StartseiteRaspberry PiRaspberry Pi OS September 2022 Aktualisierung: Neue Suche, Picamera2, Network Manager mit Hotspot/VPN, neue Mikrofon-Einstellungen

Raspberry Pi OS September 2022 Aktualisierung: Neue Suche, Picamera2, Network Manager mit Hotspot/VPN, neue Mikrofon-Einstellungen

Nach 5 Monaten ist es wieder soweit: Das Raspberry Pi OS Image wurde aktualisiert. Es handelt sich hierbei um keine neue Version des Raspberry Pi OS – nach wie vor ist Version 11 Bullseye aktuell. Zusätzlich wird im Rahmen des seit Ende 2021 neu eingeführten Raspberry Pi OS Legacy noch die Vorversion unterstützt, d.H. aktuell Buster (10).

In diesem Update vom 07.09.2022 stecken hauptsächlich alle Aktualisierungen seit April 2022. Neue Pis sind dadurch schneller installiert, da die Updates der letzten Monate nicht mehr nachinstalliert werden müssen. Darüber hinaus gibt es ein paar Änderungen und Verbesserungen, die für den einen oder anderen interessant sein könnten. Auf diese werfen wir im Folgenden einen genaueren Blick.

Suchen im Anwendungsmenü

Im Anwendungsmenü mit dem Raspberry Pi Logo hat nun endlich eine Suche Platz gefunden. Wer genau weiß welches Programm er starten möchte, der tippt einfach den Name ein – statt sich durch die Kategorien klicken zu müssen. Solch eine Funktion ist seit etlichen Jahren in nahezu jeder GNU/Linux Desktop-Umgebung Standard. Selbst Microsoft hat sie 2009 mit Windows 7 eingeführt.

Einen Nachteil gibt es jedoch bei der Umsetzung im Raspberry Pi OS: Im Gegensatz zu anderen Desktops ist das Suchfeld hier nämlich nicht immer eingeblendet. Erst wenn man das Menü öffnet und drauf los Tippt, erscheint es. Das finde ich wenig benutzerfreundlich. Gerade unerfahrene dürften nicht damit rechnen, dass ohne sichtbares Feld überhaupt eine Möglichkeit zur Suche besteht. Bisher war das auf dem Raspberry Pi OS ja auch nicht der Fall.

Abgesehen davon eine nützliche und in meinen Augen überfällige Funktion. Ebenfalls praktisch: Man muss nicht zwingend die Maus benutzen. In den Suchergebnissen lässt sich auch per Pfeiltasten navigieren und mit [Enter] das ausgewählte Programm starten.

Neues Symbol für Mikrofone & Tastenkürzel

Bisher gab es in der gleichen Leiste allerdings am rechten statt linken Ende nur ein Lautsprechersymbol, mit dem sowohl Ausgang als auch Eingang geregelt werden konnten. Dies wurde aufgetrennt: Ist ein Mikrofon angeschlossen oder verbunden, erscheint zusätzlich ein kleines Mikrofon. Das ist eine Detailänderung, aber aus Benutzersicht geht es in die intuitive Bedienung, die ich beim Anwendungsmenü eben kritisiert habe: Der Nutzer muss nicht wissen, dass er unter dem Lautsprecher nicht nur die Ausgabelautstärke regelt. Durch das Mikrofon wird sofort klar, wo er den Eingangspegel verändern kann.

Mit einem Rechtsklick lässt sich ein Kontextmenü öffnen. Ähnlich wie man es von anderen Desktop-Umgebungen her kennt, kann man dort etwa das Gerät ändern (falls mehrere vorhanden sind) oder auch sein Mikrofon stumm schalten.

Ebenfalls neu: Mit [STRG] + [ALT] + [B] kann man das Einstellungsmenü für Bluetooth öffnen. Die Tastenkombination [STRG] + [ALT] + [W] erlaubt die Konfiguration des WLANs, ohne die Maus verwenden zu müssen.

Neue Schnittstelle für Kameras: Picamera2

Der Raspberry Pi besitzt einen eigenen Anschluss für Kameras und wird daher auch gerne zusammen damit eingesetzt. Sei es um Tiere zu beobachten, als Überwachungskamera oder als spannende Möglichkeit zur automatisierten Erkennung von Objekten. Hier kommt oft Picamera zum Einsatz.

Am Stack für Kameras wurde ja bereits in der Vergangenheit gearbeitet. Raspberry Pi OS Bullseye ersetzte den Treiber zum Zugriff auf Kameras durch libcamera. Dabei geht es hauptsächlich darum, mehr Standard Open Source Komponenten zu nutzen. Proprietäre Treiber werden reduziert.

