberry Pi 4 mit 2 GB RAM auf Idealo

Die Lage hat sich also nach wie vor nicht entspannt und ich sehe nicht, dass sich daran kurzfristig viel verbessern wird. Seit meinem letzten Beitrag hat sich im Grunde nur eine weitere Sache verbessert: BerryBase hat den Maker Club eingeführt. Er kostet nichts, Kunden müssen dafür manuell bestätigt werden. Dadurch möchte man offenbar verhindern, dass Wiederverkäufer mehrere Konten anlegen, um größere Mengen zu kaufen.

Im Maker Club sind die Preise deutlich vernünftiger – allerdings erhält BerryBase nur alle paar Wochen neue Lieferungen. Manchmal lediglich ein paar hundert Stück, die dementsprechend trotz der Beschränkungen schnell ausverkauft sind. Zudem sind nicht alle Modelle vorrätig, teilweise etwa nur die 2 GB Variante oder nur Kits. Wer auf diesem Wege einen relativ günstigen Pi ergattern möchte, muss viel Geduld mitbringen und bei Verfügbarkeit schnell reagieren.

Tipp: Wenn ihr dies machen möchtet, registriert euch vorher für den Maker Club. Da die Anmeldungen von Hand bestätigt werden, kann dies ein paar Stunden dauern. Ist dies bereits vorab abgeschlossen, kann man bei Verfügbarkeit direkt ohne Wartezeit einen Pi kaufen. Außerdem informiert euch BerryBase auf Wunsch per E-Mail, wenn neue Ware eingetroffen ist.

Alternativen: Wofür möchtest du deinen Pi nutzen?

Daher möchte ich im Folgenden aufzeigen, welche grundsätzlichen Möglichkeiten es für Alternativen gibt. Der große Vorteil des Raspberry Pi ist seine universelle Einsetzbarkeit: Man kann beispielsweise eine Leuchtdiode blinken lassen, komplexere Geräte wie z.B. zahlreiche Sensoren ansteuern, mit angeschlossenem Bildschirm direkt auf ihm auch grafische Software entwickeln oder den Pi als Micro-Server zur Bereitstellung zahlreicher Anwendungen nutzen. Darin liegt wohl auch sein Erfolg. Da nicht alle Alternativen derart flexibel sind, solltet ihr euch zunächst Gedanken machen, was ihr mit dem Gerät vorhabt.

Im Grunde lassen sich die Funktionen des Pi in drei Kategorien einteilen:

  1. Ansteuerung von Elektronik über die GPIO-Pins und Schnittstellen
  2. Mini-Desktop
  3. Mini-Server

1. GPIO

Es gibt verschiedene SOC (System on a Chip) Alternativen zum Raspberry Pi. Einige besitzen den gleichen 40-Pin GPIO-Header, manche haben sogar die Abmessungen übernommen. Im besten Falle könnt ihr also nicht nur vorhandene Geräte wie z.B. Sensoren anschließen, sondern sogar Gehäuse und andere auf die Maße des Pi zugeschnittene Hardware weiterverwenden. Beispiele hierfür wären Banana Pi, ASUS Tinker Board, Odroid N2+ oder Libre Computer Board AML-S905X-CC.

Leider hatten andere diese Idee auch schon, weswegen viele Alternativen teilweise ebenfalls ausverkauft sind – oder zumindest ebenfalls deutlich teurer wurden. Zumal manche vergleichsweise eher mager ausgestattet sind. Erwartet daher nicht, dass ihr ein ebenbürtiges Gerät zum gleichen Preis bekommt, wie der Raspberry Pi vor 2 Jahren angeboten wurde.

Außerdem solltet ihr ein Auge auf die Hard- und Softwareunterstützung werfen: Nicht überall ist die so gut wie beim Pi, auch die Communitys sind meist kleiner. Gerade bei ARM ist das relevant, da die Images recht speziell auf die Hardware zugeschnitten sind. Ihr könnt somit nicht jedes beliebige ARM-Image einer Distribution auf jedem ARM-Gerät nutzen, wie dies bei der X86 Architektur möglich wäre. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wenn der Hersteller die Pflege einstellen sollte, kann das zum Problem werden – sofern die Hardware nicht transparent gemacht wurde und sich die Gemeinschaft dazu bereit erklärt.

