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  1. #31
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    Standard AW: Ukraine Krieg: Umweltverschmutzung interessiert niemand!

    Gregor Gysi hat sich zu Beginn des Ukraine-Kriegs und in den Diskussionen zur Unterstützung danach gegen Waffenlieferungen ausgesprochen. Sein Kernargument war: Deutschland sollte nicht finanziell von Kriegen profitieren. Finde ich einen guten Punkt. Einerseits wollen viele, dass Kriege wie z.B. in der Ukraine enden. (Viele in Klammern mit dem "Sieg" der Ukraine). Auf der anderen Seite ist das nicht im Interesse der Rüstungsindustrie. Würden morgen die Kriege aufhören, wäre das der Anfang vom Ende dieser Branche. Stattdessen ist das Gegenteil der Fall, weil die Zahl an bewaffneten Konflikten steigt. Die Interessen der Bevölkerungen decken sich somit nicht mit denen dieser Industrie.

    Auf harmlosere Art könnte man das auf andere Dinge übertragen. Eine Dating-Plattform will gar nicht, dass du morgen deinen Traumpartner oder deine Traumpartnerin findest. Dann ist die Plattform für viele unnötig und nimmt kein Geld mehr ein. Jeder Berater verhungert, wenn er in perfekte Unternehmen käme, wo er nach kurzer Prüfung nur "Hier passt alles" sagen braucht.


  2. #32

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    Standard AW: Ukraine Krieg: Umweltverschmutzung interessiert niemand!

    Hersteller verdienen oft mehr am Neukauf als an Produkten, die 20 Jahre halten und (leicht) reparierbar sind.
    Berater, Coaches und co. leben davon, dass angeblich immer noch etwas fehlt, verbessert oder umgebaut werden muss.

    Das Problem ist also nicht nur die Moral einzelner Akteure, sondern die Logik des Systems: Wo ungelöste Probleme Umsatz erzeugen, entstehen falsche Anreize.
    Genau deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, wenn wirtschaftliche Interessen als Gemeinwohl verkauft werden. Nicht alles, was profitabel ist, dient automatisch der Gesellschaft. Und nicht jede Branche hat ein echtes Interesse daran, dass die Probleme, von denen sie lebt, tatsächlich verschwinden.

    Die entscheidende Frage ist doch:
    Wollen wir eine Wirtschaft, die an der Lösung von Problemen verdient oder eine, die am Fortbestehen von Problemen am besten verdient?

    Willkommen im Kapitalismus.

    P.S.: Besonders absurd wirkt das hier in Deutschland: Hier zahlen sich Bürger mit Abgaben, Auflagen und ständig neuen moralischen Belehrungen dumm und dämlich, angeblich um die (Um)Welt zu retten, während international oft ganz andere Maßstäbe gelten und vielerorts schlicht das Gegenteil passiert. Dem Einzelnen wird Verzicht gepredigt, während global weiter auf Wachstum, Ressourcenverschleiß und Machtpolitik gesetzt wird.

    Und wer leidet? Der Deutsche.

  3. The Following User Says Thank You to Brainy For This Useful Post:

    DMW007 (Heute)

  4. #33
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    Standard AW: Ukraine Krieg: Umweltverschmutzung interessiert niemand!

    Darauf läuft es letztendlich hinaus. Wobei die Erkenntnis teils bereits an der Definition von "Lösung" scheitert. Das wurde mir deutlich, als jemand zu meiner Preis- und Obsoleszenz-Kritik an Apple sagte: Stimmt, aber er erwirtschaftet damit so große Umsetze, dass ein paar tausend Euro mehr nicht interessieren, so lange es läuft. Beruflich ist das eine andere Dimension. Da fällt auch die Windows-Lizenz bei den PCs kaum ins Gewicht. Zumal diese Ausgaben oft noch von der Steuer absetzbar sind.

    Aus seiner Sicht löst Apple sein Problem, weil er trotz hoher Kosten deutlich höhere Umsätze & Gewinne erzielt. Während ich sie als Teil des Problems sehe, da sie immense Aufpreise für Speicher verlangen, die Geräte durch Software-Obsoleszenz früher unbrauchbar machen usw.

    Ich halte es für Vorstellbar, dass die Krise eine Chance sein kann, um dieses Bewusstsein zu schärfen. Bisher konnten es sich viele leisten, solchen Plattformverfall zu ignorieren. Wenn der RAM statt 80€ nun über 400€ kostet, wird kritischer hinterfragt, ob das sein muss. Realistisch befürchte ich allerdings, es wird wie früher laufen: Sobald die Krise nachlässt, fallen viele wieder in alte Muster zurück. Und ändern erst etwas, wenn es keine Wahl mehr gibt. Beim Ukraine-Krieg hatten wir das gar nicht. Die Folgen waren relativ mild.

    Anders sieht es im Falle des Iran-Kriegs aus. Wenn die Straße von Hormus zu bleibt, kann der Markt auf längere Zeit die Preise erhöhen bzw. hoch halten. Dann ist fossile Energie schlicht in vielen Fällen viel zu teuer. Schon rein kapitalistisch wäre ein Umstieg damit möglichst schnell sinnvoll. Bisher ist keine Entspannung in Sicht, im Gegenteil. Trump hat dem Iran eine Frist bis Montag gesetzt und beleidigt das Regime.

    Es ist interessant und erschreckend zugleich, wie kurzsichtig große Teile des Kapitalismus agieren. Die Abhängigkeit vom Öl beispielsweise ist keineswegs neu. Bereits in den 1970er Jahren gab es eine Krise, mit dem deutlich wurde, wie dünn das ganze ist. Obwohl sich das mit dem Angriff auf die Ukraine wiederholte, wurde wenig daraus gelernt. Unter Ökonomen ist auch längst der Klimawandel als eines der größten wirtschaftlichen Risiken erkannt. Nicht, weil ihnen Ökologie wichtig ist. Sondern, weil sie nüchtern ökonomisch erkennen, dass z.B. vernichtete Ernten negativ für den Gewinn sind.


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