Picamera ist die Bibliothek für den Zugriff auf die Kamera durch Python. Oder besser gesagt war: Seit Raspberry Pi OS 11 Bullseye ist es als veraltete markiert und soll in zukünftigen Versionen entfernt werden. Der Nachfolger Picamera2 befindet sich derzeit als Beta-Version in der Entwicklung. Sie wird von der Raspberry Pi Organisation selbst entwickelt. Beim Vorgänger Picamera handelte es sich um Drittanbieter-Code.

Es macht daher Sinn, für neue Projekte bereits Version 2 auszuprobieren. Bisher war Picamera2 allerdings noch nicht im Raspberry Pi OS enthalten. Man musste von Hand die Abhänigkeiten installieren und es selbst kompilieren. Seit August 2022 gibt es Alternativ dazu das APT-Paket python3-picamera2, welches deutlich einfacher mit folgendem Befehl installiert werden kann:

sudo apt install python3-picamera2

Unterstützung für NetworkManager

Für sämtliche Netzwerkfunktionen kam bisher dhcpcd zum Einsatz. Die Meisten von euch haben es wahrscheinlich nicht direkt genutzt. Aber indirekt, beispielsweise durch das Verbinden mit WLAN-Netzwerken. Beim Anschluss eines Netzwerkkabels kümmert es sich um alles notwendige, dass die Netzwerkverbindung „einfach funktioniert“.

Jede Distribution benötigt eine Software für solche Standardaufgaben. Andere haben sich für NetworkManager entschieden. Das Projekt startete 2004 von Red Hat und wird mittlerweile von vielen GNU/Linux Distributionen eingesetzt, vor allem auf dem Desktop. Ein bekanntes Beispiel ist Ubuntu. Lediglich unter Ubuntu Core wird auf Netplan und dem von Systemd stammenden Networkd gesetzt.

Der Wechsel zu NetworkManager hat zwei Vorteile: Zum einen eine Vereinfachung für all jene, die ihn z.B. am PC/Laptop schon einsetzen und nun auf dem Pi die gleiche Software nutzen. Darüber hinaus bietet er einige zusätzliche Funktionen. Beispielsweise kann man sich vergleichsweise einfach mit einem VPN-Server verbinden, wenn das VPN-Plugin installiert wird. Dies dürfte vor allem die Nutzer von Fritz! Boxen freuen, da AVM den NetworkManager unter Linux als Client unterstützt.

Ebenfalls praktisch: Mit wenigen Mausklicks lässt sich ein WLAN-Hotspot erstellen, wenn der Pi zusätzlich per Kabel angebunden ist.

Vorerst ändert sich für euch aber nichts: Dhcpcd bleibt der Standard. NetworkManager wird als Vorschauversion mit möglichen Fehlern gesehen. Wer ihn nutzen möchte, muss zuerst das dazugehörige Paket installieren:

sudo apt install network-manager

Anschließend in der raspi-config unter 6 Advanced Options > AA Network Config ausdrücklich aktivieren. Alle gespeicherten WLAN-Verbindungen gehen dadurch verloren, sodass ihr diese neu einspeichern müsst. In einer zukünftigen Version wird Dhcpcd durch NetworkManager abgelöst werden.

Wie bekomme ich das September-Update?

Wer einen neuen Pi installiert, der nutzt einfach das aktuellste Abbild vom September. Am einfachsten funktioniert das über den Raspberry Pi Imager. Darin wird automatisch die neue Version verteilt. Wer seine Karten von Hand mit dd, balenaEtcher oder auf anderem Wege flasht, muss zuvor das aktuellste Image herunterladen.

Hast du bereits eine laufende Raspberry Pi OS Installation, aktualisiere zunächst die Paketquellen. Mit full-upgrade werden auch neue Pakete installiert bzw. vorhandene entfernt. Wer zunächst sehen möchte was passiert, kann apt –simulate full-upgrade nutzen. Im Gegensatz dazu bringt apt upgrade lediglich die aktuell installierten Pakete auf die neueste Version, was in Falle dieses Upgrades vollkommen ausreichend ist. Ein anschließender Neustart wird empfohlen.

sudo apt update
sudo apt upgrade
# Hier nicht notwendig, evtl bei späteren Upgrades
sudo apt full-upgrade

Welche Version du installiert hast, ist anhand der Datei /boot/issue.txt und /etc/rpi-issue ersichtlich. Darin steht das Release-Datum. Bei der vorherigen Version wird 04.04.2022 (2022-04-04 im US-Format) ausgegeben. Beachte: Dies scheint sich nur auf die initial installierte Version zu beziehen! Wurde inzwischen ein Upgrade vorgenommen, steht hier ggf. eine ältere Version.

$ cat /boot/issue.txt 
Raspberry Pi reference 2022-04-04

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