2. Mini-Desktop

GPIO-Pins werden auf Desktop- und Servergeräten in der Regel nicht benötigt – außer ihr möchtet permanent bestimmte Geräte ansteuern können. Etwa Sensoren, deren Daten in regelmäßigen Abständen in eine Datenbank geschrieben werden sollen.

Ist das nicht der Fall, habt ihr vor allem auf dem X86 Markt eine große Auswahl sowie den Vorteil, dass das Angebot an Software dafür größer ist, als für ARM. Außerdem besitzen viele mehr Leistung, als der vergleichsweise schwache Prozessor des Raspberry Pi. Im Grunde kommt jeder Mini-PC in Frage, der eure Anforderungen hinsichtlich Leistung und benötigtem Platz erfüllt. Mehrere habe ich bereits getestet, unter anderem den Lenovo Tiny oder Giada H81. Einige sind erweiterbar, sodass ihr z.B. den Arbeitsspeicher jederzeit aufrüsten könnt. Dies ist beim Raspberry Pi leider nicht möglich. Da dort alles aufgelötet ist, muss der komplette Pi getauscht werden.

Wer Geld sparen möchte oder muss, kann zudem auf den Markt mit Gebrauchten oder Generalüberholten Geräten ausweichen. Einige Geräte sind dort sogar günstiger zu haben, als der „nackte“ Pi ohne Zubehör. Diese Möglichkeit ist beim Raspberry Pi nur sehr eingeschränkt möglich, da der Gebrauchtmarkt dort kleiner ist und fast ausschließlich aus Privatpersonen besteht. Bei PCs und Mini-PCs dagegen gibt es Unternehmen, die Gebrauchtgeräte aus z.B. Leasingverträgen professionell aufbereitet verkaufen – inklusive Gewährleistung.

Je nach verfügbarem Platz und geplanter Nutzung muss es vielleicht aber auch gar kein Mini-Gerät sein. Eine weitere Alternative sind Laptops oder gar vollwertige Computer, wenn man den Platz dafür hat. Diese verbrauchen zwar etwas mehr Strom. Doch vor allem bei nur gelegentlicher Nutzung fällt dies ggf. nicht besonders stark ins Gewicht. Die verschiedenen Gehäusegrößen variieren im Platzbedarf.

3. Mini-Server

Im Grunde kann man hier ebenfalls einen Mini-PC verwenden. Dies hängt von den Anforderungen ab: Mini-PCs können teilweise nur eine SSD aufnehmen. Manche wie der Lenovo Tiny zusätzlich eine 2,5″ Festplatte. Wer beispielsweise eine private Cloud betreiben möchte, benötigt i.d.R. Festplatten zur Bereitstellung größerer Mengen an Speicher. Mit dem 2,5 “ Format ist man in der Größe beschränkt. Außerdem lässt sich keine Ausfallsicherheit per RAID herstellen. Einziger Workaround zur Erweiterung des Speichers sind externe USB-Festplatten.

Wem das nicht reicht, der kann anstatt fertiger Hardware sich ein ITX-Gehäuse kaufen und selbst Bestücken. Es gibt verschiedene Größen, etwa Mini- Nano- und Pico-ITX. Teils sind mehrere Einschübe für z.B. 3,5″ Festplatten vorhanden. Dies ist eine Art Kompromiss zwischen Mini-PC und vollwertigem Computer. Je nach Platz sind evtl. auch Mini- oder Micro-ATX eine Alternative. Zudem werden hier Steckernetzteile mit geringerer Leistung verbaut, die entsprechend sparsamer als die großen ATX-Netzteile sind.

Der Stromverbrauch ist bei Servern weit wichtiger. Schließlich läuft ein solches Gerät mehr (wahrscheinlich 24/7) als ein Desktop-System. Ihr solltet daher darauf achten, möglichst stromsparende und nicht zu alte Komponenten zu nutzen. Weitere Optimierungen sind möglich. Beispielsweise lassen sich Festplatten automatisch abschalten, wenn sie eine gewisse Zeitspanne nicht genutzt wurden – etwa über Nacht. Das kann aufs Jahr gerechnet einige Euro sparen. Wird der Server nur wenig oder unregelmäßig gebraucht, reicht es möglicherweise aus, ihn bei Bedarf per Wake-On-Lan zu starten – statt eines 24h Betriebes.

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